Warum der Digitale Produktpass noch nicht in der Fläche ankommt

Der Digitale Produktpass wird kommen. Daran lässt der Ökonom Jan Büchel im Interview keinen Zweifel. Dennoch besteht zwischen den regulatorischen Vorgaben, die ab 2027 schrittweise für einzelne Produktgruppen verbindlich werden, und der betrieblichen Vorbereitung darauf weiterhin eine Lücke.

  • Veröffentlicht: 04. August 2026
  • Lesezeit: 12 min
  • Von: Anja Van Bocxlaer
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Warum der Digitale Produktpass noch nicht in der Fläche ankommt
Anja Van Bocxlaer, Chefredakteurin von Think WIoT, im Gespräch mit Jan Büchel vom Institut der deutschen Wirtschaft über den aktuellen Stand, die Herausforderungen und das Potenzial des Digitalen Produktpasses. Quelle: Think WIoT
  • Die fehlende Konkretisierung der regulatorischen Anforderungen für verschiedene Produktgruppen verhindert breite Investitionsentscheidungen.
  • Unternehmen müssen umfangreiche organisatorische und technische Voraussetzungen schaffen, um den Digitalen Produktpass effektiv umzusetzen.
  • Kleine und mittlere Unternehmen stehen größeren Herausforderungen gegenüber als Großunternehmen hinsichtlich Datenmanagement und Ressourcen.
  • Studien von IW, DIN/DKE und KPMG zeigen ein konsistentes Bild von zögerlicher Umsetzung, hoher Unsicherheit und noch geringem Verständnis der Details.

Studien von IW-Köln, DIN/DKE und KPMG im Vergleich

Im persönlichen Interview mit Anja Van Bocxlaer erklärt Jan Büchel vom Institut der deutschen Wirtschaft, warum der Digitale Produktpass trotz feststehender Einführung noch nicht flächendeckend in den Unternehmen vorbereitet wird. Ausgehend von der gemeinsam mit Dr. Adriana Neligan veröffentlichten IW-Studie „Digitaler Produktpass: ready to go?“ spricht er offen über noch ausstehende Vorgaben, unzureichende Datenstrukturen, hohe Investitionshürden und die abwartende Haltung vieler Unternehmen.

Auf die Frage, ob Europa sich den DPP leisten könne, antwortet er dennoch: „Wir sollten uns das leisten.“ Angesichts knapper Rohstoffe, fragiler Lieferketten und geopolitischer Konfliktewerde eine stärker kreislauforientierte Wirtschaft immer wichtiger.

Zur Person

Jan Büchel ist Economist für Künstliche Intelligenz und Datenökonomie am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Seit 2020 forscht er dort unter anderem zu Digitalisierung, Datenökonomie, Data Sharing und KI. Er gehört dem Themencluster „Digitalisierung und Klimawandel“ an und untersucht dabei insbesondere die Schnittstelle zwischen digitaler und ökologischer Transformation. Gemeinsam mit Adriana Neligan veröffentlichte er 2025 den IW-Kurzbericht „Digitaler Produktpass: ready to go?“.

Unsicherheiten

Obwohl der regulatorische Rahmen inzwischen deutlich konkreter ist, stehen die endgültigen Detailanforderungen für viele Produktgruppen noch aus. Das erschwert Unternehmen die abschließende Planung größerer Investitionen. Viele Unternehmen wissen inzwischen, dass sie künftig detaillierte Produktdaten erfassen, verarbeiten und entlang der Lieferkette bereitstellen müssen, aber nur ein Teil hat bereits konkrete Projekte gestartet.

„Unternehmen und deren Management wissen, dass es den DPP gibt und dass er kommen wird, werden aber noch nicht flächendeckend aktiv“, sagt Büchel. Für den Economist für Künstliche Intelligenz und Datenökonomie ist diese Zurückhaltung nicht mit mangelndem Interesse zu erklären. Sie sei vielmehr das Ergebnis mehrerer Unsicherheiten, die sich gegenseitig verstärkten.

Die Regulierung steht, die konkreten Detailanforderungen noch nicht

Der erste Grund liegt in der Struktur der europäischen Regulierung. Der DPP ist als Instrument beschlossen, doch die konkreten Anforderungen werden schrittweise für einzelne Produktgruppen definiert.

„Regulatorisch ist noch nicht final festgelegt, was ein DPP erfüllen soll und wie er technisch umgesetzt werden muss“, erklärt Büchel.

