Lagerverwaltung

Die vier Hauptarten von Lagersoftware sind ERP, WMS, WES und WCS

19 Min
27. Juni 2024
Use Case Lagerverwaltung

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Moderne Lagerhäuser sind Technologiezentren. Das Herzstück eines modernen Lagers ist ein Lagerverwaltungsystem (Warehouse Management System (WMS)) – eine bahnbrechende Softwarelösung, die die Bestandsverwaltung, Asset Tracking und die betriebliche Effizienz im Lager optimiert. Die Lagerverwaltung wird durch den Einsatz des Internets of Things (IoT) zunehmend automatisiert. Vernetzte Geräte liefern Echtzeitdaten. Autonome Roboter und Drohnen übernehmen die Kommissionierung, den Bestand und den Warentransport.

1. Status Quo

Das Lager in der modernen Logistik

Die moderne Supply Chain entwickelt sich zunehmend zur „Just-in-Time”-Logistik (JIT). Bei dieser Methode werden die benötigten Materialien und Produkte genau zu dem Zeitpunkt geliefert, zu dem sie gebraucht werden. Dadurch lassen sich Lagerkosten und -zeiten minimieren. Eine weiterentwickelte Form ist „Just-in-Sequence“ (JIS), bei der die Teile nicht nur just-in-time, sondern auch in der richtigen Reihenfolge geliefert werden, um die Produktionseffizienz weiter zu steigern. Beide Entwicklungen setzen darauf, dass möglichst keine Lagerung von Waren mehr stattfindet. Dies ist jedoch noch nicht in allen Lieferketten der Fall.

Das klassische Warenlager mit dem Schwerpunkt „Lagern“ ist in einfachen Lieferketten noch anzutreffen. In Krisenzeiten gewinnen klassische Lagerhäuser für Unternehmen jedoch wieder an Bedeutung, da die Supply Chains unterbrochen sind und es Sinn macht, ein eigenes Warenlager vorzuhalten.

Was ist ein traditionelles Lager?

In einem klassischen und traditionellen Lagerhaus findet die Lagerung von Waren statt, die für eine späterer Nutzung gelagert werden. Lagerhallen werden in der Regel von Unternehmen, einschließlich Herstellern, Importeuren, Exporteuren, Zoll, Großhändlern zur Zwischenlagerung verwendet. Die Hauptprozesse, die in diesen Lager stattfinden, sind tatsächlich die Lagerung von Waren. In Lagerhäusern werden üblicherweise Gabelstapler und Kräne für das Be- und Entladen von Waren aus verschiedenen Transportmitteln wie Lastwagen, Flugzeugen, Schiffen oder Zügen eingesetzt. Aus diesem Grund befinden sich Lagerhäuser in der Regel in der Nähe von Hauptverkehrswegen, um eine leichte Zugänglichkeit und einen schnellen Transport zu gewährleisten. Sie befinden sich z. B. in der Nähe von Docks, Autobahnen, Eisenbahnlinien oder Flughäfen.

Die Lagerverwaltung oder Lagermanagement dient dazu, die täglichen Abläufe in einem Lager zu steuern und zu verwalten. Gute Lagerverwaltungsstrategien beinhalten einen hochwertigen Service zu niedrigen Kosten. Dadurch wird der Warenfluss in der gesamten Lieferkette optimiert und die Geschäftsbeziehungen zwischen den Beteiligten der Lieferkette und den Endkunden gestärkt.

Die traditionelle Lagerverwaltung oder Lagerverwaltung ist die manuelle und menschliche Durchführung von Aufgaben im Lager. Dazu gehören manuelle Bestandsverwaltung, Kommissionierung und Auftragsabwicklung. Die moderne Lagerverwaltung umfasst den Einsatz von Lagerverwaltungssoftware und modernen Technologien, die den Lagerbetrieb automatisieren. Diese werden in den folgenden Abschnitten näher erläutert.

Welche Lagerhäuser gibt es?

