Digitalisierung in der Supply Chain

Investitionen in Technologien, die Echtzeitdaten liefern, sind entscheidend für robuste Lieferketten

19 Min
27. Juni 2024
Supply chain use case

Sie können sich auf Folgendes freuen:

Die Digitalisierung der Supply Chain umfasst den Einsatz moderner Technologien und digitaler Prozesse, um die Effizienz und Transparenz in den Abläufen zu steigern. Das italienische Lebensmittelunternehmen Granterre setzt eine Supply Chain RFID-basierte Rückverfolgungslösung ein, um die vollständige Transparenz aller Waren in der Lieferkette zu gewährleisten. Mit Hilfe von UHF-RFID-Chips können Gemüse und Früchte auf ihrem Weg vom Bauernhof bis in die Geschäfte verfolgt werden, um die Qualität und Frische der Lebensmittel zu gewährleisten. In Australien wird die Supply Chain NFC-Technologie zur Überwachung der Temperatur und zur Verfolgung von Meeresfrüchten in Containern über die gesamte Kühlkette hinweg eingesetzt.

1. Status Quo

Was ist eine traditionelle Lieferkette?

Das Konzept der Lieferkette, auch bekannt als „Supply Chain“, ist ein Bestandteil der Wirtschaftswissenschaften. Die Lieferkette umfasst die folgenden Phasen: Beschaffung, Produktion, Lagerhaltung und Kommissionierung, Transport und Logistikkettenmanagement, Vertrieb und Retourenmanagement. Die Koordination dieser Prozesse ist komplex, da sie zahlreiche Akteure, Logistikverantwortliche und Ressourcen miteinander verknüpft.

Traditionelle Lieferketten sind linear und befördern die Waren nacheinander von den Lieferanten zu den Herstellern, dann zu den Vertreibern, Einzelhändlern und schließlich zu den Kunden. Die Integration und Kommunikation zwischen den verschiedenen Einheiten in der traditionellen Lieferkette ist begrenzt. Jede Stufe operiert oft unabhängig und der Informationsaustausch ist minimal. Es werden keine Logistikmanagement-Tools verwendet, und die Dokumentation erfolgt in Form von Papierunterlagen anstatt in Form von digitalen Akten. Der Schwerpunkt einer traditionellen Lieferkette liegt auf der Senkung der Investitionskosten durch die Optimierung der betrieblichen Effizienz in Produktion und Versand.

Warum ist eine digitalisierte Lieferkette so wichtig?

Das Stichwort lautet hier „Unterbrechung“. Unterbrechungen in der Lieferkette können beispielsweise durch Naturkatastrophen und vom Menschen verursachte Katastrophen, Pandemien, Cyberangriffe, Politik, Transport- und Lieferantenprobleme sowie Lagerbestände und Arbeitskräftemangel verursacht werden. Zu den Ereignissen, die zu Unterbrechungen der Lieferkette geführt haben, gehören der Handelskrieg zwischen China und den USA im Jahr 2018, die COVID-19-Pandemie im Jahr 2020, die Halbleiterkrise im Jahr 2020, der Russland-Ukraine-Krieg im Jahr 2022 und die Dürre im Panamakanal im Jahr 2023.

Unterbrechungen der Lieferkette führen weltweit zu Produktionseinschränkungen oder -stillständen, finanziellen Verlusten und Kundenunzufriedenheit. Eine schnelle Reaktion auf Unterbrechungen der Lieferkette ist für Unternehmen heute ein Muss, um Engpässe, Verzögerungen und andere unerwünschte Situationen zu vermeiden. Traditionelle Lieferketten sind oft nicht flexibel und können sich nicht an Unterbrechungen der Lieferkette anpassen.

Unternehmen müssen daher robuste Lieferketten aufbauen, um auf solche Störungen reagieren zu können. Wie? Die Methoden umfassen die Entwicklung einer Risikobewusstseinsstrategie und die Erstellung eines Risikominderungsplans. Unternehmen sollten auch ein proaktives Überwachungssystem auf der Grundlage von Echtzeit-Datenanalysen einführen, um potenzielle Probleme im Voraus zu erkennen. Außerdem ist es wichtig, eine offene Kommunikation zwischen allen Beteiligten der Lieferkette aufrechtzuerhalten. Das kann durch Investitionen in Technologien wie Supply-Chain-Software für Transparenz, automatisierte Systeme und vorausschauende Analysen erreicht werden.

