Wie erreicht ein BLE-Chip einen Satelliten in 550 Kilometern Höhe?
Seraphim Space Investment Trust investiert 30 Millionen US-Dollar in Hubble Network, das Satellitenkonnektivität für Geräte mit Bluetooth-Low-Energy-Funktechnik entwickelt. Damit rückt eine technische Frage in den Mittelpunkt: Wie kann ein 2,4-GHz-Funkmodul mit kurzer Reichweite einen Satelliten im niedrigen Erdorbit erreichen?
30 Millionen US-Dollar für satellitengestütztes BLE
Am 18. August 2026 gab der in London börsennotierte Seraphim Space Investment Trust, eine britische Investmentgesellschaft mit Fokus auf SpaceTech, eine Investition von 30 Millionen US-Dollar, rund 22,2 Millionen britische Pfund, in Hubble Network bekannt. Das US-Unternehmen mit Sitz in Seattle, Washington, entwickelt ein satellitengestütztes Netzwerk für IoT-Geräte mit BLE-Funktechnik.
Nach Angaben von Seraphim verfügt Hubble derzeit über sieben Satelliten im Orbit sowie ein terrestrisches Netzwerk mit mehr als 100 Millionen Zugangspunkten. Zu den Zielanwendungen gehören Asset Tracking, Logistik, Lieferketten und industrielle Überwachung.
Wie erreicht ein BLE-Funkmodul einen Satelliten in 550 Kilometern Höhe?
Eine konventionelle BLE-Verbindung kann die rund 550 Kilometer zwischen einem IoT-Gerät am Boden und einem Satelliten im niedrigen Erdorbit nicht überbrücken.
Hubble nutzt stattdessen das bereits in kompatiblen BLE-Chipsätzen integrierte 2,4-GHz-Funkmodul. Während eines vorhergesagten Satellitenüberflugs verlässt das Gerät vorübergehend den normalen BLE-Betrieb und sendet über Hubbles proprietäres Satellitenprotokoll mit einer Datenrate von rund 125 bit/s. Nach dem Überflug kann das Gerät wieder zur normalen BLE-Kommunikation zurückkehren.
Entscheidend ist: Bluetooth selbst arbeitet nicht über eine Distanz von 550 Kilometern. Hubble nutzt dieselbe 2,4-GHz-Funkhardware mit einem anderen, für sehr kleine IoT-Datenpakete und große Distanzen optimierten Protokoll.
Die Verbindung ins All stellt höhere Anforderungen
Der Satelliten-Uplink stellt deutlich höhere Anforderungen an Sendeleistung und Antennendesign als eine konventionelle BLE-Verbindung. Hubble spezifiziert für das aktuelle Satellitensystem eine abgestrahlte Sendeleistung von mindestens +20 dBm. BLE-Chipsätze mit geringerer Ausgangsleistung können deshalb ein Front-End-Modul oder einen zusätzlichen Leistungsverstärker benötigen.
Hubble empfiehlt außerdem einen Antennenwirkungsgrad von mindestens 40 Prozent. Das bedeutet praktisch, dass ein wesentlicher Teil der an die Antenne abgegebenen HF-Leistung tatsächlich abgestrahlt werden muss und nicht im Antennensystem verloren gehen darf.
Antennenausrichtung, umgebende Materialien und Einbausituation beeinflussen daher direkt, ob der Satellit die Übertragung empfangen kann. Es handelt sich nicht um eine konventionelle BLE-Verbindung über 550 Kilometer, sondern um einen speziellen Direct-to-Satellite-IoT-Uplink, der BLE-kompatible 2,4-GHz-Funkhardware nutzt.
Das Gerät wartet auf den Satelliten
Das Hubble Device SDK nutzt Orbitdaten, um zu berechnen, wann ein Satellit das Gerät überfliegt. Das Gerät kann dadurch gezielt für ein vorhergesagtes Übertragungsfenster aktiviert werden, anstatt kontinuierlich zu senden.
Ein Satellitenüberflug dauert typischerweise drei bis fünf Minuten. Hubble geht derzeit von mindestens einer Übertragungsmöglichkeit pro Tag aus. Datenpakete können während des Überflugs mehrfach gesendet werden, um die Empfangswahrscheinlichkeit zu erhöhen.
Kleine Datenpakete statt Breitbandkommunikation
Die Satellitenverbindung ist für kleine IoT-Nachrichten ausgelegt. Hubble unterstützt derzeit Nutzdaten von 0, 4, 9 oder 13 Byte.
Die Kommunikation erfolgt unidirektional vom Gerät zum Satelliten. Laut Hubble werden die Daten typischerweise innerhalb von sechs Stunden Ende-zu-Ende zugestellt. Geeignet sind damit beispielsweise Statusinformationen, Sensorwerte oder periodische Asset-Ereignisse, nicht jedoch kontinuierliche Echtzeitkommunikation.
Terrestrisches BLE dort, wo Infrastruktur vorhanden ist
Dasselbe Gerät kann zusätzlich Hubbles terrestrisches Netzwerk nutzen. In diesem Betriebsmodus sendet es Standard-BLE-Advertisements aus.
Teilnehmende Smartphones oder dedizierte Gateways in der Umgebung können diese Signale erfassen und die Ereignisse an das Hubble-Backend weiterleiten. Der Scanner ergänzt dabei unter anderem seinen eigenen Standort, Zeitstempel und Signalinformationen. Nach Angaben von Hubble umfasst dieses terrestrische Netzwerk mehr als 100 Millionen Zugangspunkte.
Use Case: Einen Container über unterschiedliche Netze verfolgen
Ein Transportcontainer zeigt, warum die Kombination beider Kommunikationswege interessant sein kann.
In einem Lager, Logistikzentrum oder beim Kunden kann das BLE-Gerät von terrestrischen Scannern erkannt werden. Während einer Seepassage oder an einem abgelegenen Standort ohne entsprechende Infrastruktur kann dasselbe Funkmodul eine kleine Statusmeldung über das Hubble-Satellitennetz übertragen.
Damit könnte ein einziges Low-Power-Gerät unterschiedliche Abschnitte einer Logistikkette abdecken, ohne dass zusätzlich ein eigenes Mobilfunk- und Satellitenmodem erforderlich ist.
Die Einschränkungen bleiben relevant: Satellitennachrichten sind sehr klein, Übertragungsfenster begrenzt, die erforderliche HF-Sendeleistung ist höher und die Satellitenverbindung bietet keine Echtzeitkommunikation.
Hubble beschreibt seinen Satellitendienst derzeit als begrenzt verfügbar. Für 2026 wird Satellitenabdeckung für Nordamerika angegeben.
Die Investition von 30 Millionen US-Dollar durch Seraphim stellt Hubble zusätzliches Kapital für die Weiterentwicklung dieser Architektur zur Verfügung. Für den Wireless-IoT-Markt ist vor allem die Frage entscheidend, ob kostengünstige BLE-Funkhardware künftig sowohl für terrestrisches Tracking als auch für Direct-to-Satellite-IoT-Konnektivität eingesetzt werden kann.