Es gibt viele verschiedene Arten von Lagerhäusern. Jedes dient einem bestimmten Zweck innerhalb der Lieferkette und stellt sicher, dass die Waren je nach den Anforderungen des Unternehmens und der Art der Produkte effizient gelagert, verwaltet und verteilt werden. Die größten Lager sind für die Lagerung und Verteilung großer Mengen ausgelegt. Dazu gehören z. B. Distributionszentren (DC), Fulfillment-Zentren, Tiefkühllager, Automatisierte Lagerhäuser und Zolllager. Hier sind die verschiedenen Arten von Lagerhäusern aufgelistet:

  1. Öffentliche Lagerhäuser: Lagereinrichtungen, die an Unternehmen oder Einzelpersonen vermietet werden können, die Lagerraum benötigen. Öffentliche Lagerhäuser haben flexible Mietbedingungen und werden häufig von kleineren Unternehmen oder für saisonalen Lagerbedarf genutzt. Sie werden von externen Logistikanbietern (3PL) betrieben.
  2. Private Lagerhäuser: Eigentum und Betrieb durch ein einzelnes Unternehmen für dessen ausschließliche Nutzung. Private Lagerhäuser sind auf spezifische Bedürfnisse zugeschnitten, haben in der Regel eine höhere Kontrolle über den Betrieb und werden üblicherweise von großen Unternehmen genutzt.
  3. Zolllager: Lagereinrichtungen, in denen Waren ohne Zahlung von Einfuhrsteuern gelagert werden können, bis sie auf den Markt gebracht werden. Sie bieten eine sichere Lagerung unter zollamtlicher Kontrolle und werden für importierte Waren verwendet, die auf ihre Abfertigung warten.
  4. Tiefkühllager: Spezialisierte Einrichtungen für die Lagerung verderblicher Waren bei sehr niedrigen Temperaturen. Diese Lager sind unverzichtbar für Tiefkühlkost, Arzneimittel und andere Produkte, die gekühlt oder eingefroren werden müssen. In den verschiedenen Kammern werden moderne Temperaturkontrollsysteme und Kühlsysteme eingesetzt, um den unterschiedlichen Temperaturanforderungen gerecht zu werden (Temperaturüberwachung).
  5. Automatisierte Lagerhäuser: Lager, die automatische Systeme für die Handhabung, Lagerung und Auslagerung von Waren verwenden. In diesen Lagern kommen Roboter und automatische Lager- und Bereitstellungssysteme (AS/RS) zum Einsatz, und das menschliche Engagement ist minimal.
  6. Fulfillment-Zentren: Spezialisierte Einrichtungen für die Bearbeitung und den Versand von E-Commerce-Bestellungen direkt an die Konsumenten. Fulfillment-Zentren verfügen über effiziente Kommissionier-, Verpackungs- und Versandprozesse und bearbeiten ein hohes Volumen an Kleinaufträgen. Sie werden in der Regel von 3PL-Anbietern betrieben und haben einen stärkeren Fokus auf B2C-Aktivitäten.
  7. Konsolidierungslager: Einrichtungen, in denen Sendungen von verschiedenen Lieferanten zu größeren, wirtschaftlicheren Ladungen zusammengefasst werden. Durch Massenversand und verbesserte logistische Effizienz werden Kosten gespart.
  8. Cross-Docking-Lagerhäuser: Lager, in denen eingehende Waren mit minimaler Lagerzeit direkt an den ausgehenden Transport übergeben werden. Dadurch wird die Lagerhaltung reduziert, die Lieferzeiten werden verkürzt und die Effizienz der Lieferkette verbessert.
  9. Gefahrenstofflager (Hazmat-Lager): Spezialisierte Einrichtungen für die Lagerung von Gefahrstoffen und Chemikalien. In diesen Lagern sind die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften, eine angemessene Belüftung und Sicherheitssysteme von entscheidender Bedeutung.
  10. Rohstofflager: Einrichtungen für die Lagerung von Rohstoffen, die in den Produktionsprozessen verwendet werden. Diese Lager befinden sich häufig in unmittelbarer Nähe der Produktionsanlagen und sind für einen schnellen Zugriff organisiert.
  11. Fertigwarenlager: Lager, in denen fertige Produkte für den Vertrieb gelagert werden. In diesen Lagern wird in der Regel eine effiziente Bestandsverwaltung eingesetzt, damit die Waren für den Versand an Einzelhändler oder Kunden bereit sind.
  12. Showroom-Lagerhäuser: Kombiniert Lagerung mit einem Ausstellungsraum für die Präsentation von Produkten. Diese Lager werden häufig im Groß- und Einzelhandel eingesetzt und ermöglichen es den Kunden, die Produkte vor dem Kauf zu besichtigen.
  13. Lager mit Mehrwertdiensten: Lager, die zusätzliche Dienstleistungen wie Verpackung, Etikettierung, Montage oder kundenspezifische Anpassung anbieten. Dadurch wird der Produktwert gesteigert, die Vorlaufzeiten werden verkürzt und spezifische Kundenanforderungen werden erfüllt.
  14. Intelligente Lagerhäuser: Lagerhäuser, die technologisch fortschrittlich und automatisiert sind. RFID-Tags, BLE-Beacons und IoT-Sensoren werden häufig zur Echtzeit-Datenerfassung für die Bestandsaufnahme verwendet.
  15. Pufferlager: Ein intralogistisches Lager, das von Produktionsunternehmen genutzt wird, um Materialreserven zu lagern, die für die Produktion benötigt werden können. In diesen Lagern werden Zwischenprodukte gelagert.
  16. Transitlager: Ein Zwischenlager, in dem Waren vor dem Versand für eine kurze Zeit gelagert werden. Auch als „Umschlaglager“ bekannt.
  17. Distributionszentren (DC): Eine B2B-Lagereinrichtung, die für den Empfang, die Zwischenlagerung und die schnelle Weiterverteilung von Waren genutzt wird. Die Hauptaufgabe besteht darin, den Warenfluss zu beschleunigen und Produkte schnell an Einzelhändler, Kunden oder andere Endanwender zu liefern. Sie werden häufig von E-Commerce-Unternehmen oder Online-Händlern genutzt und entweder von den Unternehmen selbst oder von externen Logistikanbietern (3PL) verwaltet. In einem Distributionszentrum werden verschiedene Prozesse und Aufgaben durchgeführt. Dazu gehören: der Wareneingang, die Warenkontrolle, der Warentransport innerhalb des Lagers, die Lagerung von Waren, die Auftragsvorbereitung und der Warenversand. Distributionszentren werden entweder als konventionell, mechanisiert oder automatisiert kategorisiert.

