OPC Foundation erzeugt EU-Digital-Produktpässe aus Produktionsdaten

  • Veröffentlicht: 03. September 2026
  • Lesezeit: 5 min
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Die Cloud-Initiative der OPC Foundation hat ihre Open-Source-Referenzlösung erweitert, um digitale Produktpässe direkt aus Produktionsdaten zu generieren. Der Stack berechnet produktspezifische Nachhaltigkeitsdaten, erstellt für jeden Artikel einen digitalen Produktpass und stellt diesen über standardisierte Schnittstellen zur Verfügung.

Von Produktionsdaten direkt zum Digitalen Produktpass

Die Referenzlösung der OPC Foundation Cloud Initiative unterstützt nun die Erstellung und Speicherung von EU-Digitalen Produktpässen (DPPs). Entscheidend ist dabei die Herkunft der Informationen: Anstatt einen Pass manuell in einer separaten Datenbank anzulegen, kann das System relevante Informationen direkt aus industriellen Produktionsdaten ableiten.

Erich Barnstedt, Senior Director & Architect, Industrial Standards bei Microsoft und Vorsitzender der OPC Foundation Cloud Initiative, beschreibt die Implementierung als die weltweit erste durchgängige Open-Source-DPP-Lösung dieser Art. Die vollständige Referenzimplementierung ist unter einer MIT-Lizenz frei verfügbar.

Der Ansatz verbindet die Fertigung mit dem Digital Product Passport. Maschinen- und Produktionsdaten werden erfasst, in eine einheitliche Struktur gebracht und verarbeitet, bevor die daraus resultierenden produktspezifischen Informationen als DPP veröffentlicht werden.

Wie funktioniert das?

Auf industrieller Ebene kann die Referenzarchitektur sowohl OPC-UA-Geräte als auch Anlagen, die andere Protokolle verwenden, verbinden. Der „UA Edge Translator“ kann Daten aus Quellen wie Modbus, LoRaWAN, OCPP und HTTP in OPC-UA-Informationsmodelle normalisieren. Produktionsinformationen können dann mithilfe von OPC-UA-PubSub und MQTT durch die Architektur übertragen werden.

UA Edge Translator
Gerätemanagement & Edge

UA Edge Translator

Der UA Edge Translator ermöglicht die nahtlose Integration von Brownfield-Assets durch Protokollübersetzung in OPC UA.

Ein neuer UA Data Processor wandelt diese Produktionsinformationen in die für den Produktpass erforderlichen Informationen um.

Im vorgestellten Beispiel einer Fertigungslinie verfolgt der Prozessor ein einzelnes Produkt anhand seiner Seriennummer durch die Montage, Prüfung und Verpackung. Er fasst den Energieverbrauch zusammen, der während des Durchlaufs des Produkts durch die verschiedenen Stationen anfällt, und berechnet anhand von Informationen zur Kohlenstoffintensität den CO₂-Fußabdruck des Produkts.

Der Prozessor erfasst zudem Maß- und Qualitätsdaten am Ende der Fertigungslinie für einen digitalen Batteriepass. Zusammen bilden diese Datensätze den digitalen Produktpass für das einzelne hergestellte Produkt.

Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu Ansätzen, bei denen Nachhaltigkeitsinformationen erst nach der Fertigung separat erfasst werden. Hier kann der DPP zu einem Ergebnis des Produktionsprozesses selbst werden.

Ein Produktpass für jedes produzierte Produkt

Die resultierenden Pässe werden als OPC-UA-Informationsmodelle in einer selbst gehosteten UA-Cloud-Bibliothek veröffentlicht.

Die Bibliothek bietet Speicherplatz, Versionsverwaltung sowie Such- und Abrufmöglichkeiten. Kunden, Recyclingunternehmen, Aufsichtsbehörden oder andere autorisierte Anwendungen können die Informationen über eine REST-API abrufen. Das DPP-Repository kann auch auf der herstellereigenen Infrastruktur verbleiben, anstatt auf einen öffentlichen Cloud-Dienst angewiesen zu sein.

Einfach ausgedrückt verbindet die Architektur drei bisher getrennte Welten: die Maschine, die das Produkt herstellt, die Software, die dessen Produktinformationen berechnet, und das System, das den Digital Product Passport zur Verfügung stellt.

Grundlage sind die neuen europäischen DPP-Standards

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Im Juli 2026 veröffentlichte die Europäische Kommission Verweise auf sechs harmonisierte europäische Normen zur Unterstützung digitaler Produktpässe im Rahmen der Verordnung über die umweltgerechte Gestaltung nachhaltiger Produkte.