Unternehmen wissen daher zwar, dass sie betroffen sein können, aber häufig noch nicht, welche Daten sie in welcher Tiefe erfassen, wie sie diese strukturieren und über welche technische Architektur sie sie bereitstellen müssen. Gerade diese fehlende Konkretisierung mache es für Unternehmen schwer, größere Budgets freizugeben oder sich frühzeitig auf eine bestimmte technische Lösung festzulegen.

Aus seiner Sicht erklärt das auch, weshalb die Ergebnisse der IW-Untersuchung trotz ihres Alters weiterhin relevant sind. Solange für viele Produktgruppen noch keine verbindlichen und technisch umsetzbaren Detailanforderungen vorliegen, bleibe die grundlegende Situation ähnlich: Unternehmen beobachten die Entwicklung, vermeiden aber Investitionen, die sich später als nicht kompatibel erweisen könnten.

Diese Zurückhaltung wird durch die wachsende Zahl von Plattformen, Datenräumen und DPP-Anbietern nicht automatisch aufgelöst. Unternehmen stehen zusätzlich vor der Frage, ob sie eine eigene Lösung entwickeln, bestehende Systeme erweitern oder einen externen Anbieter beauftragen sollen. Solange Datenmodelle, Schnittstellen und Interoperabilitätsanforderungen nicht vollständig feststehen, bleibt auch diese Entscheidung mit Risiken verbunden.

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Der DPP konkurriert mit anderen Investitionen

Büchel bezeichnet die IW-Erhebung als „Realitätscheck“. Aus einer gesamtwirtschaftlichen Perspektive spreche viel für den Digitalen Produktpass. Er könne Kreislaufwirtschaft ermöglichen, die Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen verbessern, Lieferketten transparenter machen und neue Geschäftsmodelle unterstützen.

Auf der Ebene eines einzelnen Unternehmens sieht die Rechnung jedoch anders aus.

„Das bedeutet Kosten und Investitionen für Unternehmen, die in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage auch durch andere Krisen unter Druck stehen“, sagt Büchel. Unternehmen müssten nicht nur Software beschaffen. Sie benötigten personelle Kapazitäten, müssten Zuständigkeiten definieren, Datenbestände bereinigen, Lieferanten einbinden und bestehende IT-Systeme miteinander verbinden.

Seine Schlussfolgerung: „Die Unternehmen priorisieren vielleicht gerade andere Aspekte, auch wenn sie den DPP schon im Hinterkopf haben.“

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen könne der Einstieg schwierig sein. Großunternehmen verfügen häufiger über zentrale Produktdatenbanken, spezialisierte IT-Abteilungen und definierte Prozesse für den Datenaustausch. Bei kleineren Unternehmen befinden sich relevante Informationen dagegen oft in verschiedenen ERP-Systemen, Tabellen, Dokumenten oder sogar im Erfahrungswissen einzelner Beschäftigter.

Büchel betont deshalb, dass der DPP aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sinnvoll sein könne, während er auf Unternehmensebene zunächst eine erhebliche Belastung darstelle.

Die eigentliche Arbeit beginnt vor dem Produktpass

Ein weiterer Grund für die langsame Umsetzung liegt darin, dass der DPP nicht mit dem Anbringen eines QR-Codes beginnt. Bevor ein Datenlink mit einem Produkt verbunden werden kann, müssen die zugrunde liegenden Informationen verfügbar, strukturiert und verlässlich sein.

Unternehmen in der Mitte einer Lieferkette sind zunächst darauf angewiesen, Daten von ihren Zulieferern zu erhalten. Anschließend müssen sie diese Informationen speichern, verarbeiten und mit den eigenen Produktionsdaten verbinden.

Büchel beschreibt die notwendige Reihenfolge sehr konkret: Die Daten müssten „umfangreich gespeichert“, anschließend „strukturiert verarbeitet“, mit den eigenen Produktionsdaten sinnvoll verknüpft und schließlich zielgerichtet genutzt werden. Erst dann könne ein Unternehmen einen Produktpass erzeugen, der ein konkretes Produkt tatsächlich vollständig beschreibt.

Die Herausforderung bestehe damit nicht nur im DPP selbst. Er macht vielmehr sichtbar, wie weit Unternehmen beim Produktdatenmanagement, bei der Standardisierung und beim Data Sharing bereits sind.