Der Warenverkehr in einem konventionellen DC wird von Menschen und mobilen Geräten abgewickelt. In einem mechanisierten DC wird dies durch mechanisierte Förder- und Sortiersysteme unterstützt. In einem automatisierten DC werden die Warenbewegungen entweder teilweise oder vollständig von Robotern (autonome mobile Roboter (AMR)) oder Maschinen übernommen.

Enterprise Resource Planing (ERP)-Lösungen, KI und maschinelle Lernalgorithmen können sowohl in Lagerzentren als auch in Distributionszentren eingesetzt werden, um reibungslose und effizientere Prozesse zu gewährleisten. Im Walmart-Vertriebszentrum Casa Grande in Arizona, USA, werden beispielsweise Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Drohnen zum Scannen des Inventars eingesetzt.

Was ist Lagerverwaltung?

Lagerverwaltung, auch bekannt als Lagermanagement, bezieht sich auf die Organisation, Steuerung und Kontrolle von Lagern und den darin befindlichen Waren. Dazu gehören alle Aktivitäten, die zur effizienten Nutzung von Lagerflächen und zur Optimierung der Lagerbestände notwendig sind. Die Hauptaufgabe der Lagerverwaltung besteht darin, die Lieferketten der Unternehmen zu gewährleisten. Lagerprozesse sollen ohne Störungen und kosteneffizient verlaufen, während die Lagerkapazitäten optimal genutzt werden.

Die Lagerverwaltung umfasst verschiedene Teilbereiche, die den Materialfluss ermöglichen.

