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Europas ÖPNV-Ticket wird multimedial

  • Veröffentlicht: 02. Oktober 2026
  • Lesezeit: 6 min
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Europas ÖPNV-Ticket wird multimedial
In ganz Europa wird das Ticketwesen im öffentlichen Nahverkehr zunehmend multimedial, da Smartcards, NFC-fähige Smartphones und kontaktlose Zahlungskarten immer häufiger innerhalb derselben Tarifsysteme nebeneinander genutzt werden. Bildquelle: Think WIoT

Smartcards, NFC-Smartphones, kontaktlose Bankkarten und digitale Zugangsberechtigungen verschmelzen im europäischen öffentlichen Nahverkehr zunehmend miteinander. Jüngste Entwicklungen in Deutschland, Spanien, den Niederlanden, Frankreich und Italien zeigen, dass die Zukunft des Fahrkartenverkaufs nicht in einem einzigen Medium liegt, sondern in einem sicheren multimedialen Ökosystem.

Europaweit tritt das Ticketwesen im öffentlichen Nahverkehr in eine neue Phase ein. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, ob Fahrkarten digital werden, sondern wo die Fahrberechtigung gespeichert wird und wie sicher verschiedene Medien innerhalb eines Verkehrssystems verarbeitet werden können.

Die Antwort darauf wird immer vielfältiger. Spezielle Smartcards behalten ihre Bedeutung, während Smartphones, Wearables und kontaktlose Zahlungskarten zu zusätzlichen Zugangswegen für den öffentlichen Nahverkehr werden. Gleichzeitig wird immer mehr Intelligenz in sichere Backends für die Fahrkartenentwertung, die Tarifberechnung, die Zugangsdatenverwaltung und die Betrugsprävention integriert.

Deutschland: (((etiCORE schafft die nächste eTicket-Architektur

Deutschland modernisiert die technische Grundlage des elektronischen Ticketings durch (((etiCORE, die Architektur der nächsten Generation für eTicket Deutschland.

Eine zentrale Komponente ist das neue Multi-Client-Product-Owner-System (MPS). Der VDV eTicket Service veröffentlichte am 1. September 2026 neue Details und erklärte, dass das MPS die Fahrkartenüberwachung sowie die Erkennung und Prävention von Missbrauch und Betrug unterstützen wird.

Der VDV eTicket Service wird innerhalb des Systems einen eigenen Mandanten betreiben und die Rolle des technischen Produktverantwortlichen für bundesweite Produkte wie das Deutschlandticket übernehmen. Das MPS soll schrittweise das derzeitige „Zentrale Produktverantwortlichen-System“ (ZPVS) ersetzen, das als zentrales Backend zur Verwaltung und Sicherung des Deutschlandtickets dient.

Bei dieser Entwicklung geht es weniger um neue Fahrscheinformate als vielmehr um die Modernisierung der dahinterstehenden Infrastruktur. eTicket Deutschland unterstützt bereits kontaktlose Chipkarten und mobile Fahrscheine, während (((etiCORE die Kryptografie, die Schlüsselverwaltung, den Lebenszyklus von Zugangsdaten sowie Backend-Funktionen zur Überwachung und Betrugsprävention stärkt.

Spanien: Renfe bringt Tickets auf iOS und Android

Renfe kündigte im September eine bedeutende Neuerung im Bereich des mobilen Ticketings an.

Die neue Lösung ermöglicht es Zugangs- und Entwertungssystemen, Fahrkarten zu erkennen, die sowohl auf iOS- als auch auf Android-Smartphones gespeichert sind. Laut Renfe kann die Technologie die bestehende Entwertungsinfrastruktur nutzen, wodurch ein unnötiger Austausch bereits installierter Systeme vermieden wird.

Das Unternehmen plant, die Lösung im Laufe des Jahres 2027 in seine mobilen Anwendungen zu integrieren und die Technologie anderen Verkehrsbehörden und Betreibern in Spanien zur Verfügung zu stellen.

Dies schafft einen praktischen Übergang von physischen Karten hin zu digitalen Geldbörsen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Kompatibilität mit der bestehenden Verkehrsinfrastruktur.

Niederlande: OV-pas trifft auf Open-Loop Payment

Die Niederlande zeigen, wie spezielle Fahrkarten und Open-Loop-Zahlungen nebeneinander existieren können.

Die neue OV-pas ersetzt im Rahmen von OVpay die seit langem etablierte OV-chipkaart. Fahrgäste können sich mit der OV-pas, einer Debit- oder Kreditkarte oder einem Mobiltelefon ein- und auschecken.

Die OV-pas funktioniert in Zügen, Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen in den gesamten Niederlanden.

Dies ist ein wichtiges Signal für den Smartcard-Markt: Open-Loop-Zahlungen machen spezielle Fahrkarten nicht zwangsläufig überflüssig. Stattdessen können beide innerhalb desselben Tarifsystems funktionieren.

Italien: Trenord erweitert kontaktloses Pay&Go

In Italien setzt Trenord die Einführung seines kontaktlosen Pay&Go-Ticketingsystems fort.