Die Investition in Technologielösungen, die Daten in Echtzeit liefern, ist entscheidend für robuste Lieferketten. Beispiele für solche Lösungen sind RFID in der Lieferkette und GPS-Ortung. Ziel ist es, die Sichtbarkeit der Lieferkette zu optimieren und damit die Transparenz zu verbessern. Durch die Sichtbarkeit der Waren in der gesamten Lieferkette kennen die Unternehmen den Standort und den Status ihrer Waren und erfahren auch von möglichen Risiken. So können Unternehmen frühzeitig reagieren, um mögliche Störungen zu vermeiden. Aus diesem Grund ist eine digitalisierte Lieferkette oft ein Synonym für eine robuste Lieferkette.

Digitalisierte Lieferketten und Supply Chain Management (SCM)

Die Einführung von Supply Chain Management 4.0 bedeutet eine vollständige Digitalisierung der Lieferkette. Die digitale Transformation der Lieferkette ist häufig Teil von Industrie 4.0 und umfasst die Integration von modernen Technologien. Dazu gehören beispielsweise das Internet of Things (IoT) in der Supply Chain, künstliche Intelligenz (KI), Blockchain, Cloud Computing, fortschrittliche Analytik, Robotics Process Automation (RPA), digitale Zwillinge, Edge-Computing in der Supply Chain, Kontrolltürme in der Lieferkette, 3D-Druck sowie Drohnen und autonome Fahrzeuge. Entscheidend ist, dass das Netzwerk von Vermögenswerten, Daten und Abläufen durch Supply Chain Management (SCM) miteinander verbunden wird.

Das SCM-Management gewährleistet die Steuerung und Koordinierung aller Phasen der Lieferkette: Planung, Beschaffung, Produktion, Vertrieb und Retouren. Der SCM-Prozess umfasst das Nachfragemanagement, das SCM-Liefermanagement, den monatlichen integrierten Geschäftsmanagementprozess S&OP und das Produktportfoliomanagement. Unternehmen setzen heute eine Vielzahl von Tools und Technologien im Supply Chain Management ein, um Prozesse effizienter zu gestalten, Kosten zu senken und Arbeitsabläufe zu optimieren:

Enterprise Resource Planning (ERP)-Systeme integrieren verschiedene Geschäftsprozesse wie Einkauf, Produktion, Vertrieb und Finanzen in einem einheitlichen Rahmen. Spezialisierte Supply Chain Management (SCM)-Software steuert die gesamte Lieferkette mit Modulen zur Bedarfsplanung, Bestandsmanagement und Transportplanung. Warehouse Management Systeme (WMS) und Transportation Management Systeme (TMS) ermöglichen eine präzise Steuerung von Lagerhaltung und Transport.
Wireless SCM, unterstützt durch IoT-Technologien, hat die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Lieferketten verwalten und steuern, grundlegend verändert. SCM SAW-Sensor-Tags und Supply Chain IoT (Wireless-Supply-Chain) liefern Echtzeitdaten für Bestandsverfolgung und Produktionsüberwachung. Wie funktioniert 5G in der Lieferkette? 5G in der Supply Chain hat das Potenzial, die Echtzeitverfolgung von Assets zu optimieren, aufgrund der erhöhten Datenübertragungsmöglichkeiten.

SCM-RFID-Tags können Informationen drahtlos übertragen und ermöglichen eine automatisierte Identifikation und Verfolgung von Produkten. SCM mit NFC-Technologie gewährleistet eine schnelle und sichere drahtlose Kommunikation zwischen Geräten in unmittelbarer Nähe. Dadurch wird die Erfassung und Verfolgung von Waren auf ihrem Weg durch die Lieferkette vereinfact. Produkte mit NFC-Tags ausgestattet werden, um ihren Standort und ihren Status in Echtzeit zu verfolgen.
Nachfrageprognosen, die Identifizierung von Engpässen und optimierte Lagerbestände werden durch künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen (ML) ermöglicht. Supply Chain Blockchain-Technologie verbessert die Transparenz und Traceability von Einzelprodukten. Supply Chain Big-Data-Lösungen werden zur Analyse von Datenmengen eingesetzt, um Trends zu erkennen und Prozesse zu optimieren. Robotic Process Automation (RPA) ermöglicht die Automatisierung von Routineaufgaben. Diese Technologien steigern die Effizienz und Flexibilität moderner Lieferketten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der digitalisierten Lieferkette ist die OCR (Optical Character Recognition) Technologie. OCR in der Supply Chain automatisiert die Datenerfassung und -verarbeitung. Das Ergebnis: Ein effizienteres Verwaltung von Dokumenten und Informationen entlang der Lieferkette. Dies reduziert nicht nur den Arbeitsaufwand, sondern minimiert auch menschliche Fehler und beschleunigt die Abwicklung von Lieferkettenprozessen.

