- UHF-RFID in Smartphones ermöglicht eine größere Lesereichweite und gleichzeitiges Scannen mehrerer Tags.
- Digitale Produktpässe (DPP) fördern Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Kreislaufwirtschaft in verschiedenen Branchen.
- Die breite Einführung erfordert technische Anpassungen, konsistente Benutzererfahrung und einen klaren Business Case.
- Dualfrequenz-Chips verbinden NFC und UHF-RFID für Fälschungssicherheit und flexible Anwendungen.
Pierre Muller, Leiter der RFID-Geschäftseinheit bei EM Microelectronic, erläutert das Potenzial von UHF-RFID (RAIN) in Smartphones und hebt dabei insbesondere die Möglichkeit hervor, Infrastrukturkosten zu senken und Anwendungen wie digitale Produktpässe (DPP)* zu ermöglichen. Zu den größten Herausforderungen zählen technische Hürden, uneinheitliche Benutzererfahrungen und die Notwendigkeit eines überzeugenden Business Case. Die größere Reichweite und die Möglichkeit zum Scannen mehrerer Tags bieten einen Mehrwert für den Einzelhandel, die Logistik und die Bestandsverfolgung.
Gleichzeitig gewinnt die Dualfrequenz-Technologie, die NFC und UHF-RFID kombiniert, insbesondere für die Fälschungssicherheit und nahtlose Integration zunehmend an Bedeutung. Ihr Erfolg hängt von klaren Vorteilen für Hersteller und Endnutzer ab.
* Ein digitaler Produktpass (DPP) ist eine digitale Aufzeichnung, die wichtige Informationen über die Herkunft, die Materialien, den Lebenszyklus und die Nachhaltigkeit eines Produkts enthält. Er ermöglicht Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Compliance in Branchen wie Mode, Elektronik und Fertigung. Mithilfe von Technologien wie NFC, RFID oder QR-Codes können Verbraucher und Unternehmen leicht auf Details zu Recycling, Authentizität und Wartung zugreifen, was Initiativen zur Kreislaufwirtschaft unterstützt und Abfall reduziert.
1. Was halten Sie vom Potenzial von UHF in Smartphones – ist es das nächste große Ding oder sind Sie eher skeptisch?
RAIN RFID ist die skalierbarste drahtlose Technologie, wie die 45 Milliarden Tags belegen, die im letzten Jahr verkauft wurden. Eine ihrer wenigen Schwächen sind die Kosten für die Bereitstellung der Infrastruktur. Die Integration von RAIN RFID in Smartphones bietet eine effiziente Lösung für diese Herausforderung, beschleunigt die Einführung und erweitert die Reichweite.
Darüber hinaus eröffnet sie neue B2C-Anwendungen wie den digitalen Produktpass (DPP) und steigert damit das Potenzial der Technologie weiter. Bei erfolgreicher Integration könnte diese Innovation wirklich transformativ sein.
2. Welche technologischen Herausforderungen müssen bewältigt werden, um UHF erfolgreich in Smartphones zu integrieren?
Um von der erfolgreichen Integration in einigen wenigen Unternehmens-Smartphones zu einer breiten Einführung in allen Smartphones zu gelangen, müssen wir drei miteinander verbundene Herausforderungen angehen: technische Aspekte, Benutzererfahrung und Geschäftsmodell.
Pierre Muller – Leiter des Geschäftsbereichs RFID
Aus technischer Sicht wird eine groß angelegte Integration zu einer Verbreitung von Lesegeräten führen. Die heutigen Systeme sind genau auf eine effektive Zusammenarbeit zwischen Lesegeräten abgestimmt, aber wie dies in einer dynamischen, mobilen Umgebung mit persönlichen Geräten funktionieren wird, bleibt eine offene Frage. Die Auswirkungen auf die Akkulaufzeit sind immer ein Thema und hängen stark von den jeweiligen Anwendungsfällen ab.