  1. Wareneingang: Beinhaltet die Annahme, Prüfung und Erfassung eingehender Waren. Bestellte und retournierte Waren werden entgegengenommen und zur Einlagerung vorbereitet. All Waren werden dabei identifiziert und erfasst. Der Einsatz mobiler Datenerfassung mit Funkscannern optimiert diesen Prozess. Beim Wareneingang wird eine Qualitätskontrolle durchgeführt. Etiketten zur Identifizierung und Rückverfolgung werden häufig angebracht. Lieferscheine sowie Rechnungen werden erstellt. Der Lagerprozess beginnt mit der Einlagerung von Waren an zugeordneten Lagerplätze. Beim Cross-Docking wird die Ware direkt zum Warenausgang gebracht.
  2. Kommissionierung: Stellt Waren für Versand oder Produktion zusammen und nutzt Systeme zur Effizienzsteigerung. Die Kommissionierung unterscheidet sich in Groß- und Kleinkommissionierung. Bei der Kleinkommissionierung werden Aufträge durch Zusammenstellen von Waren und Materialien aus dem Lagerbestand erfüllt. Der Kommissionierer sammelt die Waren anhand einer Liste und bringt sie zum Warenausgang. Mobile Datenerfassung (MDE) unterstützt diesen Prozess. In der Großkommissionierung werden ganze Ladungsträger oder Teile davon direkt vom Lagerort zum Warenausgang transportiert, einschließlich Abpackvorgängen größerer Teilmengen.
  3. Warenausgang: Bereitet Waren für den Versand vor und erstellt Versanddokumente. Hier wird die Ware erneut verpackt und überprüft. Hier werden mobile Endgeräte bentutzt, um Lieferscheine, NVE-Etiketten mit der Nummer der Versandeinheit, sowie weitere Begleitdokumente zu erstellen. Abschließend werden die Waren mitsamt aller Unterlagen an den Spediteur übergeben.
  4. Inventur: Vergleicht physische Bestände mit Systemdaten durch Jahres- oder permanente Inventuren. Die Inventur dient Unternehmen zur Prozessoptimierung durch Reduzierung von Fehlbeständen. Traditionell wird die Inventur manuell von Mitarbeiter durchgeführt. Die Waren werden gezählt, gemessen und gewogen. Drahtlose Technologien wie RFID und Barcodes werden zunehmend zur Erfassung von Waren in Lagern eingesetzt. Es gibt verschiedene Arten von Inventuren. Dazu gehören die stichtagsbezogene Inventur, die Nulldurchgangsinventur, die Zählstufeninventur und die permanente Inventur.
  5. Retourenmanagement: Bearbeitet Rücksendungen und entscheidet über Wiedereinlagerung oder Entsorgung.
  6. Lagerlogistik und -steuerung: Plant und steuert Lagerprozesse und verwendet Lagerverwaltungssysteme (Warehouse Management Systems / WMS).

Wireless IoT Technologien und Lagerverwaltung

  • RFID

    Radio Frequency Identification (RFID)-Tags können zur eindeutigen Identifizierung an Produkten, Verpackungen oder an Ladungsträgern im Lager angebracht werden. Die Daten dieser Tags werden über mobile oder fest installierte Wireless-RFID-Reader erfasst.

  • LPWAN

    Die LoRaWAN-Technologie eignet sich für großflächige Umgebungen und kann in großen Lagern zur Nachverfolgung von Gütern eingesetzt werden. Dazu werden LoRaWAN-Tracker und -Sensoren an Paletten, Lastwagen oder im ganzen Lagerhaus angebracht.

  • NFC

    Near Field Communication (NFC)-Technologie kann für Nahbereichsanwendungen im Lager eingesetzt werden, z. B. zum Scannen von Gegenständen, zur Identifizierung von Mitarbeitern und zur Zugangskontrolle.

  • RTLS

    Mit Real-Time Location System (RTLS) können Ladungsträger und Waren im Lager in Echtzeit lokalisiert und verfolgt werden.

  • BLE

    Die Platzierung von Bluetooth Low Energy (BLE) Beacons im Lager ermöglicht die Verfolgung des Standorts von Waren und Ladungsträgern. BLE-fähige Geräte wie Smartphones oder spezielle Lesegeräte werden verwendet, um die Signale von diesen Beacons zu erfassen.

Produkte für ein digitales Lager

Eine passende IT-Infrastruktur ist entscheidend für ein digitales Lager. Die Lagerverwaltung mit Scannern und Barcode-Technologien kommt am häufigsten vor. Am häufigsten werden in Lagern Barcode-Scanner und Drucker eingesetzt. Andere Hardwareprodukte, die in einem digitalen Lager verwendet werden, sind Zugangskontrollsysteme, Netzwerke und Verkabelung, CCTV-Überwachung und drahtlose mobile Terminals.

Die Lagerverwaltung mit RFID umfasst den Einsatz von RFID-Systemen, einschließlich RFID-Tags und -Transpondern, RFID-Lesegeräten und spezieller Software.

Um die Traceability und Sichtbarkeit von Waren zu verbessern, werden häufig RFID-Scanner und -Antennen, Lager-Barcodesysteme und Zugangskontrollgeräte eingesetzt. Lageraufgaben wie Kommissionierung, Verpackung und Versand werden mit 1D- und 2D-Barcodescannern und Zugangskontrollsystemen automatisiert.

Drucker werden auch im Lager eingesetzt, um Barcode- oder RFID-Etiketten und erforderliche Dokumente zu drucken. Es gibt drei Haupttypen von Druckern: Industriedrucker, Desktop-Drucker und mobile oder Handheld-Drucker. RFID- und Barcode-Etiketten werden an Ladungsträgern, Verpackungen oder direkt an den Produkten angebracht. Diese Etiketten werden von geeigneten Lesegeräten gelesen.