Die Digitalisierung des SCM verspricht nicht nur eine verbesserte Effizienz und Transparenz, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle und Partnerschaften.

Welche Formen von Lieferketten gibt es?

Unternehmen, die Lieferketten aufbauen wollen, müssen die verschiedenen Formen von Lieferketten kennen. Hier sind die sieben Hauptmodelle für Lieferketten.

1. „Agile Model“

Der Schwerpunkt einer agilen Lieferkette liegt auf der Effizienz der Prozesse und der Unterstützung der Mitarbeiter. Es handelt sich um ein aktives System, das es den Unternehmen ermöglicht, ihre Bestände im Auge zu behalten und gleichzeitig den künftigen Bedarf vorauszusehen. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter in der Lage sind, genaue Informationen in Echtzeit zu sammeln und weiterzugeben. Aus diesem Grund investieren Unternehmen, die ein agiles Lieferkettenmodell anwenden, häufig in datengesteuerte Prozesse und moderne Technologien. Dadurch haben die Unternehmen eine bessere Kontrolle über ihre Lieferkette. Daten und Kommunikation in Echtzeit ermöglichen eine schnelle Entscheidungsfindung. So kann schnell auf unerwartete Veränderungen bei Angebot und Nachfrage reagiert werden. Eine agile Lieferkette ist ideal für Unternehmen, die mit stark schwankender Kundennachfrage zu tun haben. Das Unternehmen Nike beispielsweise nutzt dieses Lieferkettenmodell.

2. „Continuous Flow Model“

Diese Lieferkette gewährleistet eine kontinuierliche Lieferung von Produkten mit minimalen Unterbrechungen im Lieferfluss. Dadurch werden schnelle und zuverlässige Lieferungen und ein besserer Kundenservice erreicht. Entscheidend ist die Aufrechterhaltung einer gleichmäßigen Versorgung und damit die Maximierung der Effizienz. Anders ausgedrückt: Eine Lieferkette mit kontinuierlichem Warenfluss stützt sich auf die Stabilität von Angebot und Nachfrage. Dieses Modell ist ideal für Unternehmen, die über konsistente Produktionsprozesse verfügen. Die Unternehmen Amazon, Apple, PepsiCo und Coca-Cola zum Beispiel nutzen dieses Lieferkettenmodell.

3. „Custom-Configured Model“

Wie bereits aus dem Namen hervorgeht, passen Unternehmen, die dieses Modell anwenden, ihre Lieferketten an die Bedürfnisse oder Anforderungen ihrer Kunden an. Unternehmen, die dieses Modell anwenden, benötigen eine starke Kommunikation mit ihren Kunden. Dieses Modell ist ideal für Unternehmen, die spezielle Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Das Unternehmen Dell nutzt dieses Lieferkettenmodell. Die Firma bietet individuelle Computerkonfigurationen an, die auf die Bedürfnisse der einzelnen Kunden zugeschnitten sind.

4. „Efficient Chain Model“

Der Schwerpunkt einer effizienten Lieferkette liegt auf der Reduzierung von Verschwendung und der Maximierung der Effizienz der Lieferkette. Unternehmen, die dieses Modell anwenden, benötigen genaue Produktionsprognosen, um nur die benötigten Rohstoffe und Maschinen bereitzustellen. Eine effiziente Lieferkette ist ideal für groß angelegte Produktionsprozesse, bei denen eine hohe Produktionsmenge und niedrige Produktionskosten im Vordergrund stehen. Dieses Modell ist jedoch anfällig für Störungen wie z. B. Arbeits- und Rohstoffmangel. Das kann zu Verzögerungen in der Lieferkette und den daraus resultierenden Kosten führen. Dieses Modell wird beispielsweise von den Unternehmen Toyota, General Mills und McDonald’s verwendet.

