- Chipkarten sind aufgrund ihrer passiven Natur datenschutzfreundlicher und für alle Altersgruppen ohne Smartphone-Zwang nutzbar.
- Die RFID-Technologie bei 13,56 MHz ermöglicht schnelle Durchgänge bei gleichzeitig hoher Manipulationssicherheit.
- Ein- und Auscheckvorgänge unterstützen das Krisenmanagement, indem im Notfall die Anwesenheit auf dem Gelände nachvollziehbar bleibt.
- Durch die Integration von Zusatzfunktionen wie Kantinenbezahlung oder Druckernutzung steigern Chipkarten die Effizienz im Schulbetrieb.
Schulen sollen offene Lernorte sein – und gleichzeitig vor unbefugtem Zutritt, Vandalismus oder fremden Personen auf dem Gelände schützen. Zwischen „Campus-Atmosphäre“ und Hausfriedensbruch liegt oft nur eine unverschlossene Tür oder ein frei zugängliches Tor.
Moderne Zutrittslösungen helfen, Schulgebäude und sensible Bereiche wie Fachräume, IT oder Verwaltung gezielt zu sichern, ohne den Charakter der Schule in eine Hochsicherheitszone zu verwandeln. Im Interview erklärt Steffi Lasch, Sales and Marketing Manager, Thales DIS BPS Deutschland, warum kontaktlose Chipkarten die Basis für ein durchdachtes Zutrittskonzept an Schulen bilden.
Zutrittskontrolle Schule: Ziele, Risiken und Sicherheitskultur
Chipkarte statt Smartphone: Einheitliches Medium für alle
Viele Schulleitungen diskutieren aktuell über Zugangssysteme auf das Schulgelände. Welche Vorteile hat eine Chipkarte im Vergleich zum Smartphone?
Steffi Lasch: Aus meiner Sicht ist der größte Vorteil der Chipkarte, dass sie ein einheitliches Medium für alle ist. Vom Erstklässler bis zur Abschlussklasse nutzen alle dieselbe Karte. Das funktioniert auch in der Grundschule sehr gut.
Außerdem ist die Chipkarte ein passives Medium, sie sendet nicht von sich aus wie ein Smartphone. Gerade jetzt, wo an vielen Schulen über ein Verbot oder zumindest eine stärkere Einschränkung von Smartphones diskutiert wird, ist die Karte eine einfache, praktikable und datensparsame Lösung – für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Lehrkräfte.
Zugangssicherheit und mehr: Was Zutrittssysteme leisten
Worum geht es bei diesen Systemen im Kern – Zugangssicherheit oder noch mehr?
Steffi Lasch: Im Kern geht es darum, das Schulgelände so abzusichern, dass wirklich nur diejenigen auf das Gelände kommen, die dort sein sollen: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Mitarbeitende. Man möchte vermeiden, dass sich Unbefugte einschleichen, Probleme verursachen oder schlicht Unwesen treiben. Es kann dabei um Vandalismus, Diebstahl aber auch eine Bedrohungslage gehen.
Viele Schulgebäude sind heute noch sehr „offen“. Die Chipkarte allein löst die Sicherheitsthemen natürlich nicht vollständig, aber sie kann ein wichtiger Baustein in einem Gesamtsystem sein.
Studienlage: Gewalt und Vandalismus an Schulen
Sie haben von Studien zur Sicherheit an Schulen gesprochen. Welche Entwicklungen sehen Sie dort?
Steffi Lasch: Es gibt eine sehr interessante Studie des BHE (Bundesverband Sicherheitstechnik) mit dem Titel „Mehr Sicherheit an Schulen“. Die ist zwar schon ein paar Jahre alt, aber aktueller denn je. Darin werden Sicherheitsrisiken an Schulen systematisch bewertet und Maßnahmen beschrieben.
Wenn man die Nachrichten verfolgt, sieht man: Gewalt an Schulen nimmt zu – sowohl körperliche Gewalt als auch Sachschäden, also Vandalismus. Eine Chipkarte kann Beleidigungen oder Konflikte nicht verhindern, aber sie unterstützt ein System, in dem Zugang und Anwesenheit klar geregelt und nachvollziehbar sind.
Sicherheitskultur statt „Spielplatz“-Denken
Sie haben Vandalismus schon angesprochen. Welche Rolle spielt dabei das „Sicherheitsdenken“ an Schulen?
Steffi Lasch: Für mich ist wichtig, dass Sicherheitsdenken fest verankert wird und man eben nicht sagt: „Ein Schulhof ist wie ein Spielplatz.“
Mit einem einheitlichen Zugangssystem kann man ein Bewusstsein schaffen – bei Schülerinnen und Schülern wie bei Lehrkräften. Alle merken: Wir kümmern uns aktiv um den Schutz von Personen und Sachwerten. Wenn klar ist, dass nur Berechtigte aufs Gelände kommen, dass Zugänge kontrolliert sind, dann wirkt das auch abschreckend gegenüber Vandalismus.