Ebenso wichtig ist die Benutzererfahrung. Wenn die Implementierung von Telefonhersteller zu Telefonhersteller erheblich variiert, könnte dies zu Inkonsistenzen führen, die die Akzeptanz behindern und die Verbreitung der Technologie im Alltag einschränken. Auch Datenschutzbedenken könnten ein erhebliches Hindernis darstellen.
Schließlich wird eine breite Akzeptanz nur dann erfolgen, wenn es einen klaren Business Case für Handyhersteller oder Telekommunikationsbetreiber gibt. Als NFC erstmals integriert wurde, war seine Killer-App das Bezahlen. Dennoch dauerte es mehr als ein Jahrzehnt – und die Einführung von Apple Pay und Google Pay –, bis eine weltweite Verbreitung erreicht wurde.
3. Was ist der Mehrwert von UHF in Smartphones und welche Zielgruppen oder Märkte werden am meisten davon profitieren?
Der Hauptmehrwert liegt in der größeren Lesereichweite und der Möglichkeit, mehrere Tags in kurzer Zeit zu scannen. Die Anwendungsfälle reichen von der Abfrage von Informationen zu einem intelligenten Produkt, beispielsweise in einem digitalen Produktpass, über Vertrieb und Management bis hin zu intelligenten Kleiderschränken, Crowdsourcing-Objektsuche und Indoor-Ortungssystemen, die statische RAIN-Tags an bekannten Orten verwenden.
Es gibt eine Vielzahl potenzieller Anwendungen, aber die entscheidenden Fragen bleiben: Wer profitiert von dieser Technologie und wie sieht das Geschäftsmodell aus? Liegt der Mehrwert beim Endverbraucher, beim Einzelhändler, beim Smartphone-Hersteller oder bei einem Drittanbieter, der datengesteuerte Anwendungen bereitstellt? Damit die Integration in Smartphones erfolgreich sein kann, muss sowohl für den Smartphone-Hersteller als auch für den Endverbraucher ein klarer Mehrwert erkennbar sein.
4. Wie wird sich die Einführung des Dualfrequenz-Chips entwickeln?
Die Dualfrequenztechnologie (Chips) ist gut etabliert und wächst rasant. Wir haben die erste Generation vor einem Jahrzehnt eingeführt und werden in Kürze die dritte Generation auf den Markt bringen, um den Skalierungsanforderungen durch digitale Produktpässe (DPP) und Fälschungssicherheit gerecht zu werden.
Fälschungen sind in vielen Branchen, vom Einzelhandel über die Pharmaindustrie bis hin zu Automobilteilen, eine wachsende Herausforderung. Die NFC-Schnittstelle eignet sich besonders gut für die Lösung dieses Problems, da sie ursprünglich für Bankanwendungen entwickelt wurde. Darüber hinaus bedeutet ihre Rolle im Zahlungsverkehr, dass NFC-Lesegeräte in Smartphones verbleiben und nicht durch UHF-Lesegeräte ersetzt werden.
Darüber hinaus bietet NFC integrierte Datenschutzfunktionen, und dank der Dualfrequenz-Technologie können Endbenutzer das Verhalten der UHF-Schnittstelle über NFC nach Bedarf steuern.
Unsere Shared-Memory-Architektur vereinfacht die Integration von RAIN und NFC und ist daher besonders wertvoll in gemischten Infrastrukturumgebungen. Die Möglichkeiten für DPP sind enorm, und wir erwarten eine Verbreitung von Lösungen, die entweder auf NFC oder RAIN basieren.
Unsere Dualfrequenz-Technologie überbrückt Kompatibilitätslücken und gewährleistet eine nahtlose Einführung in allen Anwendungsfällen. Angesichts dieser Faktoren sehen wir für unsere Dualfrequenz-Technologie in den kommenden Jahren eine vielversprechende Zukunft.
Pierre Muller – Leiter des Geschäftsbereichs RFID
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