Im September hat der Betreiber das System auf weitere Regional- und Vorortbahnverbindungen rund um Mailand ausgeweitet. Fahrgäste können ihre Fahrt mit einer kontaktlosen Bankkarte oder einem Smartphone bezahlen, indem sie beim Abfahren und am Zielort jeweils einmal das Gerät an das Lesegerät halten.

Die Nutzung ist für den Fahrgast einfach, doch die dahinterstehende Technologie erfordert zuverlässige kontaktlose Lesegeräte, eine sichere Transaktionsabwicklung, Fahrpreisberechnung und Backend-Integration.

Frankreich: Navigo, Smartphones und Smartwatches nebeneinander

Frankreich verfügt bereits über eine stark multimediale Ticketumgebung.

RATP-Fahrgäste können Fahrkarten auf einem Smartphone kaufen und auf eine kontaktlose Navigo-Karte laden, direkt mit dem Smartphone entwerten oder eine kompatible Smartwatch nutzen.

Das bedeutet, dass die physische Smartcard nicht einfach ersetzt wird. Stattdessen existieren mehrere Arten von Zugangsnachweisen innerhalb derselben Verkehrsumgebung nebeneinander.

Eine Fahrt, mehrere sichere Zugangsmedien

Diese Entwicklungen deuten auf einen umfassenderen Wandel im europäischen Fahrgeldsystem hin.

Im traditionellen Modell war ein Fahrscheinprodukt eng mit einer speziellen Fahrkarte und einem Lesegerät verbunden.

Im sich abzeichnenden Modell kann eine Fahrberechtigung mit einer Smartcard, einem NFC-Smartphone, einem Wearable oder einer Zahlungskarte verknüpft werden, während sichere Lesegeräte und Backend-Systeme feststellen, ob der Fahrgast zum Fahren berechtigt ist und welcher Tarif anzuwenden ist.

Das erhöht die Flexibilität für Fahrgäste, steigert aber auch die technische Bedeutung von sicherem Ausweismanagement, Kryptografie, NFC und kontaktlosen Schnittstellen, Lesegerät-Infrastruktur, Lebenszyklusmanagement und Betrugsprävention.

Spezielle Smartcards dürften daher weiterhin eine wichtige Rolle spielen – insbesondere für Fahrgäste mit Fahrpreisermäßigungen, Mitarbeiter- und Studentenprogramme, Closed-Loop-Anwendungen sowie für Fahrgäste, die keine Smartphones oder Zahlungskarten nutzen wollen oder können.

Das Ticket wird zum Ökosystem

Europa bewegt sich nicht weg von der Smartcard hin zu einem universellen Ersatz.

Stattdessen entwickelt sich die Ticketumgebung zu einem multimedialen Umfeld.

Deutschland modernisiert die nationale E-Ticket-Infrastruktur und die Betrugsprävention. Spanien ermöglicht Fahrberechtigungen auf iOS und Android. Die Niederlande kombinieren eine neue Fahrkarte mit Open-Loop-Zahlungen. Italien baut das kontaktlose Ein- und Auschecken aus. Frankreich unterstützt bereits Navigo-Karten, Smartphones und Wearables.

Die gemeinsame Richtung ist klar: Fahrgäste wählen zunehmend das Medium selbst, während die Verkehrssysteme die dahinterstehende Fahrberechtigung sicher erkennen, authentifizieren und verarbeiten müssen.

Quellen und weitere Informationen

VDV eTicket Service – Was ist das MPS für (((etiCORE?

Erläutert die Fahrkartenüberwachung, Betrugsprävention und die zukünftige Rolle des technischen Produktverantwortlichen für nationale Produkte, darunter das Deutschlandticket.

Weiterlesen unter: VDV eTicket Service – MPS für (((etiCORE.

Renfe – Mobile Fahrkarten auf iOS und Android

Renfe beschreibt seine Lösung zur Bereitstellung von Fahrkarten und Abonnements auf Apple- und Android-Geräten unter Verwendung bestehender Entwertungstechnologie.

Mehr dazu unter: Renfe – Fahrkarten auf Apple und Android.

U-OV – Das neue OV-pas

Erläutert, wie der OV-pas, Bankkarten und Mobiltelefone in der neuen OVpay-Umgebung funktionieren.

Mehr dazu unter: U-OV – Der neue OV-pas.

Trenord – Kontaktloses Bezahlen mit Pay&Go

Beschreibt die im September erfolgte Ausweitung der „Tap-in/Tap-out“-Zahlungen mit kontaktlosen Karten und Smartphones.

Mehr dazu unter: Trenord – Pay&Go-Ausweitung.

RATP – Fahrkarten auf Smartphones

Erläutert, wie Navigo-Karten, Smartphones und Smartwatches als Fahrscheine genutzt werden können.

Weitere Informationen unter: RATP – Fahrkarten auf Smartphones.


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Think WIoT
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Anja Van Bocxlaer