Mobile-Data-Entry-Devices (MDEs) sind Datenerfassungsgeräte, die mit einem zentralen Datenverarbeitungssystem verbunden sind. Die Verbindung kann entweder per Infrarot, Funk, über einen Akustikkoppler, WLAN oder ein mobiles Datennetz erfolgen. Mit diesen Geräten werden die Daten im Lager erfasst und ausgewertet. MDEs, die über einen integrierten Scanner verfügen, können auch zur Kommissionierung eingesetzt werden.

Gabelstaplerterminals werden auf Gabelstaplern und mobilen Fahrzeugen im Lager montiert. Sie sorgen für einen schnellen Datentransfer und verschaffen den Mitarbeitern einen Überblick über alle Logistikprozesse.

Zu den in den Lagern eingesetzten Geräten gehören GPS- und BLE-Tracker, Datenbrillen, mobile Geräte, sprachgesteuerte Kommissionierungstechnologie und Robotik. Die Mensch-Roboter-Kollaboration wird zunehmend im Lager eingesetzt. Kollaborative mobile Roboter (Cobots) werden häufig für die Kommissionierung und den Transport von Waren eingesetzt.

Lagersoftware

Der Einsatz von Lagersoftware ist für die reibungslose und effiziente Auftragsabwicklung entscheidend. Es gibt vier Hauptarten von Software, die in Lagern verwendet werden.

1. Enterprise Resource Planning (ERP)

Enterprise Resource Planning (ERP) ist eine integrierte Softwareplattform, die zentrale Geschäftsprozesse wie Finanzen, Personalwesen, Fertigung, Lieferkette, Bestandsmanagement und Kundenbeziehungsmanagement in einem einheitlichen System konsolidiert und verwaltet. Durch die Zentralisierung von Daten und die Bereitstellung von Echtzeit-Einsichten verbessern ERP-Systeme die Entscheidungsfindung, steigern die Effizienz und rationalisieren die Abläufe in einem Unternehmen.

2. Warehouse Management Systems (WMS)

Warehouse-Management-Systeme (WMS) sind Software-Tools, die häufig zur Steuerung, Koordinierung und Optimierung von Lagerprozessen, -bewegungen und -verfahren eingesetzt werden. Dazu gehören Bestandsverfolgung, Auftragsabwicklung, Wareneingang und Versand. Als Lagerverfolgungssystem bietet WMS Echtzeittransparenz über den Lagerbestand, verbessert die Genauigkeit, erhöht die Produktivität und sorgt für eine effiziente Nutzung des Lagerraums, was letztlich zu einer besseren Verwaltung der gesamten Lieferkette führt. WMS wird von vielen Unternehmen eingesetzt, darunter Lagerbetreibern und Industrieunternehmen, Groß- und Einzelhändlern, Lagerdienstleistern und Handelsunternehmen. Diese Systeme werden häufig in Kombination mit anderen Hilfsmitteln im Lager eingesetzt – vom Barcode-Scannen über RFID-Etiketten und Augmented-Reality-Wearables bis hin zu Lagerrobotern.

WMS können auch mit Transportmanagementsystemen (TMS), ERP- und Logistiksoftware integriert werden. Es gibt vier Haupttypen von WMS: eigenständige WMS, Cloud-WMS, SAP Extended Warehouse Management (SAP EWM) und integrierte ERP- und SCM-basierte WMS.

WMS werden häufig auch zusammen mit einem Yard Management System (YMS) eingesetzt, um den nahtlosen Warenfluss vom Hof ins Lager und umgekehrt zu gewährleisten. Das YMS verwaltet die Anhänger und Container auf dem Hof, während das WMS die Lagerung und Bewegung der Waren im Lager übernimmt.

3. Warehouse Controls Systems (WCS)

Lagersteuerungssysteme (Warehouse Control Systems, WCS) sind Softwarelösungen, die den Betrieb automatischer Materialtransportanlagen in einem Lager überwachen, z. B. Förderanlagen, Sortieranlagen, autonome mobile Roboter (AMR) und automatische Lager- und Bereitstellungssysteme (AS/RS). WCS ermöglicht die Echtzeitsteuerung und -koordinierung dieser Systeme und sorgt so für einen reibungslosen und effizienten Materialfluss, die Reduzierung von Fehlern und die Maximierung der Leistung von automatisierten Lagerabläufen.

