Truvami Batterieoptimiertes Asset Tracking für skalierbare Field Operations
Mehr erfahren

ISO/IEC JTC 1/SC 31 veröffentlicht Überblick zu UHF RFID und Datenstandards

  • Veröffentlicht: 23. Februar 2026
  • Lesezeit: 5 min
  • Quelle:

    Logo Think WIoT

Teilen:

ISO/IEC JTC 1/SC 31 veröffentlicht Überblick zu UHF RFID und internationalen Datenstandards
ISO/IEC JTC 1 vereint globale Fachkompetenz für Informationstechnologie – SC 31 verantwortet hier die Standardisierung von RFID und automatischer Identifikation. Bildquelle: ISO/IEC

Mit einem neuen, öffentlich verfügbaren Einstiegsdokument stärkt ISO/IEC die Orientierung für alle, die RFID-Projekte planen oder umsetzen: Am 5. Januar 2026 wurde ein kompakter „Standards overview“ zu UHF RFID und kodierten Daten veröffentlicht.

In der RFID-Community wurde die Veröffentlichung u.a. durch einen LinkedIn-Post von Dennis Pospich (Data Elektronik GmbH) aufgegriffen, der den Charakter des Papiers treffend zusammenfasst: eine kurze, bewusst high-level gehaltene Einführung für Endanwender und RFID-Lösungsanbieter – nicht ausschließlich für Entwickler.

Das Ziel des Dokuments ist nicht, die gesamte Normenwelt im Detail zu erklären, sondern eine verständliche Landkarte zu liefern. Es beantwortet typische Einstiegsfragen aus der Praxis: Was genau ist RFID – und was ist es nicht? Welche Technologie passt zu welcher Anwendung? Welche Daten gehören auf den Tag? Und welche ISO/IEC-Standards sind dafür die richtigen Bezugspunkte?

Wo SC 31 in der ISO/IEC-Welt „zuhause“ ist

Für die Praxis ist die organisatorische Einordnung relevant, weil sie erklärt, warum SC 31 für RFID so zentral ist:

ISO organisiert Standardisierung in Technical Committees (TCs) – eine umfangreiche, historisch gewachsene Struktur, die thematisch von „Assistive products“ bis „Zinc alloys“ reicht. Die Committees sind in der Reihenfolge ihrer Gründung gelistet: TC 1 befasst sich mit Schraubgewinden und wurde bereits 1947 gegründet; deutlich später kamen neue Themenfelder hinzu, etwa TC 323 zur Standardisierung der Circular Economy.

Wer ein Committee auswählt, findet dort u. a. Informationen zu Vorsitz, Sekretariat, Dokumenten sowie zum Programm of Work mit geplanten Meetings und Normen in Arbeit.

Für IT-Standards arbeiten ISO und IEC eng zusammen – gebündelt im gemeinsamen Gremium ISO/IEC JTC 1 „Information technology“. Innerhalb dieses JTC 1 ist SC 31 das Subcommittee für „Automatic identification and data capture techniques (AIDC)” – also genau für jene Technologien und Datenstrukturen, die automatische Identifikation in der Praxis ermöglichen: Barcodes, OCR, RFID und verwandte AIDC-Themen.

RFID ist nicht gleich RFID – und genau das räumt das Papier auf

Eine der wichtigsten Botschaften gleich zu Beginn: RFID ist keine einzelne Technologie, sondern eine Familie. Das Dokument ordnet RFID verständlich nach zwei Achsen:

Erstens nach der Betriebsfrequenz (LF, HF, UHF, EHF). Diese bestimmt unter anderem Reichweite, Antennendesign, Regulierungen und Robustheit in bestimmten Umgebungen.

Zweitens nach der Energieversorgung: Aktiv, passiv und battery-assisted passive. Aktive Tags senden selbst und benötigen eine Batterie, passive Tags nutzen das Energiefeld des Readers und antworten per Backscatter. Battery-assisted passive liegt dazwischen und kann etwa Reichweite oder Sensorfunktionen unterstützen.

Diese Unterscheidung ist nicht akademisch: Sie entscheidet darüber, ob RFID in einem konkreten Umfeld zuverlässig funktioniert – etwa nahe Metall, in der Nähe von Flüssigkeiten oder in komplexen Mehrantennen-Setups.

Im Einsatz
UCODE X RAIN RFID-Tag-Chip

UCODE X RAIN RFID-Tag-Chip

Logo NXP Semiconductors

UCODE X optimiert RFID-Anwendungen durch geringen Stromverbrauch und hohe Codiergeschwindigkeit.

Fokus auf den industriellen Standard: Passive UHF RFID nach ISO/IEC 18000-63

Der Schwerpunkt des Dokuments liegt auf der heute am weitesten verbreiteten RFID-Technologie für Objektidentifikation und Supply-Chain-Anwendungen: passive UHF RFID nach ISO/IEC 18000-63.

