- Der RFID-Tunnel ist ein standardisiertes Komplettpaket, das mit einer Artikelnummer bestellt und innerhalb weniger Stunden aufgebaut wird.
- Er verfügt über eine integrierte UHF-RFID-Technologie mit vier externen Antennen für zuverlässige Identifikation auf Förderstrecken.
- Die Anbindung erfolgt über eine standardisierte REST-API, die dem Kunden die Integration in eigene Systeme erleichtert.
- Das Produkt bietet eine strategische Mischung aus Komponentenverkauf und Komplettintegration, um Kunden Flexibilität und Prozesssicherheit zu gewährleisten.
RFID „einfach mal machen“ – ohne wochenlange Projektierung?
Genau an dieser Stelle setzt Turck mit einem neuen, bewusst standardisierten Ansatz an: einem RFID-Tunnel als sofort bestellbares Komplettpaket. Think WIoT hat dazu mit Bernd Wieseler, Director Product Management RFID Systems bei Turck, gesprochen – über das „Out of the box“-Prinzip, typische Use Cases auf Förderstrecken und darüber, warum der Tunnel eine strategische Mittelposition zwischen Komponentenverkauf und Vollintegration einnimmt.
„Eine Artikelnummer – und alles ist drin“
Bernd, ihr sprecht beim RFID-Tunnel von einem echten ‚Out-of-the-box‘-Ansatz. Was steckt dahinter – und wie schnell ist man damit typischerweise produktiv?
Bernd Wieseler: Der Vorteil ist ganz einfach: Es ist ein Standardprodukt, das man mit einer Artikelnummer bestellt. Es kommt als Set, inklusive Komponenten und Anleitung – wie man es von Möbel-Aufbauanleitungen kennt. Der Metallbau ist so gestaltet, dass man ihn sehr einfach selbst aufbauen kann.
Mit zwei Händen mehr geht’s leichter, weil die Teile schwer sind. Aber: innerhalb weniger Stunden steht der Tunnel, ist angeschlossen – und man kann produktiv starten, also messen und Tags lesen.
Wie reagieren Kunden darauf, dass sie schnell und selbstorganisiert starten können?
Bernd Wieseler: Sehr positiv. Viele Kunden wollen selbst integrieren, brauchen vielleicht nur ein oder zwei Tunnel und möchten nicht gleich eine komplette Systemintegrationslösung. Sie sagen: „Gebt mir die Daten – den Rest mache ich bei mir.“ Genau dafür passt dieses Paket: nicht alles einzeln zusammenstellen, sondern Artikelnummer bestellen und loslegen.
„Viele wollen nicht bei null anfangen und auch kein Mammutprojekt. Sie wollen schnell starten, sauber integrieren und dann skalieren – genau dafür ist unser Out-of-the-box RFID-Tunnel gemacht.“
Was ist der Turck RFID-Tunnel – und wie ist er aufgebaut?
Kannst du das Produkt kurz einordnen: Größe, Durchfahrt, Ausstattung?
Bernd Wieseler: Der Tunnel liegt größenmäßig bei rund 1,2 m Länge und hat eine Durchfahrt für Förderbänder von bis zu 720 × 660 mm. Er ist komplett aus Metall aufgebaut und enthält die komplette Elektronik: einen UHF-RFID-Reader mit bis zu 2 Watt ERP sowie vier externe Antennen, die im Tunnel so angeordnet sind, dass sie von mehreren Seiten optimal auf die Ware „schauen“.
Welche Schnittstelle nutzt ihr?
Bernd Wieseler: Wir arbeiten mit einer standardisierten REST-API, damit die IT des Kunden den Tunnel vergleichsweise einfach in die eigenen Systeme integrieren kann.
Welche Daten liefert der Tunnel konkret?
Bernd Wieseler: Rohdaten: EPCs, welche die Antenne gelesen hat, die typischen Reader-Rückgaben – alles wird über die REST-API bereitgestellt. Die Aufbereitung, der Abgleich „soll vs. ist“ (z.B. „Sind wirklich alle 50 Teile im Karton?“) passiert bewusst in der darüberliegenden Ebene beim Kunden – im Produktions-, Lager- oder Managementsystem.
Zwischen „Komponente“ und „Wohlfühlpaket“: die strategische Mitte
Klingt, als würdet ihr damit eine neue Produktlogik bedienen.
