- Batterielose Sensoren sind nicht mehr an ein einzelnes Kommunikationsprotokoll gebunden und können flexibel über RFID, BLE oder NFC kommunizieren.
- Der Kernvorteil liegt in der Wartungsfreiheit, da kein Batteriewechsel erforderlich ist, was besonders in schwer zugänglichen oder industriellen Bereichen wichtig ist.
- Smartphones mit NFC-Funktionalität reduzieren Einstiegshürden und erhöhen die Verbreitung solcher Sensorlösungen signifikant.
- Hybride Systeme, die batterielose und batteriebetriebene Sensoren kombinieren, sind für zukünftige Anwendungen in Industrie und Logistik zu erwarten.
Die batterielose RFID-Technologie galt lange Zeit als Nischenlösung für Identifikationszwecke und einfache Sensoranwendungen. Doch im Jahr 2026 verändert sich die Landschaft grundlegend: Neue Ansätze entkoppeln die Energiequelle vom Kommunikationsprotokoll und eröffnen damit völlig neue Anwendungsmöglichkeiten.
In diesem Interview erklärt Mikel Choperena von Kliskatek, warum die batterielose Sensortechnologie zu einer Multi-Protokoll-Plattform wird, welche Anwendungen nun an Bedeutung gewinnen und warum plötzlich CFOs statt Ingenieure die Diskussion vorantreiben.
Welche Zukunft sehen Sie für batterielose RFID?
Mikel Choperena: Batterielose RFID entwickelt sich zu etwas, das über RFID selbst hinausgeht.
Wenn man sich ansieht, was „batterielos“ noch vor fünf Jahren bedeutete, war dies relativ klar definiert: ein passiver UHF-RFID-Tag, der durch das HF-Feld eines Lesegeräts mit Energie versorgt wird, einen Sensor betreibt und Daten über EPC C1G2-Backscatter zurücksendet. Das funktioniert nach wie vor hervorragend und ist technologisch ausgereift.
Was sich jedoch grundlegend geändert hat, ist die Entkopplung von Energie und Kommunikation.
Was genau hat sich technisch geändert?
Mikel Choperena: Heutzutage ist RF-Energy-Harvesting nicht mehr an ein einziges Kommunikationsprotokoll gebunden.
Wir entwickeln beispielsweise Sensor-Tags, die Energie aus einem UHF-HF-Feld gewinnen, aber je nach Anwendung über EPC C1G2 (SenseID) oder über BLE-Advertising (SenseBLE) kommunizieren können. Der Sensor bleibt derselbe. Die Energiequelle bleibt dieselbe. Nur der Kommunikationskanal ändert sich. Ein weiteres Beispiel ist NFC. Mit SenseNFC kann ein Smartphone das Tag direkt mit Energie versorgen, ganz ohne Infrastruktur.
SenseID, SenseBLE und SenseNFC sind batterielose drahtlose Sensortechnologien von Kliskatek.
Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit batterieloser Sensorik. Wie hat sich Ihre Sichtweise auf diese Technologie entwickelt?
Mikel Choperena: Diese Sichtweise basiert auf mehr als 15 Jahren Arbeit im Bereich der batterielosen Sensorik. Wir haben bei Farsens mit der Entwicklung solcher Technologien begonnen und setzen diese Arbeit nun bei Kliskatek mit einem breiteren, protokollübergreifenden Ansatz fort.
Die Kernidee bleibt dieselbe: Sensoren sollen Daten liefern, wo Wartung, Verkabelung oder Batteriewechsel nicht praktikabel sind. Was sich geändert hat, ist die technische Flexibilität. Batterielose Sensorik ist nicht mehr an eine Kommunikationsmethode gebunden, sondern kann je nach Anwendung über RFID, BLE oder NFC implementiert werden.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Mikel Choperena: Die Zukunft liegt in der batterielosen Sensortechnologie als Multi-Protokoll-Plattform.
Dem Sensor ist es egal, wie er kommuniziert. Das Einzige, was zählt, ist, ob er über genügend Energie verfügt, ob er messen kann und wie er die Daten übertragen kann.
Das Kommunikationsprotokoll wird somit zu einer Implementierungsentscheidung und nicht zu einer technologischen Einschränkung.
Wo sehen Sie derzeit die wichtigsten Anwendungsbereiche?