Besonders komplex werde dies bei Produkten mit vielen Komponenten. Ein Fenster kann beispielsweise Glas, Holz oder Kunststoff, Beschichtungen, Dichtungen, Beschläge und weitere Materialien enthalten. Für einen vollständigen DPP müssen die notwendigen Informationen aus verschiedenen Vorstufen zusammengeführt werden. Fehlt ein wichtiger Datensatz am Anfang der Lieferkette, können auch nachgelagerte Unternehmen ihren Produktpass nicht vollständig befüllen.

Der wirtschaftliche Nutzen ist noch nicht konkret genug

Der DPP wird häufig mit Transparenz, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft begründet. Für Unternehmen sind diese Ziele relevant. Sie führen aber nicht automatisch dazu, dass kurzfristig Investitionsmittel bereitgestellt werden.

„Sobald Unternehmen für sich merken, welche monetären Vorteile durch DPPs erzielbar sind, ändert sich die inhaltliche Einstellung“, sagt Büchel.

Solche Vorteile könnten aus niedrigeren Materialkosten, besserer Materialverfügbarkeit, effizienteren Reparaturprozessen oder neuen servicebasierten Geschäftsmodellen entstehen. Hersteller könnten Produkte länger begleiten, Wartungsdaten auswerten, Rücknahmen organisieren und Materialien am Ende des Lebenszyklus erneut nutzen.

Noch sind viele dieser Vorteile jedoch Zukunftsszenarien. Die Kosten für Datenaufbereitung, IT-Integration und Personal fallen dagegen bereits in der Vorbereitungsphase an. Diese zeitliche Verschiebung trägt dazu bei, dass Unternehmen den DPP zunächst als Compliance-Projekt und weniger als wirtschaftliches Innovationsprojekt betrachten.

Warum der DPP trotzdem wichtig ist

Das Fazit von Büchel lautet: „Wir sollten uns den DPP leisten.“ Der DPP könne die Transparenz in Lieferketten erhöhen, Rückverfolgbarkeit ermöglichen und die Grundlage dafür schaffen, Produkte länger zu nutzen und Materialien gezielter wiederzuverwerten. Darüber hinaus erwartet er eine „Zugwirkung auf Digitalisierung und Data Sharing“, die Unternehmen auch über die reine Erfüllung regulatorischer Anforderungen hinaus nutzen könnten.

Besonders wichtig ist für Büchel die Verbindung von Kreislaufwirtschaft und wirtschaftlicher Resilienz. „Digitale Produktpässe ermöglichen zirkuläres Wirtschaften“, sagt er. Angesichts knapper Rohstoffe, fragiler Lieferketten und geopolitischer Konflikte werde eine stärker kreislauforientierte Wirtschaftsweise immer wichtiger.

Die Investitionen sind aus seiner Sicht dennoch nicht zu unterschätzen. Entscheidend werde sein, ob es gelingt, den langfristigen Nutzen für Unternehmen sichtbar zu machen. Eine bessere Materialverfügbarkeit, effizientere Prozesse, zusätzliche Produktdaten und neue Geschäftsmodelle könnten die anfänglichen Kosten perspektivisch ausgleichen. Der DPP sei damit nicht nur eine neue Verpflichtung, sondern könne auch Digitalisierungs- und Wachstumsimpulse auslösen.

Die IW-Erhebung zeigt den Ausgangspunkt

Der im April 2025 veröffentlichte IW-Kurzbericht von Jan Büchel und Adriana Neligan basiert auf einer Befragung von 1.078 Unternehmen im Herbst 2024. Die Untersuchung bildet damit keine aktuelle Momentaufnahme des Jahres 2026 ab. Sie dokumentiert aber einen wichtigen Ausgangspunkt vor der konkreteren Umsetzungsphase.

Damals hatten nur vier Prozent der befragten Unternehmen bereits Maßnahmen zur Vorbereitung auf den DPP ergriffen. Weitere elf Prozent planten eine Beschäftigung mit dem Thema. 17 Prozent kannten den DPP, wollten aber weder aktuell noch künftig aktiv werden. Insgesamt kannten zwei Drittel der Unternehmen den DPP nicht oder hielten ihn für das eigene Geschäftsmodell nicht für relevant. (Institut der deutschen Wirtschaft, IW)

Auch die datenseitige Grundlage war begrenzt. Rund die Hälfte der Unternehmen stellte Partnern, Kunden oder Lieferanten digitale Produktdaten zur Verfügung. Lediglich 18 Prozent übermittelten diese in standardisierter Form. Bei Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten lag der Anteil der standardisierten Datenbereitstellung bei 17 Prozent, bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten dagegen bei 39 Prozent. (Institut der deutschen Wirtschaft, IW)

Die ältere Erhebung sollte deshalb nicht mit der Aussage zitiert werden, heute seien weiterhin nur vier Prozent vorbereitet. Sie lässt sich vielmehr als frühe Ausgangsmessung nutzen: Zu Beginn der regulatorischen Konkretisierung waren weder das Bewusstsein noch die Datenreife in der Breite vorhanden.