4. Warehouse Execution Systems (WES)

Warehouse Execution Systems (WES) sind moderne Softwareplattformen, die Aktivitäten und Arbeitsabläufe innerhalb eines Lagers in Echtzeit verwalten und überbrücken damit die Lücke zwischen Warehouse Management Systems (WMS) und Warehouse Control Systems (WCS). WES optimiert die Prozesse der Auftragsabwicklung, gleicht die Arbeitsbelastung aus und passt die Abläufe dynamisch an, um die Effizienz zu verbessern, Engpässe zu verringern und die rechtzeitige Lieferung von Waren zu gewährleisten. Es ist im Wesentlichen die Weiterentwicklung von WCS. Alle Automatisierungsfunktionen, die von einem WCS übernommen werden, können auch von einem WES übernommen werden. Ein WES umfasst jedoch auch zusätzliche Funktionen wie z. B. Lagerplatzinventur, Wellen- und Auftragsmanagement und Kommissioniermanagement.

Die Mindestanforderung für die meisten Lagerhäuser ist die Verwendung von ERP und WMS. WES und WCS werden in das WMS eingespeist, das wiederum in das ERP einfließt.

Zahlen & Fakten

Ein Großteil der Lagerhäuser ist heute noch nicht automatisiert. Einem Bericht von „World Metrics“ zufolge werden rund 80 Prozent der Lager weltweit immer noch manuell und ohne Automatisierung betrieben. Die Zahlen zeigen jedoch, dass der Einsatz von automatisierten Lagern im Steigen begriffen ist. Einem Bericht der Marktforschungsplattform „Interact Analysis“ zufolge werden bis 2027 26 Prozent der Lagerhäuser automatisiert sein.

2. In Practice

Erfolgreiche Beispiele für IoT in der Lagerverwaltung

Die Größe des Lagers kann von 5.000 bis zu über 100.000 Quadratmetern reichen. Die Boing Everett Factory in Washington, USA, ist mit 400,000 Quadratmetern als das größte Lagerhaus der Welt bekannt. Die Größe von Lagern und Distributionszentren sowie die Menge der Waren sind eindeutige Indikatoren dafür, dass die Prozesse automatisiert und alle Waren rückverfolgbar sein müssen. Die folgenden Lösungen basieren auf Erfolgsgeschichten, die zeigen, wie Waren im Lager effizient verwaltet und verfolgt werden können.

Lagerlogistik bei Symington Family Estates

Der portugiesische Weinproduzent Symington Family Estates optimiert seit 2015 seine Lagerlogistik mit RFID. Ladungsträger aus Metall, die jeweils rund 600 Weinflaschen enthalten, sind mit hybriden Barcode- und RFID-Etiketten ausgestattet. Diese Ladungsträger werden an den RFID-Lesegeräten am Eingangstor des Lagers vorbeigeführt. Informationen von der RFID-Transponder, wie z.B. Standort, Handling Unit ID, Serial Shipping Container Code (SSCC) und Zeitzone werden an das ERP-System übermittelt. Das Ergebnis: Echtzeit-Verfolgung von Ladungsträgern im Lager.

Teaser: Auf 1.024 Hektar wird unter der Sonne Portugals Wein angebaut
Ladungsträger-Tracking mit RFID in der Weinproduktion

„Die fertigen Weinprodukte haben wir aus Kostengründen nicht in die erste RFID-Integration einbezogen. Zukünftig wollen wir aber alle Produkte in die RFID-Lösung integrieren. Aktuell planen wir, die RFID-Integration auf alle Produktions- und Logistikprozesse zu erweitern. Dazu gehören nicht nur die Produktionslinien, sondern auch die Lagerhallen für Halberzeugnisse, Endprodukte und das Warenlager für Rohmaterialien.“

Isabel Freitas

Analyst Developer, Symington Family Estates

Logo Symington Family Estates

Lagertransparenz bei Granterre

Im Distributionszentrum des italienischen Lebensmittelherstellers Granterre in Bologna Interporto wird eine RFID-Tracking-Lösung eingesetzt, um die Transparenz der Lieferkette zu erhöhen. In dem 30.000 Quadratmeter großen Distributionszentrum werden Transporteinheiten mit RFID-Tags automatisch von RFID-Gates an den Ein- und Ausgängen erfasst. Gesteuert wird das RFID-System von der Middleware id-Bridge 4.0 von Murata. Das Ergebnis: Die Zeit für das Be- und Entladen von Waren wird um 50 Prozent reduziert und die Versandgenauigkeit liegt bei 99,95 Prozent.

