Angers schreibt RFID-Modernisierung seiner Bibliotheken für 475.000 Euro aus
Mit mehr als zehn Jahren RFID-Erfahrung modernisiert die französische Stadt ihre Bibliotheksautomatisierung. Gleichzeitig wird die zentrale Bibliothèque Toussaint für ihre Wiedereröffnung im Jahr 2028 umfassend umgestaltet.
Die Stadt Angers im Westen Frankreichs, in der Region Pays de la Loire, hat eine öffentliche Ausschreibung für die Lieferung, Installation und Wartung von HF-RFID-Technik in ihrem städtischen Bibliotheksnetz veröffentlicht. Der Rahmenvertrag mit einer Laufzeit von bis zu vier Jahren hat einen geschätzten Wert von 410.000 Euro und ein maximales Auftragsvolumen von 475.000 Euro ohne Mehrwertsteuer. Anbieter können ihre Angebote bis zum 20. Oktober 2026 einreichen.
Die Ausschreibung fällt in eine Phase umfassender Modernisierung: Die zentrale Bibliothèque Toussaint wird derzeit grundlegend umgebaut und soll 2028 wiedereröffnet werden. Das Projekt erweitert die historische Bibliothek um neue öffentliche Bereiche, verbessert die Barrierefreiheit und schafft unter anderem einen Kinderbereich sowie eine eigene Ludothek.
Die RFID-Ausschreibung betrifft das gesamte städtische Bibliotheksnetz und nicht ausschließlich den Umbau der Bibliothèque Toussaint. Beide Vorhaben zeigen jedoch, dass die Modernisierung von Bibliotheken neben Gebäuden und Aufenthaltsbereichen auch die technische Infrastruktur für den täglichen Betrieb umfasst.
Mehr als zehn Jahre Erfahrung mit RFID
Für Angers ist RFID keine neue Technologie. Bereits 2013 vergab die Stadt einen Auftrag für die Lieferung und Wartung von RFID-Systemen an den niederländischen Technologieanbieter Nedap. Das Bibliotheksnetz umfasste damals eine Zentralbibliothek, acht Stadtteilbibliotheken und einen Bestand von rund 420.000 Medien.
Die neue Ausschreibung baut damit auf mehr als einem Jahrzehnt praktischer Erfahrung mit RFID im Bibliotheksbetrieb auf. Sie bietet die Möglichkeit, die vorhandene Infrastruktur zu modernisieren, neue Geräte einzuführen und automatisierte Dienstleistungen im gesamten Bibliotheksnetz weiterzuentwickeln.
Auf Grundlage ihrer langjährigen RFID-Erfahrung kann die Stadt die Ausleihe und Rückgabe von Medien, die Bestandsverwaltung und die Mediensicherung weiter optimieren und zusätzliche automatisierte Dienstleistungen integrieren.
HF RFID für Selbstverbuchung, Mediensicherung und Bestandsverwaltung
Der neue Auftrag umfasst RFID-basierte Mediensicherung, Identifikationstechnik, Verbrauchsmaterialien und Systeme zur Besucherzählung. Zu den technischen Anforderungen gehören HF-RFID-Tags mit 13,56 MHz, RFID-Lesegeräte für Bibliotheksarbeitsplätze, Selbstverbuchungsterminals, Sicherungsportale und mobile Lesegeräte für die Inventur.
HF RFID ermöglicht die gleichzeitige Identifikation mehrerer Medien, ohne dass die einzelnen Etiketten sichtbar sein müssen. An Selbstverbuchungsterminals legen Besucher mehrere Bücher auf eine RFID-Lesefläche. Das System erfasst die Medien in einem einzigen Vorgang, anstatt jeden Barcode einzeln zu scannen.
Dieselben RFID-Tags unterstützen die automatisierte Rückgabe, Bestandskontrollen und die elektronische Artikelsicherung (Electronic Article Surveillance, EAS). Mobile Lesegeräte erfassen gekennzeichnete Medien direkt im Bücherregal, während RFID-Sicherungsportale Medien erkennen, deren Ausleihstatus nicht ordnungsgemäß freigegeben wurde.
Eine weitere Anforderung betrifft eine automatisierte Außenrückgabe an der Bibliothèque Toussaint. Die Anlage soll zurückgegebene Medien mittels RFID identifizieren und eine Kapazität von mindestens 600 Medien bieten.
Die RFID-Infrastruktur muss außerdem in die Softwareumgebungen V-Smart und Iguana von Axiell integriert werden. Dadurch werden die physische Medienerfassung, die Ausleihverwaltung und die digitalen Bibliotheksdienste miteinander verbunden.
RFID als Bestandteil der Bibliothèque Toussaint von morgen
Mit der Modernisierung der Bibliothèque Toussaint entsteht ein vielseitigerer und barriereärmerer Kultur- und Begegnungsort. Ein neuer Gebäudeflügel schafft rund 1.600 Quadratmeter zusätzliche Fläche. Die renovierten historischen Gebäudeteile werden unter anderem Sammlungen des kulturellen Erbes und Ausstellungsbereiche beherbergen.
Nach der für 2028 geplanten Wiedereröffnung sollen klassische Bibliotheksbestände, kulturelle Veranstaltungen, Lernbereiche und neue Besucherdienstleistungen unter einem Dach zusammenkommen.
In diesem Umfeld bildet RFID eine technische Grundlage für die automatisierte Ausleihe und Rückgabe, die Bestandsverwaltung und die Mediensicherung. Selbstverbuchungsterminals vereinfachen die Medienausleihe und -rückgabe für Besucher. Gleichzeitig reduzieren automatisierte Identifikations- und Inventurprozesse wiederkehrende manuelle Tätigkeiten des Bibliothekspersonals.
Für Angers besteht der nächste Schritt darin, die bestehende RFID-Erfahrung mit moderner Hardware, interoperabler Software und langfristig wartbaren Systemen zu verbinden, die den Betrieb des gesamten Bibliotheksnetzes in den kommenden Jahren unterstützen.
Der laufende Umbau und die neue RFID-Ausschreibung sind zwei eigenständige, öffentlich dokumentierte Projekte. Gemeinsam verdeutlichen sie die bauliche und technologische Weiterentwicklung der städtischen Bibliotheksinfrastruktur.
Vierjähriger RFID-Auftrag für Technologieanbieter
Die Beschaffung erfolgt im Rahmen eines einzigen Rahmenvertrags mit einer Laufzeit von bis zu vier Jahren. Dieser umfasst die Lieferung der Geräte, deren Installation und Integration sowie Wartungsleistungen.
Die Angebote werden anhand folgender Kriterien bewertet: Preis (55 Prozent), technische Qualität (25 Prozent), Umweltkriterien (10 Prozent) und IT-Sicherheit (10 Prozent).
Die Angebotsfrist endet am 20. Oktober 2026. Die Ausschreibung trägt die Referenz V26DCPCHRFID und wurde unter der französischen Bekanntmachungsnummer 26-88223 veröffentlicht.
Für RFID-Hersteller und Systemintegratoren bietet das Projekt die Möglichkeit, an der technologischen Modernisierung eines etablierten städtischen Bibliotheksnetzes mitzuwirken.
Die vollständigen Ausschreibungsinformationen sind in der offiziellen französischen Vergabebekanntmachung (BOAMP Nr. 26-88223) verfügbar. Weitere Informationen zum Modernisierungsprojekt der Bibliothèque Toussaint stellt die Stadt Angers bereit.