Mikel Choperena: Kurzfristig eindeutig in industriellen Umgebungen, überall dort, wo der Batteriewechsel problematisch ist. Typische Beispiele sind rotierende Maschinen, bei denen eine Verkabelung nicht möglich ist, geschlossene Systeme, die keinen Zugang zum Sensor erlauben, oder versiegelte Hochspannungsanlagen wie Schaltanlagen, bei denen Sensoren unter Umständen jahrzehntelang wartungsfrei arbeiten müssen.
Ein weiteres Beispiel sind große Lagerhallen mit Tausenden von Messpunkten. Der Batteriewechsel wird dort schnell zu einem logistischen Albtraum. Dies wird oft unterschätzt, bis es zu spät ist.
Was hat sich aus Marktsicht verändert?
Mikel Choperena: Das Spannendste ist, wer heute die Diskussion anführt. Früher waren es Ingenieure, die über Lesereichweiten und Antennen sprachen.
Heute sind es zunehmend Werksleiter und Finanzvorstände, die Fragen stellen wie: „Was kostet mich die Wartung?“ oder „Wie hoch sind die Gesamtbetriebskosten?“ Und genau hier glänzt die batterielose Sensortechnologie. Denn es ist kein Batteriewechsel erforderlich, Wartungsbesuche entfallen und die Lebensdauer erstreckt sich über viele Jahre. Sobald die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen ist, verkauft sich die Technologie von selbst.
Welche Rolle spielen Smartphones?
Mikel Choperena: Eine riesige. Jedes Smartphone verfügt heute über NFC. Das bedeutet, dass jeder Techniker, jeder Wartungsmitarbeiter und jeder Inspektor einen Sensorleser in der Tasche hat.
Dadurch sinkt die Einstiegshürde für viele Anwendungen, wie Wartungsrunden oder Stichproben, praktisch auf null. Das verändert die Geschwindigkeit, mit der sich solche Lösungen verbreiten.
Wie positionieren Sie batterieloses RFID im Vergleich zu aktiven und semi-passiven Lösungen?
Mikel Choperena: Ich glaube, die Branche denkt hier zu sehr in Gegensätzen. In der Praxis geht es nicht um „entweder/oder“, sondern darum, die richtige Lösung für die jeweilige Anwendung zu finden. Unsere Sichtweise ist klar. Es geht nicht um „RFID versus BLE“.
Ein Unternehmen mit bestehender RFID-Infrastruktur wird EPC C1G2 nutzen. Ein Unternehmen ohne eine solche Infrastruktur kann mit BLE kostengünstiger einsteigen.
Je nach Anwendung unterscheiden sich aktive, semi-passive und batterielose Sensorsysteme nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich erheblich. Während aktive Lösungen maximale Autonomie bieten, punkten batterielose Konzepte vor allem dort, wo Wartungsaufwand vermieden werden soll. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede.
Technologie | Kurzprofil | Größter Vorteil | Wesentliche Einschränkung |
🔋 Aktiv | Autonom, große Reichweite, kontinuierlich | Kontinuierliche Datenerfassung | Batterie muss gewartet werden |
🔋 Halbpassiv | RFID plus Batterie-Backup | Datenerfassung und verbesserte Sensorleistung | Die Batterie bleibt ein Schwachpunkt |
⚡ Batteriefrei | Stromversorgung über RF oder NFC, Kommunikation über RFID oder BLE | Keine Wartung durch Batteriewechsel erforderlich | Energiebegrenzung und Reichweite aufgrund physikalischer Gegebenheiten |
Wo liegen die Einschränkungen?
Mikel Choperena: Die einzige wirkliche Grenze ist die Energieübertragungsreichweite.
Ein batterieloser Sensor funktioniert nur dort, wo ausreichend Energie zur Verfügung steht. Das ist Physik, und daran können wir nichts ändern. Für Anwendungen, die eine große Reichweite oder eine kontinuierliche Überwachung erfordern, bleiben batteriebetriebene Systeme weiterhin notwendig.
Wie sieht die Zukunft konkret aus?
Mikel Choperena: Ich sehe klare Hybridszenarien. Das bedeutet batterielos an festen Punkten wie Portalen, Docks und Wartungsstellen und batteriebetrieben für mobile oder abgelegene Anwendungen. Die Daten laufen auf einer gemeinsamen Plattform zusammen. Für das System sind die Sensordaten identisch. Nur die Energiequelle unterscheidet sich.
Genau in diese Richtung arbeiten wir bei Kliskatek: Wir wollen die batterielose Sensorik in verschiedenen industriellen Umgebungen und Kommunikationsinfrastrukturen einfacher einsetzbar machen. Weitere Informationen zu unseren Technologien und Anwendungen finden Sie unter kliskatek.com.