AKN schreibt UHF-RFID-Fahrzeugerkennung für die S-Bahn Hamburg aus
28 RFID-Lesegeräte sollen Züge automatisch identifizieren und ihre Fahrzeugkennungen für die Bahninfrastruktur bereitstellen. Die Ausschreibung umfasst außerdem die Erweiterung der videobasierten Zugabfertigung auf der künftigen S5 zwischen Hamburg und Kaltenkirchen.
Die AKN Eisenbahn GmbH hat eine öffentliche Ausschreibung für die technische Ausstattung von sieben Bahnhöfen entlang der künftigen S-Bahn-Linie S5 veröffentlicht. Vorgesehen sind 28 UHF-RFID-Lesegeräte zur automatischen Identifikation von Schienenfahrzeugen sowie zusätzliche Kameras, Netzwerkkomponenten und Technik für die Zugabfertigung. Die Angebotsfrist endet am 2. November 2026.
Der Auftrag ist Bestandteil der technischen Vorbereitung des S-Bahn-Betriebs zwischen Hamburg und Kaltenkirchen. Die RFID-Technologie ermöglicht es, ankommende Fahrzeuge berührungslos zu erkennen und ihre Kennungen an angeschlossene Systeme zu übertragen.
Automatische Zugerkennung mit UHF RFID
Für die Fahrzeugidentifikation schreibt die AKN UHF RFID nach ISO/IEC 18000-63 (EPC Gen2) vor. Stationäre Lesegeräte erfassen die Kennung eines RFID-Transponders am Schienenfahrzeug, sobald dieser ihren Erfassungsbereich erreicht. Eine direkte Sichtverbindung zwischen Reader und Transponder ist dafür nicht erforderlich.
Die AKN plant jeweils vier RFID-Lesegeräte an sieben Bahnhöfen. Die Erfassung konzentriert sich damit auf die Stationsbereiche, in denen die Züge halten und abgefertigt werden.
Die automatisch erfassten Fahrzeugkennungen lassen sich zur Identifikation eines Zuges und zur Zuordnung betrieblicher Informationen nutzen. Auch die Auswahl fahrzeugbezogener Systemfunktionen ist ein möglicher Anwendungsfall.
Industrielle RFID-Technik für den Bahnbetrieb
Das Leistungsverzeichnis fordert kompakte UHF-RFID-Reader mit integrierter Antenne und einer theoretischen Lesereichweite von mindestens vier Metern. Als Referenzprodukt nennt die AKN den FEIG ID MRU400iX oder ein gleichwertiges Gerät.
Die Hardware muss für den dauerhaften Außeneinsatz geeignet sein. Zu den Anforderungen gehören die Schutzarten IP65 und IP67, ein Betriebstemperaturbereich von −40 °C bis über +60 °C und die Stromversorgung über Power over Ethernet Plus (PoE+).
Die RFID-Lesegeräte werden an Masten aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) installiert und über Ethernet in die vorhandene Netzwerkinfrastruktur eingebunden. Für die verschlüsselte Übertragung der Fahrzeugkennungen müssen sie eine Kommunikationsschnittstelle von Funkwerk unterstützen. Das deutsche Unternehmen entwickelt Kommunikations-, Informations- und Sicherheitssysteme für den Schienenverkehr.
Weitere Anforderungen betreffen die elektromagnetische Verträglichkeit, Netzwerkintegration und Cybersicherheit.
Videobasierte Zugabfertigung mit SAT
Neben der RFID-Fahrzeugidentifikation umfasst die Ausschreibung die Erweiterung eines Systems zur Selbstabfertigung durch den Triebfahrzeugführer (SAT).
Bei diesem Verfahren überwacht der Fahrer den Fahrgastwechsel und übernimmt selbst die Abfertigung des Zuges. Bahnsteigkameras erfassen dabei auch Türen und Bereiche, die vom Führerstand aus nicht direkt einsehbar sind. Die Kamerabilder werden je nach SAT-System auf Monitoren im Führerstand oder am Bahnsteig angezeigt.
Die AKN schreibt dafür zusätzliche Kamerastandorte, ein Video-Management-System sowie die erforderliche Netzwerk- und Stromversorgungstechnik aus.
Die RFID-Fahrzeugidentifikation könnte dabei eine wichtige Funktion übernehmen: Sie ermöglicht es, einen einfahrenden Zug automatisch zu erkennen und seine Kennung an die technische Infrastruktur zu übertragen. Diese Information kann grundsätzlich genutzt werden, um einem Fahrzeug die passenden Kamerabilder oder andere Systemfunktionen zuzuordnen.
Ob die AKN die RFID-Kennungen tatsächlich für die automatische Auswahl der SAT-Kamerabilder oder für weitere betriebliche Anwendungen nutzt, ist in den bisher ausgewerteten Vergabeunterlagen nicht ausdrücklich beschrieben.
Technische Ausstattung für die künftige S5
Die Ausschreibung ist Teil des umfassenden S5-Infrastrukturprojekts, mit dem die rund 30 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Hamburg-Eidelstedt und Kaltenkirchen für den elektrischen S-Bahn-Betrieb ausgebaut wird. Neben Oberleitungen, Bahnsteiganpassungen sowie Gleis- und Stellwerksarbeiten umfasst das Gesamtprojekt auch die Modernisierung der technischen Bahnhofsinfrastruktur.
Dazu gehört die jetzt ausgeschriebene Installation und Integration von RFID-, Video- und Kommunikationstechnik. Die neuen Systeme sollen die automatische Fahrzeugidentifikation und die videounterstützte Zugabfertigung an den Bahnhöfen ermöglichen.
Die Inbetriebnahme der verlängerten S5 ist nach aktueller Planung für Dezember 2028 vorgesehen.
Öffentliche Ausschreibung bis 2. November 2026
Der Auftrag umfasst die Lieferung, Montage, Integration und Inbetriebnahme der RFID-, Video- und Kommunikationstechnik. Der geplante Ausführungszeitraum reicht vom 1. Februar 2027 bis zum 30. April 2028. Die Leistungen werden gemeinsam vergeben; ein separates RFID-Los ist nicht vorgesehen.
Die Angebotsfrist endet am 2. November 2026 um 14:00 Uhr. Die Ausschreibung trägt die Vergabenummer E-26-7000044436 und die EU-Bekanntmachungsnummer 660942-2026.
Die Ausschreibung zeigt, wie UHF RFID in der modernen Bahninfrastruktur eingesetzt wird: Die automatische Fahrzeugidentifikation liefert Echtzeitinformationen darüber, welcher Zug sich an einer Station befindet. Durch die Integration in bestehende Kommunikations- und Betriebssysteme können diese Daten für fahrzeugbezogene Prozesse genutzt werden – von der Zuordnung technischer Informationen bis zur möglichen Unterstützung der videobasierten Zugabfertigung.
Die Ausschreibung ist in der offiziellen EU-Bekanntmachung TED 660942-2026 veröffentlicht. Die Vergabeunterlagen und elektronische Angebotsabgabe sind über die Vergabeplattform subreport ELViS erreichbar.