5. „Fast Chain Model“

Unternehmen mit Produktlinien, die kurze Lebenszyklen haben, nutzen das Fast-Chain-Modell. Der Schwerpunkt liegt auf Schnelligkeit – schnelle Lieferungen und Reaktion auf Angebot und Nachfrage. Dieses Modell ist ideal für Unternehmen, die mit saisonalen Trends arbeiten. Dazu gehören z. B. Modehändler und Elektronikhersteller. Die Unternehmen Zara, Gap, Adidas und Kenneth Cole nutzen dieses Modell.

6. „Flexible Model“

Unternehmen, die dieses Modell anwenden, konzentrieren sich auf flexible Lieferkettenabläufe. Entscheidend ist die Fähigkeit, sich an plötzliche Veränderungen anzupassen, um der Kundennachfrage gerecht zu werden. Dieses Modell ist ideal für Unternehmen, die ihr Produktionsniveau an die saisonale Nachfrage anpassen müssen. Die Unternehmen Hewlett Packard und Office Depot nutzen dieses Modell. Beispielsweise passen landwirtschaftliche Betriebe ihre Lieferketten an die saisonalen Ernteerträge an.

7. „Virtual Model“

Die virtuelle Lieferkette ist ein wachsendes Modell. Dieses Modell beinhaltet den Einsatz virtueller Technologien zur Optimierung der Lieferkettenabläufe. Dazu gehören Cloud Computing und Datenanalyse. Das Ergebnis: Erhöhte Transparenz, Kommunikation, Effizienz und Flexibilität in der Lieferkette. Das Unternehmen Proctor & Gamble nutzt dieses Modell zum Beispiel.

Wireless IoT Technologien und Supply Chain

  • RFID

    Radio Frequency Identification (RFID)-Technologie wird in der Lieferkette eingesetzt, um die Sichtbarkeit und Rückverfolgbarkeit von Gütern zu optimieren. Waren werden oft bereits in der Produktion mit RFID-Etiketten versehen und können in der gesamten Lieferkette nachverfolgt werden.

  • BLE

    Bluetooth Low Energy (BLE)-Tags und -Beacons können verwendet werden, um den Standort von Waren in der gesamten Lieferkette zu verfolgen. Sie werden in der Regel sowohl im Innen- als auch im Außenbereich zur Ortung von Gütern eingesetzt.

  • NFC

    Near Field Communication (NFC)-Tags werden zur Verfolgung von Produkten in Lieferketten verwendet. Die Tags werden für die Bestandsverwaltung verwendet, um Lieferungen zu verfolgen und Kunden mit Standort- und Statusdaten ihrer Bestellungen in Echtzeit zu versorgen.

  • Sensorik

    Sensoren können für die Temperaturüberwachung empfindlicher Güter wie Impfstoffe verwendet werden. Sie werden häufig zur Überwachung und Verfolgung der Kühlkette eingesetzt.

  • RTLS

    Real Time Location Systeme (RTLS) können eingesetzt werden, um die Warenbewegungen in der gesamten Lieferkette in Echtzeit sichtbar zu machen.

IoT-Produkte für die Supply Chain

Verschiedene IoT-Produkte werden im Supply Chain Management eingesetzt, um eine effiziente Datenerfassung und -verfolgung zu ermöglichen.

Datenträger wie z.B. NFC- und RFID-Tags und Transponder können auf Produkten aus der Produktion angebracht werden. Diese Datenträger speichern wichtige Informationen über Produkte und ermöglichen eine nahtlose Verfolgung durch die gesamte Lieferkette. Spezialdrucker für Supply Chain Barcode- und RFID-Etiketten ermöglichen das schnelle Erstellen von Etiketten zur industrielle Kennzeichnung und Nachverfolgung von Waren.

RFID-Schreib-/Lesegeräte, sowie Barcode-Scanner und RFID-Scanner werden verwendet, um Produktinformationen schnell zu erfassen und Prozesse wie Bestandsmanagement, Wareneingang und -ausgang zu automatisieren. In Kombination mit RFID-Systemen ermöglichen Antennen das Erfassen von RFID-Tag-Informationen über größere Entfernungen und unterstützen so die Automatisierung von Tracking-Prozessen. NFC-fähige Lesegeräte oder Smartphones werden zum Lesen von NFC-Tags verwendet.

BLE-Gateways sammeln Daten von BLE-Beacons oder -Sensoren, die an Waren oder Transportmitteln angebracht sind, und übermitteln diese Daten an zentrale Systeme zur weiteren Analyse. Supply Chain GPS-Tracker und IoT-basierte Tracking-Geräte werden verwendet, um die Position und den Zustand von Waren während des Transports in Echtzeit zu überwachen. RTLS-Systeme (Echtzeitlokalisierung) in Lagern können beispielsweise mit Ankern, Tags, Sensoren und Softwareplattformen eingerichtet werden.