Das Papier führt praxisnah durch das Funktionsprinzip eines UHF-Systems: Reader und Antennen senden modulierte Signale, der Tag wird dadurch energetisiert, verarbeitet Kommandos und antwortet über Backscatter. Der entscheidende Vorteil im Alltag: UHF RFID kann viele Tags gleichzeitig erfassen und damit Prozesse automatisieren, bei denen Barcodes an Grenzen stoßen – insbesondere, wenn keine Sichtlinie vorhanden ist oder wenn hohe Durchsatzraten gefragt sind.

Gleichzeitig benennt das Dokument typische Realitäten: UHF-Wellen durchdringen nichtleitende Materialien wie Karton oder Kunststoff gut, reagieren aber empfindlich auf Metallreflexionen. Deshalb sind Antennenausrichtung, Sendeleistung, Umgebungseinflüsse und Störquellen zentrale Designparameter.

Der Kern vieler Projekte: Datenstandardisierung statt „nur Funk“

Besonders wertvoll ist, dass der Überblick die Datenebene als gleichrangig behandelt. Denn in erfolgreichen RFID-Projekten ist nicht nur die Luftschnittstelle entscheidend, sondern die Frage: Welche Daten werden wie kodiert – und wie bleiben sie über Systemgrenzen hinweg eindeutig?

UHF-Systeme arbeiten mit größeren Reichweiten und Massenerfassung. In der Praxis bedeutet das: Es ist fast unvermeidlich, dass ein System im Laufe der Zeit auch Tags erfasst, die nicht „zur eigenen Anwendung“ gehören – etwa von Transportbehältern, Waren, Besucherobjekten oder Arbeitskleidung. Wenn dann proprietäre oder unstrukturierte Identifier verwendet werden, kann es zu Verwechslungen, ID-Kollisionen und automatisierten Fehlbuchungen kommen.

Deshalb empfiehlt das Dokument, internationale Datenstandards von Anfang an mitzudenken – selbst dann, wenn ein Projekt zunächst klein oder intern wirkt. Standardisierung erleichtert späteren Ausbau, Partneranbindung und Skalierung erheblich.

Das Papier erklärt dazu die typischen Speicherbereiche eines Tags: eine herstellerseitige, statische TID, den eigentlichen Objekt-Identifier (EPC/UII) und optionalen User Memory für zusätzliche Informationen. Es zeigt außerdem, warum Kontrollinformationen wichtig sind, damit Reader und Software wissen, wie sie Tagdaten interpretieren und dekodieren sollen.

Sicherheit und Nachweisbarkeit: Kryptografie und digitale Signaturen

Je stärker RFID in wertige oder regulierte Prozesse wandert, desto wichtiger werden Sicherheit, Integrität und Nachweisbarkeit. Das Dokument verweist auf Standards, die über reines Lesen/Schreiben hinausgehen: Schutzmechanismen auf Tag-Ebene, Authentifizierungsansätze sowie kryptografische Verfahren für RFID-Anwendungen. Außerdem wird das Thema digitale Signaturen als Baustein angesprochen, um Datenstrukturen verifizierbar zu machen.

Für Anwender ist das ein wichtiger Hinweis: Moderne RFID-Architekturen müssen nicht nur „funktionieren“, sondern auch auditierbar, manipulationsresistent und in Teilen beweisfähig sein – je nach Risiko- und Compliance-Profil der Anwendung.

Warum diese Veröffentlichung für die Praxis zählt

Diese neue, frei zugängliche Einführung ist vor allem deshalb relevant, weil sie eine häufige Lücke schließt: Zwischen Normenkatalog und Marketingunterlagen gab es bislang wenig Material, das sowohl technisch korrekt als auch für Entscheider und Projektteams gut lesbar ist.

Der SC-31-Überblick hilft, Projekte schneller sauber aufzusetzen: mit realistischen Erwartungen an Technologie, einem klaren Verständnis der Datenlogik und einem besseren Gefühl dafür, welche Normenfamilien für Interoperabilität, Datenstruktur, Sicherheit und Testbarkeit wichtig sind.

Für den Markt ist das ein Signal, das weit über UHF RFID hinausweist: Standardisierung ist nicht „Bürokratie“, sondern die Voraussetzung dafür, dass AIDC-Lösungen skalierbar, kompatibel und langfristig beherrschbar werden.

Mehr zu ISO/IEC JTC 1/SC 31 (Automatic identification and data capture techniques): https://www.iso.org/committee/45332.html


Kontakt- und Firmeninformationen

Veröffentlicht von
Think WIoT
Kontakt:
Anja Van Bocxlaer