Es geht also nicht nur um Technik, sondern um eine Kultur der Aufmerksamkeit und Verantwortung.
Technik und Anwendung: Wie Schüler-Chipkarten im Alltag funktionieren
RFID-Technologie: Kontaktlose Chipkarten für Schulen
Welche Technologien werden typischerweise auf solchen Schüler-Chipkarten eingesetzt?
Steffi Lasch: Aus der Projekterfahrung heraus sind das meist kontaktlose RFID-Karten. Die eignen sich besonders gut für größere Personengruppen, weil sie einen schnellen Durchgang erlauben und gleichzeitig sicher genug sind.
Technisch sprechen wir von hochfrequenten Karten bei 13,56 MHz – das ist der übliche Standard in der Zugangskontrolle, vergleichbar mit Ausweisen oder Pässen. Ich würde bewusst einen Nahbereich wählen, also eine Lesedistanz von maximal etwa zehn Zentimetern. So ist sichergestellt, dass nicht „aus Versehen“ viele Personen gleichzeitig erfasst werden, sondern wirklich nur die Person, die die Karte aktiv an das Lesegerät hält.
Hauptzugänge im Fokus: Wo Zutrittskontrolle beginnt
Beschränkt sich die Zutrittskontrolle auf das Eingangstor oder werden auch Klassenzimmertüren damit gesichert?
Steffi Lasch: In den meisten mir bekannten Projekten geht es zunächst um die Hauptzugänge: also die Eingänge zum Gebäude oder zum Campus. Dort müssen in kurzer Zeit große Gruppen durch, etwa morgens vor Unterrichtsbeginn.
Technisch ist es so, dass beim Zutritt Zeit und Karte erfasst werden – man weiß dann zum Beispiel: Um 7:05 Uhr hat Schülerin oder Schüler X das Gebäude betreten.
Ein- und Auschecken: Anwesenheit im Ernstfall nachvollziehbar machen
Wäre es sinnvoll, auch beim Verlassen des Schulgeländes wieder „auszuchecken“?
Steffi Lasch: Ja, das würde ich auf jeden Fall befürworten. In Gefahrensituationen – etwa bei einem Brandalarm – ist es sehr hilfreich zu wissen, wer sich aktuell auf dem Gelände befindet und wer nicht.
Natürlich ist das keine Ortung in Echtzeit. Sobald jemand auf dem Gelände ist, kann man ihn darüber nicht „tracken“. Es geht ausschließlich darum, festzuhalten: Die Person hat das Gelände betreten oder verlassen. Eine echte Ortung wäre datenschutzrechtlich heikel und würde ein aktives Medium voraussetzen – das ist bei solchen Chipkarten gerade nicht der Fall. Das macht sie auch für jüngere Kinder gut handhabbar.
Multiapplikationskarte: Mehrwert über die Zutrittskontrolle hinaus
Lassen sich solche Karten auch für weitere Funktionen im Schulalltag nutzen?
Steffi Lasch: Ja, und das ist aus meiner Sicht ein großer Pluspunkt. Die Karte kann zur Bezahlkarte in der Mensa werden, für die Bibliothek, für Kopierer und Drucker, für bestimmte Kursräume oder Angebote, die bezahlt oder separat gebucht werden müssen.
Technisch hängt das vom Gesamtsystem ab: Es braucht Lesegeräte, eine entsprechende Backend-Software, Sicherheitstüren, eventuell Videoüberwachung – hier ist ein Systemintegrator gefragt. Aber sobald eine Karte einmal als ID im System hinterlegt ist, kann man sie für viele Anwendungen freischalten. Die Schülerinnen und Schüler brauchen dann nicht mehr Bargeld oder Kreditkarte, sondern nutzen einfach ihre Chipkarte.
Datenschutz, Akzeptanz und Umsetzung der Zutrittskontrolle Schule
Personalisierung und Datenschutz: Wie viele Daten braucht die Karte?
Sind die Chipkarten in der Regel personalisiert – zum Beispiel mit Namen und Foto?
Steffi Lasch: Sie können personalisiert werden, es ist technisch kein Problem, Name und Foto auf die Karte zu drucken. Aus Datenschutzsicht ist das aber nicht sinnvoll. Es reicht vollkommen, mit der eindeutigen Chip-ID zu arbeiten, die im Chip bereits beim Halbleiterhersteller fest kodiert ist. Diese ID wird im System mit der jeweiligen Person verknüpft. So können alle Funktionen verwaltet werden, ohne dass auf der Karte selbst personenbezogene Daten sichtbar sind.