Überwachungskameras werden zur Sicherheit und zum Schutz der Anlagen eingesetzt. Spezialisierte Kameras werden auch zur optischen Inspektion und Qualitätssicherung von Produkten verwendet.
Softwarelösungen für das Supply Chain Management, Warehouse Management Systeme (WMS), Enterprise Resource Planning (ERP)-Systeme und spezialisierte Tracking- und Analyse-Tools werden benutzt für die Integration und Analyse der von den verschiedenen Geräten und Technologien gesammelten Daten.

Zahlen & Fakten

Unterbrechungen der Lieferkette sind keine Seltenheit und führen zu großen Verlusten für Unternehmen. Laut einem Bericht der Marktforschungsplattform „Gitnux“ führen Unterbrechungen der Lieferkette in der Regel zu einem Anstieg der Kosten um 3 bis 5 Prozent und zu einem Rückgang des Gesamtumsatzes um 7 Prozent. Über 80 Prozent der Unternehmen haben in den letzten 12 Monaten eine Unterbrechung der Lieferkette erlebt.

Das zeigt, wie wichtig robuste Lieferketten sind. Mehr als 50 Prozent der Unternehmen glauben, dass die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette verbessern wird. Es wird erwartet, dass der Einsatz von Robotik in der Lieferkette bis 2025 weltweit um 14 Prozent zunehmen wird. Dadurch wird das Automatisierungspotenzial von Lieferketten deutlich. Laut einem Bericht von „World Metrics“ nutzen 62 Prozent der Unternehmen bereits eine Form der modernen Lieferkettenanalytik. 93 Prozent der Spediteure und 98 Prozent der Drittlogistikunternehmen sind der Meinung, dass datengestützte Entscheidungsfindung für den Betrieb der Lieferkette von entscheidender Bedeutung ist.

2. In der Praxis

Erfolgreiche Beispiele für IoT in der Lieferkette

Es gibt zahlreiche Anwendungsfälle, in denen Unternehmen moderne Technologien in der Lieferkette eingesetzt haben.

Ein Unternehmen, das IoT-Sensoren zur Überwachung der Temperatur verderblicher Waren einsetzt, kann die Lieferungen umleiten, wenn ein Sensor eine Temperaturüberschreitung anzeigt, und so den Verderb verhindern. Einzelhändler wie Walmart setzen KI und ML ein, um die Bestandsverwaltung zu optimieren und sicherzustellen, dass die Produkte auch bei Störungen zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort verfügbar sind. Unternehmen wie IBM und Maersk haben Blockchain-Lösungen entwickelt, um die Transparenz und Effizienz der globalen Versandlogistik zu verbessern. Unternehmen wie Amazon nutzen Cloud-basierte Lösungen für das Lieferkettenmanagement, um die Verfolgung und Koordinierung ihrer riesigen Logistiknetzwerke in Echtzeit zu ermöglichen. Ein Hersteller, der prädiktive Analysen einsetzt, kann potenzielle Lieferkettenengpässe aufgrund geopolitischer Probleme vorhersehen und seine Beschaffungsstrategien entsprechend anpassen. Unternehmen wie General Electric (GE) setzen digitale Zwillinge ein, um die Leistung ihrer Lieferkette zu simulieren und so Strategien zur Reaktion auf Störungen effektiv zu testen und umzusetzen.

Die folgenden Lösungen basieren auf echten Erfolgsgeschichten und zeigen die Vorteile der IoT-Integration in die Lieferkette im Lebensmitteleinzelhandel und in der Logistik.

Lebensmittellieferkette-Tracking bei Granterre

Der italienische Lebensmittelkonzern Granterre setzt in seinem 30.000 Quadratmeter großen Distributionszentrum in Bologna Interporto eine RFID-Tracking-Lösung zur Sicherstellung der Sichtbarkeit in der Lebensmittellieferkette ein. Transporteinheiten werden ab Produktion mit RFID-Tags versehen und beim Ein- und Ausgang des Zentrums automatisch mit RFID-Gates erfasst. Die id-Bridge 4.0 Middleware von Murata steuert das RFID-System. Das Ergebnis: Eine Reduzierung der Be- und Entladezeiten um 50 Prozent und eine Versandgenauigkeit von 99,95 Prozent.