Dazu gehören die Norm EN 18222:2026 für APIs, die das DPP-Lebenszyklusmanagement und die Durchsuchbarkeit abdecken, sowie die Norm EN 18223:2026 für die Systeminteroperabilität.

Die OPC Foundation hat zudem eine Zusammenarbeit mit CEN/CENELEC JTC 24 aufgebaut, der Gruppe, die am europäischen Rahmenwerk für den Digitalen Produktpass arbeitet. Ziel ist es, standardisierte DPP-Schnittstellen und Informationsmodelle mit OPC UA-basierten industriellen Systemen zu verbinden.

Dadurch ist das Projekt besonders relevant für Hersteller, die bereits OPC UA einsetzen und bestehende OT-Daten mit zukünftigen DPP-Anforderungen verknüpfen möchten, anstatt eine separate Dateninfrastruktur aufzubauen.

Open Source für Edge- und Cloud-Umgebungen

Die vollständige „Cloud Initiative Reference Solution“ besteht aus Open-Source-Komponenten und ist über GitHub unter einer MIT-Lizenz verfügbar. Laut Projektdokumentation lässt sich der gesamte Stack sogar auf einem Industrie-PC betreiben, der weniger als 300 US-Dollar kostet. Dieselbe Architektur kann auch in größeren Edge- und Cloud-Umgebungen eingesetzt werden.

Für die Referenzsoftware selbst fallen keine Abonnement- oder Nachrichtengebühren an. Die Unternehmen sind weiterhin für Hardware, Betrieb, Wartung, Sicherheit und Integration verantwortlich.

Die OPC Foundation beschreibt die aktuelle Konfiguration ausdrücklich als Referenzimplementierung und nicht als produktionsreifes System. Die Dokumentation enthält eine detaillierte STRIDE-Sicherheitsanalyse und empfiehlt vor dem produktiven Einsatz zusätzliche Maßnahmen wie individuelle Dienstzugangsdaten, vertrauenswürdige TLS-Zertifikate, eingeschränkten Netzwerkzugang und gehärtete Kubernetes-Bereitstellungen.

Warum das für Wireless IoT relevant ist

Für Wireless IoT beantwortet die Entwicklung eine zunehmend wichtige Frage: Was passiert mit den Daten, nachdem ein Produkt, Bauteil oder Asset identifiziert und seine Herstellungshistorie erfasst wurde?

RFID, NFC, QR-Codes und andere Datenträger können den Zugriff auf einen Digitalen Produktpass ermöglichen. Der Datenträger selbst erzeugt den Produktpass jedoch nicht. Die zugrunde liegenden Produktinformationen müssen zunächst erfasst, strukturiert, gepflegt und verfügbar gemacht werden.

Genau diese Backend-Ebene adressiert die Referenzimplementierung der OPC Foundation. Sie zeigt, wie reale Industriedaten aus Maschinen und IoT-Systemen in einen standardisierten, produktspezifischen digitalen Datensatz überführt werden können, der anschließend über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg abrufbar ist.

Für Hersteller, Systemintegratoren und IoT-Lösungsanbieter entsteht damit eine direkte Verbindung zwischen industrieller Konnektivität, semantischen Datenmodellen und der entstehenden europäischen Infrastruktur für Digitale Produktpässe.

DPP-Referenzlösung selbst testen und erweitern

Die vollständige Referenzlösung der OPC Foundation Cloud Initiative ist auf GitHub verfügbar. Hersteller, Systemintegratoren und Entwickler können damit die Architektur erkunden, OPC-UA- und Nicht-OPC-UA-Geräte verbinden, Produktionsdaten verarbeiten, produktspezifische Informationen zum CO₂-Fußabdruck und zum Batteriepass generieren, digitale Produktpässe in der UA Cloud Library speichern, APIs und Dashboards testen sowie die Open-Source-Komponenten an ihre eigene industrielle Umgebung anpassen.

Das Repository enthält außerdem Schritt-für-Schritt-Anleitungen für das Onboarding von Geräten, Datenabfragen, Grafana-Dashboards, OEE-Berechnungen, OPC-UA-Informationsmodelle, Command-and-Control-Workflows sowie die Entwicklung benutzerdefinierter Anwendungen.

Entdecken Sie die Architektur, die Tutorials und den Quellcode auf GitHub und erstellen Sie Ihre eigene DPP-Testumgebung. Weiterlesen: Referenzlösung der OPC Foundation Cloud Initiative auf GitHub.


Kontakt- und Firmeninformationen

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OPC Foundation
Kontakt:
Stefan Hoppe