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Wenn Funksignale zur Sensorik werden – und KMU Prozesse in Echtzeit verstehen

  • Veröffentlicht: 25. Februar 2026
  • Lesezeit: 4 min
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Wenn Funksignale zur Sensorik werden – und KMU Prozesse in Echtzeit verstehen
DeltaPro macht Funksignale zur Sensorik: Aus WLAN-, Mobilfunk- oder UWB-Signalen entsteht eine unsichtbare Sensorschicht, die Prozesszustände und Abweichungen in Echtzeit erkennt. Bildquelle: Stema Metalleichtbau GmbH

DeltaPro: Ein KMU-innovativ-Projekt, das „Sensing by Connectivity“ in die Produktion bringt

In vielen mittelständischen Fertigungen gibt es einen blinden Fleck, der teuer ist: Man merkt zu spät, dass ein Prozess aus dem Takt gerät. Ein Arbeitsschritt zieht sich. Ein Teil fehlt. Ein Ablauf stockt – und am Ende stehen Nacharbeit, Ausschuss oder Lieferverzug. Transparenz wäre möglich, doch klassische Sensorik ist für viele KMU nicht die Antwort: zu teuer, zu aufwändig, zu wartungsintensiv – oder in der Praxis schwer skalierbar. Wo Maschinendaten fehlen, bleibt oft nur die Stichprobe.

Genau hier setzt DeltaPro an – und baut gerade deshalb Spannung auf, weil das Versprechen auf dem Shopfloor fast zu gut klingt: Echtzeit-Monitoring ohne zusätzliche Sensorhardware, nachrüstbar als Retrofit, ohne Eingriff in bestehende Abläufe. Das Projekt läuft bis 31.03.2026 – die Ergebnisse dürften also bald sichtbar werden.

Die Kernidee: Funksignale sind mehr als Konnektivität

Funksignale sind überall: in WLAN-Netzen, Mobilfunk, BLE – und je nach Setup auch UWB. Was dabei oft vergessen wird: Diese Signale „sehen“ ihre Umgebung. Jeder Mensch, jede Bewegung, jede veränderte Geometrie beeinflusst die Ausbreitung des Funkfelds. Genau diese Einflüsse sind kein Störfaktor, sondern ein Datensatz – wenn man ihn richtig liest.

DeltaPro betrachtet die Produktion bewusst als „Blackbox“: nicht jede Maschine wird tief instrumentiert, sondern der Prozess wird von außen über Signalparameter beschrieben. Aus den Veränderungen im Funkkanal entsteht ein digitales Abbild von Prozesszuständen – und mit KI werden Abweichungen früh erkannt, bevor sie Qualität und Effizienz spürbar beschädigen.

Fraunhofer IIS: Vom Radio Sensing zum Semantic Sensing

Dass dieser Ansatz Substanz hat, zeigt die Arbeit des Fraunhofer IIS im Bereich Radio Sensing und Semantic Sensing. Dort wird daran geforscht und entwickelt, Funknetze der nächsten Generation nicht nur für Datenübertragung und Positionierung zu nutzen, sondern als flächendeckende Sensorschicht. Der Clou: Man nutzt vorhandene Funkinfrastruktur und leitet aus Kanalparametern Informationen über die Umgebung ab – ohne zusätzliche Sensoren.

Und dann kommt der Schritt, der das Ganze für Industrieprozesse wirklich spannend macht: Semantic Sensing. Hier wird aus physikalischen Veränderungen im Funkfeld „Bedeutung“. KI-Methoden übersetzen Funksignal- und Umgebungsdaten in Kontext: Prozesszustände, Störungen, Anomalien. Plötzlich ist Funk nicht nur Messgröße – sondern Interpretation.
Mehr dazu: https://www.iis.fraunhofer.de/de/ff/lv/lok/sensing.html

DeltaPro im Praxisblick: Mikroskopische Veränderungen werden sofort sichtbar

Aus dem Fraunhofer-Umfeld gibt es Einblicke, wie DeltaPro operativ gedacht ist: Beispielsweise kann ein UWB-Mesh die Channel Impulse Response (CIR) auswerten – ein extrem detailreicher „Fingerabdruck“ des Funkkanals. Jede kleinste Veränderung in der Umgebung hinterlässt darin sofort Spuren: eine Person betritt die Zone, ein Werkzeug fehlt, ein Teil ist anders positioniert, ein Ablauf wird unterbrochen.

Die Daten werden an ein Edge-System gestreamt, dort lokal verarbeitet und KI-gestützt ausgewertet – mit dem Ziel, Anomalien zu detektieren oder Prozesszustände zu klassifizieren. Der Reiz liegt in der Konsequenz: kein Sensorwald, kein direkter Personenblick, keine große Umbauaktion – aber trotzdem Echtzeit-Transparenz.

Warum das Projektfinale so relevant ist

DeltaPro ist mehr als ein weiterer Pilot. Es ist ein Praxistest für eine neue Logik: Kommunikationsnetze werden zur Sensorik, und damit wird Prozessüberwachung für KMU potenziell bezahlbar und skalierbar. Der Demonstrator in der Anhängerproduktion ist dabei kein Hochglanz-Labor, sondern ein Umfeld mit Varianten, teilmanuellen Abläufen und genau den Störungen, die den Alltag prägen.

Wenn DeltaPro im Projektabschluss zeigen kann, dass Funksignale zuverlässig als Sensorschicht funktionieren, verschiebt sich eine Grundannahme der Industrie-Digitalisierung: Transparenz hängt dann weniger von teurer Zusatzhardware ab – und mehr von intelligenter Signalinterpretation. Für viele KMU könnte das der Einstieg sein, der bislang an Kosten, Aufwand oder Akzeptanz gescheitert ist.

Und weil das Projekt bis Ende März 2026 läuft, ist die entscheidende Frage nicht mehr, ob Ergebnisse kommen – sondern wie stark sie ausfallen. Denn wenn sich „Sensing by Connectivity“ im Feld bewährt, könnte aus einer faszinierenden Idee ein neues Standardwerkzeug werden: die Produktion, die über ihre eigenen Funksignale spürt, wenn etwas aus dem Takt gerät.

Projektpartner

DeltaPro wird gemeinsam umgesetzt von ASTRUM IT GmbH, Fraunhofer-Gesellschaft, Qualigon GmbH und STEMA Metalleichtbau GmbH.


Kontakt- und Firmeninformationen

Veröffentlicht von
Fraunhofer IIS
Kontakt:
René Dünkler