Bernd Wieseler: Genau. Es gibt klassisch den Weg: Komponente kaufen und selbst sehen, wie man drumherum baut. Und es gibt die komplette Integration als Rundum-Paket.
Aber viele Kunden fragen: „Kann ich das auch selbst machen – nur bitte mit einem sinnvollen Rahmen?“ Der Tunnel ist genau diese Mitte: Turck liefert die bewährte, standardisierte Umgebung, die Integration bleibt beim Kunden. Und wenn später doch mehr Unterstützung nötig ist, kann man das ausbauen.
Brauchen Kunden trotz Plug-&-Play oft noch Support?
Bernd Wieseler: Ja. UHF-RFID ist nicht trivial. Datenträgerwahl, Medium, Anbringung, Geschwindigkeit, Reader-Settings – das muss man testen. Wir unterstützen beratend und bieten auf Wunsch Dienstleistungen wie ein Start-up/Enablement an, damit Kunden schnell sauber in die Anwendung kommen.
Metalltunnel klingt nach Abschirmung – aber auch nach Reflexionen.
Bernd Wieseler: Genau. Die Lesegenauigkeit hängt stark vom Medium und den Tags ab – man muss testen. Und: Bei hoher Leistung kann auch Abstrahlung nach außen ein Thema sein, weshalb man Abstand zu umliegenden Objekten berücksichtigen sollte. Zusätzliche Abschirmmaterialien wären theoretisch möglich, müssten aber im Einzelfall bewertet werden – denn Abschirmung kann auch Reflexionen reduzieren, die im Tunnel fürs Lesen nützlich sind.
Für wen lohnt sich der Tunnel?
Welche Branchen siehst du als Hauptzielgruppe?
Bernd Wieseler: Der RFID-Tunnel lohnt sich immer dann, wenn Unternehmen in der Intralogistik oder Produktion an einem Punkt im Materialfluss Sicherheit, Tempo und Datenqualität gleichzeitig brauchen – ohne dafür erst eine individuelle Komplettlösung projektieren zu müssen.
Viele Prozesse scheitern nicht an fehlender Automatisierung, sondern an kleinen Abweichungen: ein Teil fehlt im Karton, ein Behälter ist falsch bestückt, ein Versand geht unvollständig raus. Genau hier spielt der Tunnel seine Stärke aus: Er schafft einen robusten, wiederholbaren Identifikationspunkt auf der Förderstrecke – als verlässliche „Wahrheitsquelle“, bevor Ware weiterläuft.
Spannend ist das vor allem für Teams, die pragmatisch digitalisieren wollen: schnell starten, früh Nutzen sehen und dann skalieren. Der Tunnel ist damit ideal für Unternehmen, die RFID nicht als Forschungsprojekt betrachten, sondern als Werkzeug zur Prozessabsicherung – etwa um Pack- und Versandfehler zu reduzieren, Bestände sauberer zu führen oder Transparenz in geschlossene Kreisläufe zu bringen.
Und weil die Integration über standardisierte Schnittstellen erfolgt, passt der Ansatz besonders gut zu Anwendern, die sagen: „Gebt uns stabile Lesedaten – die Logik und die Entscheidungen bauen wir in unseren Systemen selbst.“
Live sehen, testen, skalieren
Wer den Tunnel vorab erleben will: Turck kann ihn auch im Showroom demonstrieren – inklusive Beispiel-Förderband und Tests zu Geschwindigkeit/Automation. Und wer lieber „Hands-on“ auf einer Messe einsteigt: Turck wird den RFID-Tunnel wie im letzten Jahr auch auf der diesjährigen LogiMAT vom 24. bis 26. März 2026 in Stuttgart präsentieren.
Fazit
Turcks RFID-Tunnel ist ein bewusst standardisiertes Ready-to-go-Paket: bestellen, aufbauen, lesen, integrieren – und dabei die Freiheit behalten, die Datenlogik im eigenen System zu steuern. Genau diese Mischung aus Tempo, Standardisierung und Integrationsfreiheit macht den Ansatz für viele Logistik- und Produktionsumfelder spannend.
„Am Ende geht es nicht um RFID um der Technik willen – sondern um Prozesssicherheit. Der Tunnel ist der Punkt im Materialfluss, an dem aus Vermutung Gewissheit wird.“ - Bernd Wieseler, Turck.