Europäische Kommission startet DPP-Register und Testumgebung
Die Europäische Kommission hat das EU-Register für digitale Produktpässe (EU Digital Product Passport Registry) zusammen mit einer Testumgebung, technischen Leitlinien und einem Helpdesk ins Leben gerufen. Die Infrastruktur indexiert DPP-Identifikatoren und Metadaten, während die detaillierten Produktdaten dezentral gespeichert bleiben.
Zentraler Index anstelle eines Produktdaten-Repositorys
Das DPP-Register dient als Indexierungsdienst auf EU-Ebene für digitale Produktpässe, die mit auf dem europäischen Markt in Verkehr gebrachten Produkten verbunden sind. Es speichert eindeutige Identifikatoren, Registrierungsinformationen und übergeordnete Metadaten, jedoch nicht die vollständigen technischen Daten, Nachhaltigkeitsdaten oder Konformitätsdaten, die in jedem Pass enthalten sind.
Die detaillierten DPP-Daten unterliegen weiterhin der Verantwortung des jeweiligen Wirtschaftsakteurs. Unternehmen können die Informationen in ihrer eigenen Infrastruktur hosten oder einen autorisierten DPP-Dienstleister nutzen. Der Eintrag im Register verweist über die eindeutige Kennung des Produkts auf diese dezentral gespeicherten Daten.
Der Leitfaden der Europäischen Kommission bestätigt diese architektonische Trennung. Das Register enthält die Informationen, die zur Identifizierung und zum Zugriff auf einen Pass erforderlich sind, während der Wirtschaftsteilnehmer für die Verfügbarkeit, Richtigkeit und Pflege der vollständigen DPP-Daten während des gesamten Produktlebenszyklus verantwortlich bleibt.
Infrastruktur für die Einhaltung der Vorschriften und die Marktüberwachung
Bevor ein Produkt, das den einschlägigen DPP-Rechtsvorschriften unterliegt, auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden kann, muss der verantwortliche Wirtschaftsakteur seinen Pass gemäß den geltenden rechtlichen und technischen Anforderungen registrieren.
Das Register ist zudem darauf ausgelegt, Durchsetzungsprozesse zu unterstützen. Zollbehörden können überprüfen, ob importierte Produkte über einen gültig registrierten DPP verfügen und ob der erforderliche Warencode angegeben wurde. Marktüberwachungsbehörden erhalten für definierte Compliance-Zwecke Zugriff auf registrierte Pässe.
Eine technische Komponente mit Datenmodellen, Strukturen und semantischen Definitionen wird die harmonisierte Verarbeitung von DPP-Datenpunkten im gesamten Register unterstützen.
Vor der DPP-Registrierung erforderliche Überprüfung
Wirtschaftsteilnehmer greifen über EU Login auf das Register zu. Bevor eine Organisation Pässe registrieren oder verwalten kann, muss sie einen Registrierungs- und Verifizierungsprozess durchlaufen. Nur verifizierte Wirtschaftsteilnehmer sind berechtigt, DPP-Registrierungen vorzunehmen.
Die Verifizierung umfasst eine PDF-Erklärung, die von der Europäischen Kommission erstellt und versiegelt wird. Juristische Personen müssen ein qualifiziertes elektronisches Siegel verwenden, während natürliche Personen, die als Einzelunternehmer auftreten, eine qualifizierte elektronische Signatur nutzen müssen. Beides muss von einem qualifizierten Vertrauensdienstleister bereitgestellt werden.
Nach der Verifizierung wird der Antragsteller zum Administrator der registrierten Organisation. DPPs können dann über ein Online-Formular für einen einzelnen Pass oder per Datei-Upload für Einzel- und Sammelregistrierungen eingereicht werden.
Für jede Registrierung ist eine eindeutige Produktkennung (Unique Product Identifier, UPI) erforderlich. Gemäß dem Leitfaden muss die UPI ein URL-Format verwenden, das den einschlägigen CEN/CENELEC-JTC-24-Normen entspricht und auf den Ort verweist, an dem der Wirtschaftsteilnehmer die Passdaten hostet.
Testumgebung verfügbar, Produktmodelle noch in der Entwicklung
Eine separate Testumgebung ermöglicht es Unternehmen und Technologieanbietern, die Funktionen und Arbeitsabläufe des Registers zu prüfen, ohne Produktionsdaten zu beeinträchtigen. Die Kommission stellt außerdem technische Dokumentation, Implementierungsleitfäden, Webinare und einen eigenen Helpdesk zur Verfügung. Für die Testumgebung ist ein separates EU-Login-Konto erforderlich.
Der aktuelle Benutzerleitfaden für Wirtschaftsakteure ist in der Version 1.01 vom 28. Juli 2026 veröffentlicht. Er behandelt die Registrierung von Organisationen, die Überprüfung sowie die Registrierung und Verwaltung digitaler Produktpässe.
Die Verfügbarkeit des Registers bedeutet jedoch nicht, dass alle produktspezifischen Registrierungsprozesse abgeschlossen sind. Im Leitfaden wird darauf hingewiesen, dass eine erfolgreiche Registrierung von Batteriepässen noch nicht möglich ist, da der erforderliche semantische Katalog noch nicht definiert wurde. Batterien sind derzeit die erste vorab ausgewählte Produktgruppe im Registrierungsworkflow.
Klare Architektur für DPP-Implementierungsprojekte
Für Systemintegratoren und Anbieter von DPP-Lösungen stellt die Einführung eine wichtige technische Grenze dar. Das zentrale Register verwaltet die Verifizierung, Identifikatoren und Registrierungsmetadaten, während das Hosting der Pässe, die Datenpflege und produktspezifische Inhalte dezentral bleiben.
Implementierungsprojekte müssen daher die Überprüfung der Organisationen, qualifizierte elektronische Zertifikate, die Identifikationsverwaltung, das auflösbare DPP-Hosting und zukünftige produktspezifische semantische Modelle koordinieren. Wirtschaftsakteure sollten zudem die Registrierungsabläufe testen und die Zuständigkeiten für die Datenverfügbarkeit und Aktualisierungen während des Lebenszyklus klären, bevor die verbindlichen Produktanforderungen in Kraft treten.
Weitere Informationen finden Sie unter: Europäische Kommission: Das DPP-Register und der DPP-Register-Leitfaden für Wirtschaftsakteure
Bereiten Sie Ihre DPP-Architektur, Produktidentifikation oder Registerintegration vor? Kontaktieren Sie Think WIoT und nehmen Sie Kontakt zu erfahrenen DPP-Technologie- und Implementierungspartnern auf.