DIN und DKE sehen weiterhin erheblichen Orientierungsbedarf

V. l. n. r.
V. l. n. r.: Luzie Kromer (TU Berlin: Research Associate), Dr. Ole Janssen (BMWE: Senior Director at the Federal Ministry for Economic Affairs and Energy), Sibylle Gabler (DIN: Member of the Executive Board), Prof. Dr. Knut Blind (TU Berlin: Faculty of Economics and Management, Chair of Innovation Economics; Fraunhofer Institute for Systems and Innovation Research ISI: Business Unit Innovation and Regulation), Johannes Koch (DKE: Head of Standardization Policy & Strategy; External Relations & Support) Bildquelle: berlin-event-foto.de/Peter-Paul Weiler

Das im Juni 2026 veröffentlichte 14. Deutsche Normungspanel zeigt, dass inzwischen mehr Unternehmen konkrete Schritte eingeleitet haben. Von 1.092 befragten Unternehmen und Organisationen hatten 201 mit der Umsetzung begonnen. Das entspricht knapp einem Fünftel.

Gleichzeitig sahen viele Befragte weiterhin Klärungsbedarf bei Standards, Datenstrukturen und den organisatorischen Rahmenbedingungen. Als wichtige Voraussetzungen nannten sie einheitliche Anforderungen, interoperable Systeme sowie gemeinsame Datenformate und Schnittstellen. Nur etwa elf Prozent wirkten bereits aktiv in DPP-bezogenen Normungsgremien mit. (VDE)

Die Zahlen dürfen nicht als direkte Fortsetzung der IW-Erhebung interpretiert werden. Das Normungspanel befragte Unternehmen und Organisationen aus Industrie, Bau, Elektrotechnik, Dienstleistungen und weiteren Bereichen. Außerdem unterscheidet sich die Frage nach bereits begonnenen konkreten Schritten von der Kategorisierung des IW-Zukunftspanels.

Trotzdem bestätigt das Normungspanel Büchels Einschätzung: Die Umsetzung nimmt Fahrt auf, bleibt aber auf einen begrenzten Teil der Wirtschaft konzentriert. Fehlende Standards und unklare Integrationswege sind weiterhin zentrale Bremsfaktoren.

KPMG beschreibt eine rationale Warteposition

Die europäische KPMG-Erhebung ergänzt dieses Bild um Unternehmen aus besonders früh betroffenen Branchen. Zwischen September und Dezember 2025 wurden mehr als 70 Organisationen aus 13 europäischen Ländern befragt. 46 Prozent der Teilnehmer waren Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten, 44 Prozent kamen aus der Textil- und Bekleidungsbranche. Die Stichprobe ist damit deutlich anders zusammengesetzt als das deutsche IW-Zukunftspanel und nicht direkt mit ihm vergleichbar. (KPMG Assets)

Das Bewusstsein war in dieser Gruppe sehr hoch: 97 Prozent hatten vom DPP gehört. Dennoch berichteten nur 33 Prozent von einem hohen Verständnis der konkreten Anforderungen und Auswirkungen auf das eigene Unternehmen. 58 Prozent bewerteten ihr Verständnis als mittelmäßig. (KPMG Assets)

Auch die operative Reife blieb begrenzt. 19 Prozent bezeichneten sich als gut vorbereitet. 53 Prozent hatten erste Schritte eingeleitet, verfügten aber noch nicht über eine umfassende, funktionsübergreifende Roadmap mit Unterstützung der Geschäftsleitung. 16 Prozent planten einen baldigen Einstieg, zwölf Prozent hatten noch keine Diskussion auf Führungsebene begonnen.

KPMG beschreibt dieses Muster als rationale „Wait-and-prepare“-Haltung: Unternehmen bereiten einzelne Grundlagen vor, vermeiden aber umfassende Investitionsentscheidungen, solange wichtige Vorgaben noch offen sind.

