EU startet GOVSATCOM: Sichere Satellitenkommunikation als Brücke zu IRIS²
Die Europäische Union hat Ende Januar den operativen Betrieb von GOVSATCOM (EU Governmental Satellite Communications) aufgenommen. Damit erhalten alle Mitgliedstaaten Zugriff auf sichere, verschlüsselte Satellitenkommunikation für staatliche und sicherheitsrelevante Anwendungen. Zum Start werden acht Satelliten aus fünf EU-Ländern (Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und Luxemburg) gebündelt. Die Infrastruktur wird in Europa aufgebaut und betrieben, unter europäischer Kontrolle.
EU-Kommissarin Henna Virkkunen betonte auf der European Space Conference in Brüssel am am 27. und 28. Januar die strategische Bedeutung: Europas Sicherheit hänge davon ab, in jeder Lage verbunden zu bleiben. Mit GOVSATCOM setze die EU einen konkreten Schritt hin zu mehr digitaler Souveränität und reduziere Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern.
Wofür GOVSATCOM gedacht ist
GOVSATCOM verfolgt einen „Pooling & Sharing“-Ansatz: vorhandene, vertrauenswürdige Kapazitäten werden koordiniert bereitgestellt, um in der EU krisenfeste Konnektivität für Behörden und Einsatzorganisationen zu ermöglichen. Typische Szenarien sind Krisen- und Katastrophenschutz, zivile Sicherheitsaufgaben, Grenz- und Seeüberwachung, diplomatische Kommunikation sowie Verteidigungs- und Missionskommunikation.
Deutschland als Bodensegment-Schlüssel: GOVSATCOM-Hub in Köln
Deutschland übernimmt eine zentrale Rolle beim Bodensegment: In Köln entsteht ein GOVSATCOM-Hub als zentrale Bodeninfrastruktur und Schnittstelle zu weiteren EU-Satcom-Diensten. Das Land Nordrhein-Westfalen investiert 50 Millionen Euro in die Infrastruktur. Der Hub wird zugleich als wichtiger Baustein für die spätere Integration in IRIS² positioniert.
Ausbaupfad: Von GOVSATCOM zu IRIS²
GOVSATCOM ist als Einstieg und Übergang konzipiert, IRIS² als Langfristplattform:
Phase 1 (jetzt): Operativer Start mit gebündelten nationalen Satellitenkapazitäten, um kurzfristig sichere staatliche Satcom verfügbar zu machen.
Phase 2 (ab 2027): Geplante Ausweitung von Abdeckung und Kapazität durch zusätzliche, sicherheitsgeprüfte Kapazitäten von vertrauenswürdigen Anbietern.
Phase 3 (ab 2029): Schrittweise Integration in IRIS², die EU-„Secure Connectivity“-Konstellation.
IRIS² im Kurzprofil
IRIS² (Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite) ist als Multi-Orbit-Konstellation geplant und soll langfristig sowohl staatliche, sichere Kommunikation als auch zusätzliche kommerzielle Konnektivitätsdienste ermöglichen. Ziel ist eine robuste, europäisch kontrollierte Infrastruktur, die auch in geopolitisch angespannten Lagen und bei Störungen terrestrischer Netze zuverlässige Dienste bereitstellt.
Einordnung
Für IoT-Anwendungen, kritische Infrastrukturen und öffentliche Betreiber steigt die Bedeutung von resilienter Konnektivität als Fallback-Option. GOVSATCOM schafft dafür kurzfristig eine EU-kontrollierte, verschlüsselte Satcom-Basis. IRIS² soll diese Basis ab Ende des Jahrzehnts mit skalierbarer Infrastruktur, neuen Service-Modellen und höherer Systemautonomie ergänzen.