Lieferkettenverfolgung mit NXP Semiconductors

Die Lebensmittellogistik im Obst- und Gemüsesektor stellt hohe Anforderungen an die Qualitätsstandards. Mit UHF-RFID-Lösungen, wie den UCODE-Chips von NXP Semiconductor, können alle Obst- und Gemüsebehälter in Echtzeit innerhalb der Lieferkette verfolgt werden. Dadurch wird die Frische und Qualität von Obst und Gemüse sichergestellt. Durch die Kennzeichnung der Einheiten mit UHF-RFID und den Einsatz eines Warenwirtschaftssystems können ältere Lebensmittelprodukte im Lager so positioniert werden, dass sie schneller verkauft werden. Das Ergebnis: eine höhere Kundenzufriedenheit.

Track & Trace in der Lieferkette bei TomKat

Mit einer NFC-basierten Lösung zur Behälterverfolgung sind temperaturempfindliche Waren wie Meeresfrüchte über die gesamte Cold Chain und Supply Chain hinweg lückenlos rückverfolgbar. Der von TomKat entwickelte KoolPak ist ein thermisch isolierter Behälter, der mit einem NFC-Temperatursensor-Tag von SAG ausgestattet ist. Mit diesem Tag wird sowohl die Temperaturüberwachung als auch die Fälschungssicherheit ermöglicht. Kunden können das KoolPak in der gesamten Lieferkette mit einer speziell entwickelte Software und Gate-Scanning-Ausrüstung von Feig Electronic überwachen.

„Durch den Einsatz der NFC-Sensor-Tags und der Überwachungssoftware können lokale Fischer, internationale Kunden und offizielle Behörden sicher sein, dass die Herkunft der Produkte nachgewiesen wird. Kath und ich sehen zum Beispiel Westafrika als einen wichtigen potenziellen Markt für das KoolPak. Die hohen Temperaturen dort machen den Inlandstransport von verderblichen Waren zu einer Herausforderung. Die Track-and-Trace-Funktion der NFC-Tags kann genutzt werden, um Betrug und andere illegale Aktivitäten entlang der Lieferkette aufzudecken und zu verhindern.“

Tom Long

COO and Founder, TomKat Line Fish

Logo TomKat Line Fish

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3. Panorama

Schritt für Schritt zu einer digitalisierten Lieferkette

In den letzten Jahren wurde die globale Lieferkette durch die in den obigen Abschnitten erwähnten Krisen erheblich unterbrochen. Aufgrund dieser Unterbrechungen erkennen viele Unternehmen zunehmend die Vorteile einer automatisierten und digitalisierten Lieferkette.

Eine Auswirkung der COVID-19-Pandemie ist zum Beispiel der Boom im E-Commerce, der hohe Anforderungen an die Digitalisierung im Einzelhandel und die entsprechenden Lieferketten stellt. Für viele Unternehmen steht die Erhöhung der Transparenz in der Lieferkette an oberster Priorität, um das Bestandsmanagement zu verbessern, die Effizienz zu steigern und Unterbrechungen zu reduzieren. Immer mehr Unternehmen planen auch die Implementierung von KI-Lösungen für die Lieferkette als nächsten Schritt zur Automatisierung und Robotik.

Statistiken zeigen, dass die Digitalisierung der Lieferkette zunehmend an Fahrt gewinnt, allerdings mit geringerem Tempo als in anderen Branchen. Hauptgründe sind die Komplexität der Lieferketten, der Einsatz veralteter Systeme, hohe Investitionskosten, Sicherheitsbedenken und Fachkräftemangel. Flexible Technologien wie Cloud-Lösungen und modulare Systeme, Kooperationen mit Technologieanbietern und Forschungseinrichtungen, sowie Schulungsprogramme sind entscheidend. Standardisierung und Interoperabilität erleichtern die Integration. Die Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung der Lieferkette ist die Integration von Technologien, Prozessen und Mitarbeitern.

Just-in-Time (JIS) und Just-in-Sequence Logistik

In modernen Lieferketten werden zunehmend „Just-in-Time“ (JIT) und „Just-in-Sequence“ (JIS) Logistikmethoden angewandt. JIT und JIS sind so konzipiert, dass sie die Effizienz steigern und die Verschwendung reduzieren. Die JIT-Lieferung stellt sicher, dass Materialien und Komponenten genau dann eintreffen, wenn sie im Produktionsprozess benötigt werden, und minimiert so die Lagerbestände und die Lagerkosten.