Manipulation und Missbrauch: Wie sicher sind Chipkarten?
Wie groß ist das Risiko, dass eine solche Karte manipuliert oder kopiert wird?
Steffi Lasch: Grundsätzlich gilt: Man kann alles manipulieren – es ist immer eine Frage des Aufwands. Moderne Chipkarten in Kombination mit einem gut durchdachten Hintergrundsystem bieten aber sehr gute Schutzmechanismen gegen Kopieren und Manipulation.
Wichtig ist auch die pädagogische Seite: Man muss über Missbrauch aufklären und den Schülerinnen und Schülern klar machen, welche Vorteile das System hat, wenn alle es verantwortungsvoll nutzen. Dann steigt die Akzeptanz und sinkt die Motivation, „herumzutricksen“.
Akzeptanz schaffen: Eltern, Lehrkräfte und Schüler einbinden
Wie wichtig ist es, Eltern, Lehrkräfte und Schüler frühzeitig in so ein Projekt einzubeziehen?
Steffi Lasch: Extrem wichtig. Man kann nicht einfach ein System hinstellen und erwarten, dass es reibungslos angenommen wird.
Alle Akteure – Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte – sollten vorher informiert und eingebunden werden. Man muss die Vorteile erklären, Fragen beantworten, Bedenken ernst nehmen und die Regeln gemeinsam definieren. Wenn alle verstanden haben, dass die Schule dadurch sicherer wird, steigen Nutzungsbereitschaft und Disziplin deutlich.
Synergien mit dem ÖPNV: Schülerkarten als Zutrittsmedium?
Könnte man auch bestehende Schülerkarten, etwa aus dem ÖPNV, für den Schulzugang verwenden?
Steffi Lasch: Ja, das ist durchaus denkbar. Viele Verkehrsverbünde nutzen bereits hochsichere Chipkarten für Schülerabos, oft ebenfalls im hochfrequenten Bereich. Man könnte prüfen, ob diese Karten auch für das Schulzugangssystem nutzbar sind. Das müsste allerdings auf Ebene des Bundeslands und der beteiligten Akteure abgestimmt werden. Technisch wäre es aber ein interessanter Ansatz, weil man damit ein zusätzliches Medium vermeiden würde.
Infrastruktur als größter Aufwand: Mehr als nur Karten ausgeben
Wo liegt der größte Aufwand bei der Implementierung – bei den Karten oder bei der Infrastruktur?
Steffi Lasch: Die Ausgabe der Karten ist vergleichsweise unkompliziert. Der größere Aufwand liegt in der Infrastruktur: Türen, Zutrittspunkte, Videoüberwachung, Zäune, Software.
Es gibt bereits Schulen, zum Beispiel in Süddeutschland, die solche Systeme eingerichtet haben – inklusive besonders widerstandsfähiger Türen, die im Notfall Fluchtwege ermöglichen, sowie Videoüberwachung der Außengelände und überwachten Zaunanlagen. In Kombination mit der Schüler-Zugangskontrolle ist das Thema Vandalismus dort stark zurückgegangen, weil die Abschreckung einfach groß genug ist.
Natürlich gehört zu einem umfassenden Sicherheitskonzept noch mehr: Brandmeldeanlagen, Hausalarm, organisatorische Maßnahmen. Die Chipkarte ist ein wichtiger Baustein – aber eben nur ein Baustein.
Fazit: Die wichtigsten Argumente für kontaktlose Chipkarten an Schulen
Wenn Sie das Ganze zusammenfassen: Was spricht aus Ihrer Sicht am stärksten für kontaktlose Chipkarten an Schulen?
Steffi Lasch: Kontaktlose Chipkarten verbinden mehrere Vorteile:
Sie sind einheitlich für alle Schüler nutzbar – auch ohne Smartphone.
Sie sind passiv und damit datenschutzfreundlicher als viele aktive Technologien.
Sie erhöhen die Zugangssicherheit und machen unbefugtes Betreten deutlich schwieriger.
Sie sensibilisieren für Anwesenheit, Verantwortung und Sachschutz.
Und sie sind als Multiapplikationskarte einsetzbar – vom Zutritt bis zur Mensa.
Gerade vor dem Hintergrund der Smartphone-Debatte und der Tatsache, dass die Jüngsten ohnehin noch kein Smartphone haben sollen, ist das eine sehr pragmatische, zukunftsfähige und faire Lösung für alle Schülerinnen und Schüler.
Weitere Informationen: BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. (2025). Zutrittssteuerung in der Anwendung (ZKT-14110-2025-01).