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Digitaler Produktpass: Zwei neue EU-Normen für Datensicherheit und Zugriffsrechte

  • Überarbeitet: 26. Oktober 2026
  • Lesezeit: 4 min
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Mit DIN EN 18239 und DIN EN 18246 erhält der Digitale Produktpass zwei weitere wichtige technische Standards. Sie regeln, wer auf sensible Produktinformationen zugreifen darf und wie die Echtheit und Integrität ausgetauschter Daten sichergestellt werden. Für Hersteller, Zulieferer und Technologieanbieter schaffen die Normen zusätzliche Grundlagen für einen sicheren und interoperablen Datenaustausch entlang der Wertschöpfungskette.

Der Digitale Produktpass (Digital Product Passport, DPP) soll künftig Informationen über Produkte, Materialien und deren Lebenszyklus über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg zugänglich machen. Damit diese Daten zuverlässig genutzt werden können, müssen die beteiligten Systeme nicht nur miteinander kommunizieren, sondern auch sensible Informationen schützen und deren Vertrauenswürdigkeit gewährleisten.

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) hat am 23. Oktober 2026 auf die Veröffentlichung von zwei weiteren europäischen Normen hingewiesen: DIN EN 18239 zum Management von Zugriffsrechten, IT-Sicherheit und Geschäftsgeheimnissen sowie DIN EN 18246 zur Datenauthentifizierung, Zuverlässigkeit und Integrität.

Die europäischen Normen wurden bereits im September verfügbar gemacht; die deutschen Fassungen sind mit Ausgabedatum November 2026 gelistet.

DIN EN 18239: Kontrollierter Zugriff auf sensible Produktdaten

Nicht jede Information in einem Digitalen Produktpass ist für alle Beteiligten bestimmt. Während Verbraucher beispielsweise Zugang zu Informationen über Materialien, Reparaturmöglichkeiten oder Recycling erhalten können, benötigen Hersteller, Zulieferer und Behörden unterschiedliche Zugriffsrechte.

Die Norm DIN EN 18239 behandelt das Management dieser Berechtigungen sowie die Sicherheit der zugrunde liegenden Informationssysteme. Ein Bestandteil ist das Identitätsmanagement, mit dem Organisationen, Personen, Maschinen und digitale Dienste eindeutig identifiziert werden können.

Darauf aufbauend lassen sich Zugriffsrechte für eingeschränkte Produktinformationen verwalten. So können Unternehmen den Austausch relevanter Daten ermöglichen, ohne vertrauliche Geschäfts- und Produktionsinformationen grundsätzlich offenzulegen.

Für industrielle Lieferketten ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Ein Zulieferer muss möglicherweise Angaben zu einem Material oder Bauteil bereitstellen, während detaillierte Fertigungsprozesse, technische Spezifikationen oder andere Geschäftsgeheimnisse geschützt bleiben sollen.

DIN EN 18246: Vertrauen in die Echtheit und Integrität der Daten

Die zweite Norm, DIN EN 18246, beschäftigt sich mit der Authentizität, Zuverlässigkeit und Integrität der Informationen im Digitalen Produktpass.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich beim Austausch von Produktdaten sicherstellen lässt, dass Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen stammen und nicht unbemerkt verändert wurden.

Dies betrifft beispielsweise Angaben zur Materialzusammensetzung, zu Produkteigenschaften oder zu Informationen, die während des Produktlebenszyklus ergänzt werden.

Die Norm definiert Anforderungen an die sichere Informationsverarbeitung und Kommunikation. Damit unterstützt sie den Aufbau von DPP-Systemen, in denen Informationen zwischen Herstellern, Dienstleistern, Plattformen und weiteren Beteiligten vertrauenswürdig ausgetauscht werden können.

Bedeutung für industrielle Identifikation und vernetzte Produktionssysteme

Der Digitale Produktpass verbindet die physische Produktwelt mit digitalen Informationen. Technologien wie QR-Codes, RFID und andere automatische Identifikationsverfahren können dabei als Zugang zu den entsprechenden Datensätzen dienen.

Ein Datenträger am Produkt ermöglicht beispielsweise die Identifikation eines Bauteils oder die Zuordnung zu einem digitalen Datensatz. Welche Informationen anschließend verfügbar sind und wie deren Vertrauenswürdigkeit überprüft wird, hängt jedoch von den dahinterliegenden Informationssystemen ab.

Die neuen Normen ergänzen deshalb die bestehenden technischen Standards für Identifikatoren, Datenträger, Schnittstellen und Systeminteroperabilität.

Für Unternehmen aus Maschinenbau, Automotive, Elektronik und industrieller Fertigung ist das insbesondere bei unternehmensübergreifenden Datenflüssen relevant. Produktinformationen entstehen häufig bei unterschiedlichen Partnern und werden über mehrere Systeme hinweg genutzt. Einheitliche Anforderungen an Berechtigungen und Datensicherheit erleichtern es, entsprechende DPP-Architekturen zu entwickeln.

Europäische Normenreihe für den Digitalen Produktpass wächst auf acht Standards

Bereits im Sommer 2026 wurden sechs europäische Normen veröffentlicht, die zentrale technische Funktionen des Digitalen Produktpasses abdecken. Dazu gehören eindeutige Identifikatoren, Datenträger, Datenaustauschprotokolle, Datenspeicherung, Programmierschnittstellen und die Interoperabilität zwischen Systemen.

News

CEN-CENELEC veröffentlicht sechs Standards für den EU-DPP

Sechs EN-18xxx-Standards definieren Identifikatoren, Datenträger, APIs, Speicherung und Interoperabilität für den Digitalen Produktpass.

Mit EN 18239 und EN 18246 umfasst die europäische DPP-Normenreihe nun acht Standards. Die ersten sechs wurden im Juli 2026 im Amtsblatt der Europäischen Union referenziert. Für die beiden neuen Normen steht diese formale Aufnahme noch aus.

Die Normen unterstützen die technische Umsetzung des Digitalen Produktpasses im Rahmen der europäischen Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR). Welche Produkte zu welchen Zeitpunkten einen Digitalen Produktpass benötigen, wird durch die jeweils geltenden europäischen Vorschriften konkretisiert.

Mit den neuen Standards werden insbesondere zwei Voraussetzungen für die industrielle Nutzung präzisiert: der kontrollierte Zugang zu Produktinformationen und die Absicherung ihrer Vertrauenswürdigkeit.

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Anja Van Bocxlaer