JIS geht noch einen Schritt weiter, indem es sicherstellt, dass diese Materialien und Komponenten nicht nur pünktlich, sondern auch in der exakten Reihenfolge eintreffen, die für die Produktion erforderlich ist, was besonders in komplexen Fertigungsumgebungen wie der Automobilindustrie wichtig ist. Diese Methoden sind ein wesentlicher Bestandteil moderner Lieferketten, da sie eine schlanke Produktion fördern, die Koordination und Synchronisation mit den Zulieferern verbessern und moderne Technologien für den Datenaustausch und die Automatisierung in Echtzeit nutzen. Durch den Abbau überschüssiger Bestände und die Optimierung des Warenflusses tragen JIT und JIS zu reaktionsschnelleren, flexibleren, kosteneffizienteren und nachhaltigeren Lieferkettenabläufen bei.

Kanban

Kanban ist ein Beispiel für eine weit verbreitete Workflow-Management-Methode in modernen Lieferketten zur Verwaltung von Beständen und Produktionsprozessen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der JIT-Produktion, bei der Materialien und Produkte nur bei Bedarf hergestellt oder beschafft werden. Kanban ist im Wesentlichen ein visuelles Managementinstrument, das Karten (oder digitale Signale) verwendet, um Arbeitsgegenstände und ihren Status im Produktionsprozess darzustellen.

Diese Karten werden in der Regel auf einer Kanban-Tafel platziert, die in Spalten unterteilt ist, die verschiedene Phasen des Arbeitsablaufs darstellen (z. B. Angefordert, In Bearbeitung, Erledigt). Diese visuelle Darstellung hilft den Mitarbeitern, den Status der Arbeit schnell zu verstehen und Engpässe zu erkennen.

Mit den Weiterentwicklungen der Technologie sind viele Unternehmen auf digitale Kanban-Systeme umgestiegen. Diese digitalen Plattformen bieten erweiterte Funktionen wie Echtzeitverfolgung, automatische Benachrichtigungen und Integration mit anderen Unternehmenssystemen wie ERP und Materialbedarfsplanung (MRP). Digitales Kanban bietet mehr Transparenz und Kontrolle über die Lieferkette und ermöglicht schnellere Entscheidungen und eine höhere Effizienz.

Kühlkettenlogistik

Die Implementierung von IoT und RFID in der Lieferkette hat besonders im Bereich der Kühlkettenlogistik – Cold Chain – einen enormen Einfluss. Cold Chain IoT ermöglicht eine präzise Überwachung und Kontrolle der Temperatur und anderer relevanter Parameter während des Transports von temperaturempfindlichen Produkten.

Durch den Einsatz von IoT-Geräten, die kontinuierlich Daten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Standort erfassen, können Unternehmen sicherstellen, dass die Kühlkette während des gesamten Transports eingehalten wird. Diese Daten werden dann durch Cold-Chain-RFID-Tags ergänzt, die eine eindeutige Identifikation der Produkte ermöglichen und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette gewährleisten.

Die Vorteile des IoT in der Lieferkette

Effizienzsteigerung in der Supply Chain wird durch Automatisierung und optimierte Lagerhaltung erreicht. Zu diesem Zweck wird zunehmend das IoT-Lieferkettenmanagement eingesetzt. IoT-Lieferketten haben viele Vorteile.

IoT-Geräte sind die Augen und Ohren der Lieferkette. Sie überwachen den Standort, die Bewegung und den Zustand aller Produkte, die gekennzeichnet sind. Auf diese Weise werden Transparenz und Nachverfolgung verbessert. Die Analyse der von IoT-Geräten gesammelten Daten optimiert die Abläufe. Prozesse wie die Bestandsverwaltung und die Sendungsverfolgung werden automatisiert. Auch die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) von Produktionsanlagen wird möglich, was Produktionsausfälle verhindert.

Unternehmen nutzen IoT-Technologien für die Echtzeitüberwachung von Beständen. Dadurch werden Überbestände oder Fehlbestände vermieden. Der Produktnachschub in der Produktion wird automatisiert und die richtigen Produkte stehen immer zur richtigen Zeit zur Verfügung.