Die konkreten Aktivitäten zeigen, wo Unternehmen bereits ansetzen. 47 Prozent beschäftigten sich mit Lieferantendaten, 39 Prozent bewerteten oder modernisierten ihre IT-Systeme, 35 Prozent hatten eine verantwortliche Person benannt und 26 Prozent führten Pilotprojekte durch. Gleichzeitig hatten 23 Prozent noch keinerlei Arbeiten begonnen. 61 Prozent hatten noch nicht entschieden, ob sie eine DPP-Lösung selbst entwickeln oder einkaufen wollen.

Als größte Hindernisse nannten die Teilnehmer die Beschaffung von Daten aus der Lieferkette mit 31 Prozent und das Verständnis der technischen Anforderungen mit 25 Prozent. Es folgten technologische Einschränkungen und die funktionsübergreifende Abstimmung mit jeweils 14 Prozent sowie Budgetrestriktionen mit elf Prozent.

Die KPMG European Digital Product Passport Readiness Survey untersucht, wie gut Unternehmen auf die Einführung des Digitalen Produktpasses vorbereitet sind und wo noch Handlungsbedarf bei Daten, Prozessen und Systemen besteht.
Die KPMG European Digital Product Passport Readiness Survey untersucht, wie gut Unternehmen auf die Einführung des Digitalen Produktpasses vorbereitet sind und wo noch Handlungsbedarf bei Daten, Prozessen und Systemen besteht. Bildquelle: KPMG International

Drei Studien, ein gemeinsames Muster

  • Erstens fehlen konkrete Vorgaben. Unternehmen wollen wissen, welche Daten, Identifikatoren, Schnittstellen und Nachweise für ihre Produktgruppe verbindlich werden.

  • Zweitens fehlen standardisierte Daten. Viele Unternehmen speichern zwar Informationen digital, können sie aber noch nicht systemübergreifend und maschinenlesbar austauschen.

  • Drittens beginnt die Abhängigkeit bei den Zulieferern. Ein Unternehmen kann nur dann einen vollständigen DPP bereitstellen, wenn die notwendigen Daten aus den vorgelagerten Lieferkettenstufen verfügbar sind.

  • Viertens sind die internen Zuständigkeiten häufig ungeklärt. Nachhaltigkeit, IT, Einkauf, Produktentwicklung, Compliance und Produktion müssen zusammenarbeiten. Der DPP lässt sich nicht dauerhaft einer einzelnen Abteilung zuordnen.

  • Fünftens stehen den langfristigen Chancen kurzfristige Kosten gegenüber. Dies trifft kleinere und mittlere Unternehmen besonders stark.

  • Sechstens ist der konkrete Business Case noch nicht überall sichtbar. Solange Unternehmen den DPP hauptsächlich als regulatorische Pflicht betrachten, bleibt seine Priorität hinter unmittelbar umsatz- oder produktionsrelevanten Investitionen zurück.

Warten ist nachvollziehbar, vollständige Untätigkeit bleibt riskant

Die Warteposition vieler Unternehmen ist damit nicht zwingend Ausdruck einer grundsätzlichen Ablehnung. In vielen Fällen ist sie eine Reaktion auf offene regulatorische Details und das Risiko von Fehlinvestitionen.

Die Studien zeigen jedoch zugleich, dass Unternehmen nicht auf jede technische Spezifikation warten müssen. Produktgruppen und Datenquellen können bereits identifiziert, interne Verantwortlichkeiten festgelegt, vorhandene Systeme geprüft und Lieferanten angesprochen werden. Auch kleinere Pilotprojekte sind möglich, ohne sich frühzeitig auf eine endgültige DPP-Plattform festzulegen.

Der entscheidende Unterschied verläuft deshalb nicht nur zwischen vorbereiteten und unvorbereiteten Unternehmen. Er verläuft zwischen Unternehmen, die ihre Grundlagen bereits ordnen, und solchen, die erst mit Inkrafttreten der konkreten Pflichten beginnen werden.

Oder, wie Büchel es formuliert: Viele Unternehmen könnten die datenseitigen Voraussetzungen bereits heute schaffen, „um die DPP-Umsetzung später leicht und schnell durchführen zu können“.

Quellen

https://www.iwkoeln.de/studien/jan-buechel-adriana-neligan-digitaler-produktpass-ready-to-go.html

https://assets.kpmg.com/content/dam/kpmgsites/xx/pdf/2026/02/esg-eu-digital-pps-report.pdf.coredownload.inline.pdf

https://www.vde.com/en/press/press-releases/survey-of-companies-din-dke-digital-product-passport

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