Palettenmanagement bei KEB Automation

KEB Automation setzt in seinem Lager eine RFID-basierte Lösung zur Palettenverfolgung ein. Die Ladungsträger sind mit RFID-Etiketten ausgestattet, die eine eindeutige HU-Nummer zur Identifizierung enthalten. Alle HU-Nummern werden im SAP-System Extended Warehouse Management (EWM) registriert. Nach der Kommissionierung werden die Paletten für die fahrerlosen Transportsysteme (DTS) vorbereitet. 20 der Q5X-Sensoren von Turck erkennen die Paletten auf dem Weg in die Produktionshallen. Nach der Erkennung werden die Paletten vom DTS abgeholt und durch ein RFID-Gate transportiert.

Teaser: KEB Automation erweitert FAHRERLOSES TRANSPORTSYSTEM mit RFID
KEB Automation erweitert fahrerloses Transportsystem mit RFID

„Die RFID-Tags werden vollautomatisch erfasst und damit gleichzeitig Lageraufgaben aus dem SAP Extended Warehouse Management abgeschlossen oder weiterbearbeitet.“

Viktor Derksen

Head of Industrial Engineering, KEB Automation

Logo KEB Automation

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3. Panorama

Der Zukunft des Lagers ist digital

Da die Digitalisierung heute eine immer wichtigere Rolle spielt, müssen Unternehmen ihre Lieferkette und ihre Lagerabläufe entsprechend umgestalten. Das digitale Lager ist ein wichtiger Bestandteil der modernen Lieferkette. Es ist die Basis für die effiziente Distribution von Produkten.

Das rasche Wachstum des E-Commerce-Marktes, angetrieben durch die COVID-19-Pandemie, hat dazu geführt, dass mehr bzw. größere Lagerhäuser benötigt werden. Um die steigende Nachfrage im E-Commerce zu bewältigen, müssen Online-Händler die Lagerverwaltung digitalisieren und automatisieren, um auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.

Obwohl das Interesse an der Lagerautomatisierung und der Digitalisierung in den letzten Jahren gestiegen zu sein scheint, hat die Mehrheit der Lagerhäuser noch keine Automatisierungslösungen implementiert. Die Gründe dafür sind unter anderem: hoher Kosten, komplexer Prozesse, bestehender Infrastruktur, Fachkräftemangel und Sicherheitsbedenken.

Die beste Lösung zur Beschleunigung der Digitalisierung im Lager liegt in der Implementierung modernen Lagersoftware-Lösungen, der Nutzung von IoT und Sensoren, der Einführung von Automatisierung und Robotik, der Anwendung von Datenanalyse und KI in Unternehmen sowie dem Einsatz von Cloud-basierten Lösungen. Eine schrittweise Einführung dieser Technologien, unterstützt durch Schulung und Entwicklung von Fachkräften, kann den Digitalisierungsprozess effektiv voranbringen.

Vorteile eines digitalen Lagers

Im Rahmen der Digitalisierung der Supply Chain bringen digitale Lager zahlreiche Vorteile mit sich, wie z. B. eine höhere Genauigkeit und Geschwindigkeit der Lagerabläufe und -prozesse, eine verbesserte Warentransparenz, optimierte Kundenbetreuung und geringere Betriebskosten.

Die Abschaffung von papierbasierten Prozessen, einschließlich Inventarprotokollen, Versanddokumenten und Kommissionierlisten, führt zu einer Verringerung der Fehlerquote und zur Beseitigung verlegter Dokumente. Alle relevanten und wichtigen Dokumente werden auf einem digitalen Dashboard zur Verfügung gestellt. Durch die Automatisierung der manuellen Prozesse können Mitarbeiter für andere Aufgaben eingesetzt werden.

Technologien zur industriellen Identifizierung ermöglichen eine vollständige Sichtbarkeit aller Waren, die das Lager betreten und verlassen. Handheld-Lesegeräte wie Barcode-Scanner und RFID-Lesegeräte automatisieren zusammen mit Dokumentenmanagement-Software die Datenerfassung. Dadurch werden Fehler, die bei der manuellen Dateneingabe entstehen können, vermieden, die Genauigkeit der Warenbestand erhöht und der Zeitaufwand für die Bestandsaufnahme verringert. Die Echtzeit-Überwachung der Inventory im Lager vermeidet außerdem Überverkäufe. Digitale Lagersysteme sind außerdem oft benutzerfreundlich. Die Mitarbeiter können sich schnell umstellen und ihre Aufgaben effizienter erledigen.