Nachhaltigkeit für Unternehmen ist bei der Digitalisierung der Lieferkette ein wichtiger Faktor. Bestandteil des Nachhaltigkeitsansatzes in der digitalen Lieferkette sind der Einsatz autonomer Fahrzeuge und ein verbessertes Routenmanagement sowie die Reduzierung der CO2-Emissionen. Schnellere Lieferzeiten und ein verbesserter Kundenservice führen zu einer allgemeinen Steigerung der Kundenzufriedenheit, was eines der wichtigsten Endziele von Unternehmen ist, die ihre Lieferketten digitalisieren wollen.

Vorteile von Wireless IoT

  • Reduzierter CO2-Fußabdruck
  • Erhöhte Kundenzufriedenheit
  • Steigerung der Effizienz der Lieferkette
  • Erhöhte Sichtbarkeit und Rückverfolgbarkeit
  • Reduzierte Kosten

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Herausforderungen der Supply Chain Digitalisierung

Bei der Digitalisierung der Lieferketten stehen Unternehmen vor einigen Herausforderungen.
Lieferketten bestehen aus verschiedenen Akteuren, die alle unterschiedliche Systeme an verschiedenen Standorten nutzen. Unternehmen müssen sich von Informationssilos lösen und zu einer zentralisierten Datenlösung und Informationsfluss wechseln. Hierfür werden in der Regel moderne Enterprise-Content-Management-Systeme (ECM) eingesetzt. Diese Systeme sollten in die IT-Infrastruktur integriert werden und für alle Mitarbeiter in der gesamten Lieferkette zugänglich sein.

Eine weitere Herausforderung ist die Datenverwaltung und -sicherheit. Die verschiedenen Akteure in der Lieferkette, darunter Hersteller, Logistikanbieter, Lieferanten und Endkunden, müssen in der Lage sein, Daten sicher auszutauschen. Dieser Prozess ist häufig von Cyberangriffen, unbefugtem Zugriff und Datenverletzungen bedroht. Sensible Informationen müssen ebenfalls geschützt werden. Unternehmen müssen sichere Datenaustauschprotokolle, Kommunikationskanäle und Verschlüsselungstechniken verwenden, um Sicherheitslücken im Datenverkehr zu vermeiden.

Die Digitalisierung der Lieferketten kann kostspielig sein. Erhebliche Investitionen sind in Bezug auf Technologie, Infrastruktur und Mitarbeiterschulung erforderlich. Üblicherweise überwiegt jedoch der Wert der Digitalisierung von Lieferketten die Initialkosten. Eine weitere Herausforderung betrifft die Akzeptanz der Mitarbeiter, die neue digitale Systeme möglicherweise zögerlich annehmen. Aus diesem Grund sind benutzerfreundliche Lösungen und eine entsprechende Training erforderlich. Die Integration neuer digitaler Infrastrukturen und Systeme in der gesamten Lieferkette in Kombination mit bestehenden Systemen, Prozessen und Technologien kann komplex und zeitaufwendig sein.

Ausblick – Next-Level Supply Chain

Von KI in Unternehmen über Blockchain bis hin zur Integration von IoT-Technologien: Diese aufkommenden Trends zeigen, was die Zukunft in Bezug auf die Digitalisierung der Lieferkette bereithält.

Generative AI

Als Teilbereich der KI hat die generative KI (GenAI) das Potenzial, das Lieferkettenmanagement, die Logistik und das Procurement auf die nächste Stufe zu heben. Mit GenAI betriebene Software-Engines können größere Datenmengen verarbeiten. Komplexere Variablen können analysiert werden. GenAI lernt die besonderen Merkmale eines Lieferketten-Ökosystems und erstellt langfristig bessere Analysen.

Blockchain

Mit der steigenden Nachfrage nach Sichtbarkeit und Transparenz in der Lieferkette entwickelt sich Blockchain zu einem Trend für die digitale Lieferkette. RFID-Blockchain ermöglicht beispielsweise die Protokollierung aller Transaktionen innerhalb der Lieferkette. Dadurch wird die Materialverfolgung in der gesamten Lieferkette verbessert, der Papierkram reduziert, die Sicherheit und Transparenz erhöht und Betrugsversuchen vorgebeugt, insbesondere bei hochwertigen Waren.

IoT

Immer mehr IoT-Technologien und -Geräte werden eingesetzt, um Lieferketten zu digitalisieren und zu automatisieren. Dazu gehören zum Beispiel RFID, UWB, RTLS, ORM und BLE. Durch den Einsatz von IoT-Technologien werden die Lagerverwaltung, das Flottenmanagement, die Bestandsverwaltung und die Instandhaltung in der gesamten Lieferkette optimiert.

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