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Northern Chip Network gegründet: Neuer Impuls für Mikroelektronik in Deutschland

  • Veröffentlicht: 09. Mai 2026
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Northern Chip Network gegründet: Neuer Impuls für Mikroelektronik in Deutschland
Beim Launch des Northern Chip Network e.V. bei DESY in Hamburg präsentieren Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung und Hochschulen die neue Plattform für Mikroelektronik in Norddeutschland. Bildquelle: Northern Chip Network e.V. (NCN)

Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus Hamburg und Schleswig-Holstein haben das Northern Chip Network e.V. gegründet. Das Netzwerk soll regionale Kompetenzen entlang der Mikroelektronik-Wertschöpfungskette vernetzen und den Standort sichtbarer machen.

Neue Plattform für Mikroelektronik in Norddeutschland

Mit dem offiziellen Launch des Northern Chip Network e.V. bei DESY in Hamburg formiert sich ein neues regionales Netzwerk für Mikroelektronik. Der Verein bringt Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Innovations- und Nachhaltigkeitspartner aus Hamburg und Schleswig-Holstein zusammen.

Ziel ist es, den Austausch zwischen Industrie, Wissenschaft und regionalen Akteuren zu strukturieren, Kooperationen anzustoßen und die Wettbewerbsfähigkeit des Mikroelektronikstandorts Norddeutschland zu stärken. Das Netzwerk versteht sich dabei als Plattform, die vorhandene Kompetenzen sichtbarer machen und gemeinsame Entwicklungsfelder identifizieren soll.

Kompetenzen entlang der Wertschöpfungskette

Norddeutschland verfügt nach Angaben des Netzwerks über Kompetenzen entlang der gesamten mikroelektronischen Wertschöpfungskette. Dazu zählen Hochschullehre, Grundlagenforschung, Prozess-, Produkt- und Technologieentwicklung sowie industrielle Halbleiterfertigung.

Diese Breite zeigt sich in der Gründungsmitgliedschaft. Zum Start gehören dem Northern Chip Network unter anderem Nexperia, NXP Semiconductors, Semikron Danfoss, Vishay Siliconix Itzehoe GmbH und X-FAB MEMS Foundry Itzehoe an. Auf Forschungsseite sind das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY und das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ISIT beteiligt.

Hinzu kommen Hochschulen wie die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die HAW Kiel und die Technische Universität Hamburg. Regionale Innovations- und Nachhaltigkeitspartner wie das Innovationszentrum Itzehoe, der Cluster Erneuerbare Energien Hamburg und die Gesellschaft für Energie & Klimaschutz Schleswig-Holstein sind ebenfalls Teil des Netzwerks.

Relevanz für Industrie und Technologieentwicklung

Mikroelektronik ist eine zentrale Grundlage für zahlreiche industrielle Anwendungen. Fortschritte in Energieversorgung, Automatisierung, Mobilität und Digitalisierung hängen wesentlich von leistungsfähigen, zuverlässigen und effizienten Halbleiterlösungen ab.

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Entwicklungszyklen, Fachkräftesicherung, technologische Resilienz und die Verbindung von Forschung und Anwendung. Das Northern Chip Network setzt genau an dieser Schnittstelle an. Es soll Akteure zusammenbringen, Wissenstransfer erleichtern und die Region als zusammenhängendes Mikroelektronik-Ökosystem positionieren.

Fokus auf Austausch, Kooperation und Nachwuchs

Dr. Stephan Marauska, Vorstandsmitglied des Northern Chip Network und Geschäftsführer bei Vishay Siliconix Itzehoe, beschreibt das Netzwerk als Rahmen, in dem sich die vielfältigen Kompetenzen der Region besser verbinden lassen. Ziel sei es, den Austausch zu fördern, gemeinsame Themen voranzubringen und neue Impulse für die Mikroelektronik in Norddeutschland zu setzen.

Auch die Verbindung von Forschung, Lehre und Industrie steht im Mittelpunkt. Aylin Behrendt-Bicakci, Professorin für Aufbau- und Verbindungstechnologien der Mechatronik an der HAW Kiel und Vorstandsmitglied des NCN, betont die Bedeutung enger Verbindungen zwischen wissenschaftlicher Ausbildung und industrieller Praxis. Nur durch die Verknüpfung von Wissen und Anwendungserfahrung könnten Lösungen entstehen, die in der Praxis bestehen.

Damit adressiert das Netzwerk auch die Nachwuchssicherung. Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen enger mit industriellen Akteuren zusammenarbeiten, um Studierende und Fachkräfte frühzeitig in relevante Technologie- und Entwicklungsfelder einzubinden.

DESY als Launch-Ort und Forschungspartner

Der offizielle Start fand bei DESY in Hamburg statt. Prof. Dr. Beate Heinemann, Vorsitzende des DESY-Direktoriums, verweist auf das Potenzial Norddeutschlands im Bereich Mikroelektronik. DESY bringe insbesondere Analytik-Möglichkeiten für Leistungselektronik ein, die von materialwissenschaftlichen Fragestellungen bis zum Aufbau des Chipdesigns reichen können.

Damit positioniert sich DESY im Netzwerk als Forschungspartner mit spezifischer Infrastruktur und analytischer Kompetenz. Das Northern Chip Network soll diese und weitere Kompetenzen der Mitglieder miteinander verknüpfen und gegenseitig verstärken.

Politische Unterstützung aus Schleswig-Holstein

Beim Launch Event nahm auch Julia Carstens, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, teil. Sie hob hervor, dass die Mikroelektronik-Kompetenzen und Aktivitäten in Hamburg und Schleswig-Holstein durch das Netzwerk sichtbarer würden.

Die Zusammenarbeit von Industrie, Forschung und Politik sei aus ihrer Sicht ein wichtiger Faktor für nachhaltige Innovationen und wirtschaftliche Stärke in der Region. Veranstaltungen wie der Launch des NCN sollten zudem erste Anknüpfungspunkte für Kooperationen und gemeinsame Projekte schaffen.

Offenes Netzwerk für weitere Akteure

Das Northern Chip Network ist als offenes Netzwerk angelegt. Weitere Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und regionale Akteure können sich künftig in die Arbeit einbringen.

Für die norddeutsche Mikroelektroniklandschaft entsteht damit ein organisatorischer Rahmen, der vorhandene Einzelkompetenzen stärker bündelt. Die praktische Relevanz des Netzwerks wird davon abhängen, in welchem Umfang daraus konkrete Kooperationen, gemeinsame Entwicklungsprojekte und langfristige Beiträge zur Fachkräfte- und Standortentwicklung hervorgehen.


Kontakt- und Firmeninformationen

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Think WIoT
Kontakt:
Anja Van Bocxlaer