Digitale Lagertechnologien ermöglichen die genaue Verfolgung und Echtzeitlokalisierung von Beständen und einzelnen Assets. Dadurch können Unternehmen schneller auf Kundenaufträge reagieren. Auch Lieferungen werden schneller bearbeitet, was zu einer höheren Kundenzufriedenheit führt.

Vorteile von Wireless IoT

  • Genaue und schnellere Inventuren
  • Echtzeitlokalisierung von Waren
  • Komplette Sichtbarkeit der Waren
  • Verringerung der Fehlerquote
  • Reduzierung der Kosten

Herausforderungen eines digitalen Lagers

Es gibt verschiedene Herausforderungen, die Unternehmen, die ihr Lager digitalisieren wollen, berücksichtigen müssen.

Die Konnektivität muss im gesamten Lager stabil sein, damit die digitalen Lösungen ordnungsgemäß funktionieren. Es ist wichtig, die richtige Wireless-Lösung entsprechend den individuellen Anforderungen des Lagers auszuwählen. Zwischen verschiedenen Hardware- und Softwarelösungen ist eine Standardisierung und Konfiguration erforderlich. Viele Lagerhäuser arbeiten mit veralteter Infrastruktur, die nicht leicht digitalisiert werden kann. Die Integration neuer Technologien in bestehende Systeme kann komplex sein.

Die Einführung neuer Technologien und Systeme ist auch teuer. Dazu gehört die Anschaffung von Hardware, Software, sowie die Schulung der Mitarbeiter. Obwohl die Umstellung auf ein digitales Lager mit erheblichen Vorabinvestitionen in Technologie und Infrastruktur verbunden sein kann, führt sie in der Regel zu einem schnellen Return of Investment (ROI).

Mit der Digitalisierung von Lagern werden Datenmanagement und Sicherheit immer wichtiger. Unternehmen sind oft zögerlich, neue Technologien einzuführen, die Sicherheitsrisiken bergen könnten. Um Daten zu schützen, müssen Unternehmen fortschrittliche Sicherheitsprotokolle und -maßnahmen einführen. Dazu gehören Verschlüsselungs- und Authentifizierungslösungen.

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Ausblick – Next-Level Lagerverwaltung

Die Digitalisierung in der Lagerverwaltung hat zu einem verstärkten Interesse an Wearable-Technologien, Augmented-Reality-Lösungen, künstlicher Intelligenz und prädiktiver Analytik sowie Robotik geführt.

Tragbare Technologie und Augmented Reality (AR)

Von Sprach-Headsets über intelligente Handschuhe bis hin zu Datenbrillen: Wearable-Technologien sind ein wachsender Trend im modernen Lager. Das Interesse an Augmented Reality (AR) und Wearable-Lösungen, die Mitarbeiter im Lager unterstützen können, wächst. Voice-Headsets erleichtern Kommissioniervorgänge per Sprachbefehl.

Intelligente Handschuhe sind häufig mit intelligenten Scannern ausgestattet, um sowohl die Kommissionierung als auch die Scanvorgänge zu erleichtern. Intelligente Brillen sind in der Lage, Barcodes in Sichtweite zu scannen und AR zu nutzen, um Auftragslisten anzuzeigen oder technische Unterstützung bei Wartungsaufgaben zu leisten. Wearable Technologies können auch nahtlos in SAP EWM-Systeme integriert werden.

Prädiktive Analysen und künstliche Intelligenz (KI)

Die prädiktive Analyse basiert auf prädiktiver Modellierung, Big Data-Lösungen und Data Mining. Diese statistischen Verfahren werden zur Analyse historischer Trends im Lager verwendet. In Kombination mit künstlicher Intelligenz (KI) können Vorhersagen getroffen werden, um den Bestand zu optimieren, den Nachschub zu automatisieren und die Effizienz des Lagerbetriebs zu steigern.

Robotik

Autonomous Guided Vehicles (AGVs) werden zunehmend als Ersatz für Gabelstapler eingesetzt. Dadurch wird der Warentransport innerhalb des Lagers automatisiert, was sowohl Zeit als auch Aufwand für die Mitarbeiter spart. Kommissioniervorgänge werden beschleunigt.

Auch Drohnen, die mit Kameras, Sensoren, RFID-Technologie oder Barcode-Scannern ausgestattet sind, können für die Inventur im Lager eingesetzt werden. Dadurch wird den Zeitaufwand für die Inventur erheblich reduziert.

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