US-Tolling-Report 2026: Smartphone-Tolling ergänzt Tag- und Video-Systeme
Ein neuer Technologiebericht der Washington State Transportation Commission (USA) kommt zu dem Schluss, dass smartphone-basiertes Tolling eine glaubwürdige und kundenfreundliche Ergänzung zur bestehenden Mauterhebung ist. Den größten Nutzen liefert der Ansatz demnach als Erweiterung etablierter Tag- und Video-Systeme und nicht als unmittelbarer Ersatz der heutigen Infrastruktur in der USA.
Der Bericht ordnet den aktuellen „State of Practice“ bei der Mauterhebung weiterhin als Kombination aus RFID-Transpondern (Windschutzscheiben-Tags) und Video-Tolling (Kennzeichenerkennung) ein, ergänzt durch manuelle Nachbearbeitung in Ausnahmefällen.
Was ist Smartphone-basierte Mauterhebung?
Smartphone-basiertes Tolling nutzt eine App als virtuelle On-Board Unit. Anstatt eines dedizierten Fahrzeugsenders erkennt die App mautpflichtige Fahrten, indem sie Einfahrten in Mautkorridore oder -zonen identifiziert.
Technisch geschieht das typischerweise über GNSS-Ortung (z. B. GPS) in Kombination mit Bewegungssensorik. Besonders wichtig ist die zuverlässige Fahrzeugzuordnung. Hier verbessert Bluetooth-Pairing zwischen Smartphone und Fahrzeug die Erkennung deutlich, weil es die Wahrscheinlichkeit senkt, dass ein falsches oder gar kein Gerät einer Fahrt zugeordnet wird.
Zentrale Piloterkenntnis: Fahrzeugzuordnung entscheidet über die Qualität
Im Pilotkontext zeigt der Bericht vor allem eines: Smartphone-Tolling funktioniert dann am besten, wenn das System das Smartphone sicher dem richtigen Fahrzeug zuordnen kann. Mit Bluetooth-Kopplung steigen Zuverlässigkeit und Matching-Qualität deutlich. Ohne Pairing sinken die Trefferquoten, unter anderem weil in der Praxis nicht garantiert ist, dass das registrierte Smartphone bei jeder mautpflichtigen Fahrt tatsächlich im Fahrzeug ist.
Empfehlung: Kundenauswahl erweitern, Einnahmesicherheit schützen
Kernbotschaft des Reports ist, dass Smartphone-Tolling primär eingesetzt werden sollte, um Kundenauswahl zu erweitern und die Abdeckung bei Nicht-Tag-Fahrten zu verbessern, während die Einnahmesicherheit und Betriebsstabilität der bestehenden Systeme geschützt wird. Der Bericht warnt davor, bewährte Erhebungskomponenten zu entfernen, bevor sie in einem voll integrierten, operativen Betrieb ausreichend getestet wurden.
Akzeptanz und Datenschutz: Potenzial vorhanden, Erwartungen klar
Teilnehmerrückmeldungen werden insgesamt als positiv beschrieben, gleichzeitig betont der Bericht, dass bei einer Skalierung Datenschutz, Transparenz und Nutzerkontrolle zentrale Erfolgsfaktoren sind. Für breite Akzeptanz braucht es nachvollziehbare Regeln dazu, welche Daten erfasst werden, wie sie verarbeitet werden und welche Optionen Nutzerinnen und Nutzer haben.
Ausblick: V2X sowie 5G/6G als langfristige Weichenstellung
Im Kapitel zur Future Tolling Technology Roadmap skizziert der Bericht einen langfristigen Wandel hin zu in-vehicle tolling. V2X (Vehicle-to-Everything) beschreibt dabei die Kommunikation von Fahrzeugen mit Infrastruktur, Netzwerken und anderen Verkehrsteilnehmern. Für Tolling könnte das perspektivisch bedeuten, dass Fahrzeuge mautbezogene Ereignisse und Identitätsinformationen sicher und standardisiert mit der Infrastruktur austauschen.
5G und perspektivisch 6G liefern die skalierbare Konnektivitätsebene, um solche Prozesse breit nutzbar zu machen, mit höherer Zuverlässigkeit, niedrigerer Latenz und stärkerer Unterstützung für sichere digitale Identitäten. Der strategische Schwerpunkt verschiebt sich damit von spezifischen Transponder-Protokollen hin zu Interoperabilitätsrahmen, Zertifizierung, Sicherheitsanforderungen und flexibler Backoffice-Integration in ein Ökosystem unterschiedlicher Anbieter.
Quelle: 2026 Tolling Technology Pilot Final Report, Washington State Transportation Commission.